Nordrhein-Westfalen: Salafistenprediger verhaftet

15. Dezember 2015, 16:52
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Lau sorgte mit "Scharia-Polizei" für Aufsehen – Verdacht der Unterstützung einer Terrororganisation

Berlin – Die deutsche Bundesanwaltschaft hat den Salafistenprediger und Initiator einer "Scharia-Polizei", Sven Lau, wegen des Verdachts der Unterstützung einer Terrorvereinigung festgenommen. Der 35-jährigen Deutsche soll Kämpfer an die Organisation Jamwa (Armee der Auswanderer und Helfer) in Syrien vermittelt haben. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger erklärte am Dienstag, Prediger wie Lau stifteten Jugendliche an, sich Dschihadisten anzuschließen. "Der Rechtsstaat wehrt sich." Laus Verteidiger sprach dagegen von längst widerlegten jahrealten Vorwüfen.

Lau wurde nach Angaben Jägers in Mönchengladbach gefasst, wo er eine salafistische Moschee leitet. Die Bundesanwaltschaft erklärte, er stehe im Verdacht, 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation Jamwa tätig gewesen zu sein. Diese sei spätestens seit Mitte 2013 eng an die Extremistenmiliz Islamischer Staat gebunden.

Dschihadisten vermittelt

Nach der Spaltung der Jamwa Ende 2013 habe sich der von Lau unterstütze Flügel dem IS angeschlossen. Lau sei Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf gewesen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Konkret wirft sie Lau vor, zwei Dschihadisten an eine Kampfeinheit vermittelt zu haben. Außerdem habe er einem der Kämpfer in Syrien 250 Euro überbracht und im Auftrag der Jamwa in Deutschland drei Nachtsichtgeräte besorgt.

Laus Verteidiger Mutlu Günal sagte, er wisse nicht, warum die Vorwürfe von 2013 wieder "aufgekocht" würden. Möglicherweise gebe es einen Zusammenhang mit der Entscheidung des Landgerichtes Wuppertal zur "Scharia-Polizei". Das Gericht hatte den Aufmarsch der selbsternannten Sittenwächter als nicht strafbar bewertet und einen Prozess abgelehnt. "Ich erwarte, dass der Herr Lau gleich wieder entlassen wird und mit dem Zug nach Hause fahren darf", sagte sein Anwalt.

Die Sicherheitsbehörden nähmen die Gefahr durch extremistische Salafisten ernst, erklärte Jäger. "Mit ihrer gewaltverherrlichenden Propaganda und angeblicher Hilfe für notleidende Menschen in den Krisengebieten bereiten salafistische Prediger wie Lau den Nährboden für die Radikalisierung junger Männer." Lau sei seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden. Er gelte als einer der führenden Köpfe der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen. (Reuters, 15.12.2015)

  • Sven Lau, der sich auch "Abu Adam", bei einem Auftritt in Wuppertal
    foto: epa/marius becker

    Sven Lau, der sich auch "Abu Adam", bei einem Auftritt in Wuppertal

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