Fluxo: Smarte Lampe aus Österreich ermöglicht volle Lichtkontrolle

19. Dezember 2015, 10:09
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Wiener Startup will Beleuchtung neu definieren und feiert Erfolg auf Kickstarter

Branchengröße Philips hat es mit Hue vorgemacht und als erster großer Hersteller vernetzte Lichtspender in den regulären Handel gebracht. Mittlerweile haben zahlreiche Unternehmen nachgezogen und bieten ebenfalls Systeme aus kommunizerenden LED-Birnen an, die per App gesteuert, die Farbe wechseln und ihre Helligkeit verändern können.

Auch das Wiener Startup Luke Roberts will nun in diesem Markt mitmischen, verfolgt dabei allerdings einen etwas anderen Ansatz. Auf volle Vernetzung wird verzichtet, dafür will man der smarten Lampe Fluxo den Nutzern umso mehr Kontrolle über ihre Beleuchtung geben. Das Konzept überzeugt offenbar – denn auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ist die Produktion längst ausfinanziert. Der WebStandard hat sich zu einem Bürobesuch aufgemacht und Fluxo näher begutachtet.

foto: derstandard.at/pichler

Das leuchtende Ufo

Würde die Lampe nicht an einem Kabel an der Decke hängen, könnte man sie glatt mit einem Ufo verwechseln. Die runde Scheibe mit ihrem mattierten Äußeren wird von einem kuppelförmigen Kühlkörper geziert. Dass es bei Fluxo nicht nur um Technik, sondern auch stark um den Design-Aspekt geht, daraus macht auch Luke Roberts-Mitgründer Robert Kopka kein Hehl.

Marktpionier Philips hat ebenfalls seinen Anteil an dem Produkt. Er liefert nämlich die LEDs, die im Inneren der Lampe auf Platinen in mehreren Ringen angeordnet sind. 300 sind es insgesamt, wobei das Gerät Gebrauch vom kompletten Farbspektrum macht. Robert Pfarrwaller, ehemaliger Chef der deutschen Beleuchtungssparte des niederländischen Konzerns, gehört außerdem zum Beratungsteam der jungen Firma.

Gesteuert wird Fluxo per App, die Anbindung erfolgt per Bluetooth 4 LE. Auf WLAN-Anbindung wird verzichtet, da man konzeptuell ausschließlich lokale Benutzung vorsieht. In Fernsteuerung über das Internet sieht man keinen Mehrwert und durch den Verzicht entledigt man sich gleichzeitig auch potenzieller Sicherheitsprobleme und zusätzlicher Arbeit.

foto: derstandard.at/pichler

Entwickler versprechen lange Lebensdauer

Lässt man den Hightech-Lichtmacher mit maximaler Kraft erstrahlen, erzeugt er eine Helligkeit von 2.800 Lumen. Grob umgerechnet entspricht dies etwa einer fiktiven 160-Watt-Glühbirne. Das LEDs allerdings deutlich sparsamer sind, verbraucht die smarte Lampe maximal rund 50 Watt. Bis zu 30 Quadratmeter an Raumareal lassen sich damit gut ausleuchten. Die Lebensdauer der LEDs beziffert man mit zehn Jahren, was so viel bedeutet, dass nach dieser Zeit die abgestrahlte Helligkeit nur noch 90 Prozent des Ausgangswertes beträgt.

Mehrere Testdurchläufe und der großzügige Kühlkörper sollen sicherstellen, dass dieser Wert auch erreicht wird. Hier liegt auch die potenzielle Achillesferse. Fällt ein Teil der Elektronik aus, muss für den Austausch die Lampe wieder abmontiert werden. Es handelt sich um ein vollständig geschlossenes System, das direkt mit einem üblichen Anschluss (110/220 V) verbunden wird.

Man hat bewusst darauf verzichtet, Fluxo als Lampe für einen Standardanschluss wie etwa den Glühbirnenstandard E27 zu entwickeln. Diesen betrachtet man als Relikt aus eben jenem Zeitalter vor Energiesparlampen und LEDs, der aufgrund seiner Umsetzung vor allem für die Umsetzung eines effizienten Kühlsystems hinderlich ist. Die daraus bedingte erhöhte Wärmeentwicklung würde wiederum die Lebensdauer der integrierten Elektronik senken. Auch in das Design wäre ein solcher Anschluss schwer zu integrieren.

foto: derstandard.at/pichler

Intuitive App, viele Möglichkeiten

Die App wirkt jetzt bereits sehr ausgereift und ist intuitiv handhabbar. Im Moment liegt sie nur in einer iOS-Ausgabe vor, zum Lieferstart von Fluxo wird aber auch Android unterstützt werden. Mit einfachen Wischbewegungen kann durch eine Reihe voreingestellter Beleuchtungsmodi geschalten werden. Wer möchte, kann aber auch selber einfach am Display aufzeichen, wohin Fluxo in welcher Farbe strahlen soll.

Die Möglichkeiten sind dabei sehr vielfältig, da sich dank eigens entwickelter Optik und den individuell ansteuerbaren Dioden auch einzelne "Spots" malen und ausrichten lassen. Abgedeckt wird ein Abstrahlwinkel von 85 Grad. Tüftler können künftig eigene Apps und Beleuchtungsmodi für Fluxo umsetzen, denn die Entwickler wollen eine offene Schnittstelle für Sensoren und LEDs bereit stellen.

foto: derstandard.at/pichler

Lampe lernt mit

Apropos Sensoren: Die Lampe verfügt über Bewegungserkennung und ist in der Lage, aus ihrer Verwendung zu lernen. Betritt man etwa regelmäßig um 18 Uhr das Wohnzimmer und aktviert nur das oberseitige Stimmungslicht für angenehme Fernsehatmosphäre, übernimmt dies Fluxo im smarten Modus zukünftig selbständig, wenn sie um diese Zeit erkennt, dass jemand den Raum betritt. Ebenso beherrscht sie grundlegende Features, wie sich auszuschalten, wenn man das Zimmer verlässt.

Wer sich nun um Datenschutz sorgt, kann laut Kopka aufatmen. Die Lampe lernt rein auf Basis ihrer Verwendung, erklärt er gegenüber dem WebStandard, erkennt aber keine einzelnen Nutzer. Leben in einer Wohnung mehrere Menschen mit sehr unterschiedlichem Verhalten in Sachen Beleuchtung, kann Fluxo dementsprechend durcheinander kommen. Wer auf die Lernfähigkeit des "Ufos" verzichten möchte, kann dieses Feature auch einfach abschalten.

Das Durchschalten voreingestellter Beleuchtungsmodi soll außerdem auch ganz ohne App möglich sein. Dafür hat man "Click Detection" programmiert. Schaltet man kurz das Licht aus und wieder ein, wechselt die Lampe zum nächsten Setting.

foto: derstandard.at/pichler

Großer Finanzierungserfolg

Die Idee zu Fluxo ist im Sommer 2014 entstanden, wie die Kickstarter-Timeline verrät. Anfang 2015 entstanden erste Prototypen der grundlegenden Elektronik, im Oktober hatte man den ersten voll funktionalen Prototypen fertig gestellt. Mittlerweile hängt im Büro im dritten Wiener Gemeindebezirk eine Lampe, die bis auf Detailänderungen dem künftigen fertigen Produkt entsprechen soll.

50.000 Euro wollte man zumindest über Kickstarter einnehmen – ein Ziel, das auch von klassischen Investoren für die Freigabe weiterer Gelder gesetzt wurde. Dieser Sorge hat sich Luke Roberts entledigt, denn bereits zehn Stunden nach dem Start des Crowdfundings war diese Hürde überwunden. Mittlerweile marschiert das Projekt laut Kicktraq auf Gesamteinnahmen jenseits der 500.000-Euro-Marke zu, das Startup selbst kalkuliert allerdings deutlich konservativer.

Nach dem Ende der Schwarmfinanzierung nach der Jahreswende läuft im Februar schließlich die Optimierung für die Massenproduktion an, was bis April dauert. Im Mai wird das Produkt den jeweiligen Zertifizierungsstellen vorgelegt, im Juni soll die Fertigung anlaufen. Der Lieferstart ist derzeit für August vorgesehen.

foto: derstandard.at/pichler

Gute Perspektive

Verzögerungen sind allerdings die häufigste "Panne" bei Crowdfunding-Projekten, insbesondere bei technologisch anspruchsvollen Gütern. Ausgehend vom aktuellen Stand gibt sich Kopka aber überzeugt, den Termin einhalten zu können. Nachsatz: Unvorhergesehene Probleme könne man natürlich nie ausschließen.

Wer mit Fluxo die volle Kontrolle über das eigene Wohnzimmer- oder Bürolicht übernehmen möchte, muss allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. 369 Euro kostet die Lampe über die günstigste, noch verfügbare Early Bird-Schiene, danach liegt der Kickstarter-Preis bei 419 Euro. Der künftige Handelspreis soll noch einmal deutlich darüber angesiedelt sein.

Die Investition in Crowdfunding-Produkte, die über Kickstarter als nachrangiger Investor erfolgt, ist natürlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Insbesondere bei höheren Beträgen sollte man genauer hinsehen. Das Projekt, so weit sich das nach dem Vorort-Besuch einschätzen lässt, ist aber auf einem sehr guten Weg. Der präsentierte Prototyp und die App machen wie bereits erwähnt einen sehr ausgereiften Eindruck.

foto: derstandard.at/pichler

Internationales Crowdfunding alternativlos

Bleibt noch die Frage offen, warum Luke Roberts ihre Erfindung nicht über eine österreichische oder deutschsprachige Crowdfunding-Plattform vermarkten. Die Antwort, die Robert Kopka gibt, ist recht simpel: Gerade bei teureren Tech-Produkten wäre der Zielmarkt zu klein, wie man auch bei Vorabanalysen festgestellt hat.

Deren Richtigkeit bestätigt sich aktuell, denn nur rund 30 Prozent aller per Kickstarter erfolgten "Bestellungen" kommen aus dem deutschsprachigen Raum. (Georg Pichler, 15.12.2015)

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