Hasskommentare sind für viele Nutzer ein ernstes Problem

15. Dezember 2015, 11:36
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79 Prozent der Befragten fürchten, dass sie ein Nährboden für reale Gewalttaten sein könnten

Wüste Beschimpfungen, rassistische Beleidigungen, explizite Gewaltandrohungen: Fast jeder zweite Internetnutzer (48 Prozent) in Deutschland hat schon einmal sogenannte Hasskommentare im Internet gelesen. Und jeder neunte Internetnutzer (11 Prozent) hat sich zudem sogar selbst schon einmal als Opfer solcher Äußerungen empfunden, etwa weil er persönlich angegriffen, beleidigt oder bedroht wurde. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Die Mehrheit der Internetnutzer betrachtet Hasskommentare dabei als ernstes Problem: 79 Prozent fürchten, dass sie ein Nährboden für reale Gewalttaten sein könnten. 72 Prozent sagen, solche Äußerungen tragen zu einer Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas bei.

Zunahme von Hass im Netz

Der Großteil der Leser von Hasskommentaren ist der Ansicht, dass die Zahl dieser Botschaften innerhalb der vergangenen zwölf Monate zugenommen hat: 77 Prozent registrieren einen starken, weitere 10 Prozent einen leichten Anstieg. Nur 11 Prozent nehmen keine Veränderung wahr.

Unterschiedliche Reaktionen je nach Betroffenheit

Der Umgang mit Hasskommentaren unterscheidet sich dabei stark je nachdem, ob jemand persönlich betroffen ist oder nicht. Diejenigen, die Hasskommentare ausschließlich gelesen haben, haben zu 77 Prozent überhaupt nicht darauf reagiert. 16 Prozent haben sie dem Betreiber gemeldet. 7 Prozent haben sich mit einem eigenen Posting dagegen ausgesprochen und 6 Prozent haben in ihrem sozialen Netzwerk dazu aufgerufen, die Äußerung ablehnend zu kommentieren. 2 Prozent haben dem Verfasser der Hasskommentare die Online-Freundschaft gekündigt und lediglich 1 Prozent hat Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft erstattet.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei denjenigen, die selbst Opfer von Hasskommentaren geworden sind: Jeder Zweite aus dieser Gruppe (52 Prozent) hat die Äußerung dem Betreiber gemeldet. 40 Prozent haben in ihrem Netzwerk dazu aufgerufen, die Äußerung ablehnend zu kommentieren. 39 Prozent haben dem Verfasser, so möglich, die Freundschaft gekündigt. Weitere 28 Prozent haben sich mit einem eigenen Posting gegen die Äußerung ausgesprochen. Jeder Fünfte (19 Prozent) hat sogar Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstattet.

Toleranz gegenüber Hasskommentaren

Nur 12 Prozent der Internetnutzer sind der Ansicht, dass Hasskommentare im Internet zu einer offenen Diskussionskultur gehören und deshalb immer toleriert werden sollten. 22 Prozent sagen, dass man sie zumindest im Grundsatz tolerieren und nur im Ausnahmefall gegen sie vorgehen sollte, wie z.B. beim Aufruf zu schweren Straftaten. 17 Prozent sind gleichgültig gegenüber Hasskommentaren.

Maßnahmen gegen Hasskommentare

Zur Lösung des Problems sollen nach Ansicht der Befragten alle relevanten Akteure beitragen – also Betreiber von Online-Plattformen genauso wie die Justiz und die Nutzer selbst: 86 Prozent wünschen sich, dass Betreiber eindeutige Hinweise geben, wie sich die Nutzer im Internet verhalten sollen (Netiquette). Ebenso viele wollen, dass die Betreiber Hasskommentare schnell löschen. 80 Prozent finden zudem, dass sie die Accounts von Hasskommentar-Verfassern sperren sollten. Und 77 Prozent sprechen sich dafür aus, bei Bedarf die Kommentarfunktion auf einer Webseite abzuschalten. 72 Prozent sind zudem dafür, dass Nutzer Hasskommentare verstärkt mit Argumenten widerlegen. 70 Prozent finden, dass die Strafverfolgungsbehörden verstärkt gegen Hasskommentare vorgehen sollten. (red, 15.12. 2015)

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Bitkom

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    foto: afp
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