Influenzaviren können Narkolepsie auslösen

15. Dezember 2015, 11:17
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Tests an Mäusen zeigen, dass eine Grippeinfektion die Produktion von Nervenbotenstoffen beeinträchtigt, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig sind

Wien/Stockholm – Während der "Schweinegrippe"-Pandemie durch A(H1N1)-Influenzaviren 2009/2010 wurde in China und in skandinavischen Ländern eine vermehrte Zahl von Narkoleptikern registriert. Als möglicher Auslöser galt die Influenzaimpfung. Doch nach neuen Erkenntnissen, kann das Influenzavirus selbst diese Krankheit auslösen.

Chiara Tesoriero von der Abteilung für Neurowissenschaften am Karolinska Institut in Stockholm und ihre Co-Autoren, darunter auch Tibor Harkany vom Hirnforschungszentrum der MedUni Wien, haben ihre Forschungsresultate jetzt in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht. Bisher sei man von Autoimmunprozessen als Ursache ausgegangen, schreiben die Autoren. Doch es könnte durchaus auch eine andere Erklärung für häufigere Narkolepsie-Erkrankungen im Rahmen von Influenzawellen geben.

Nervenzellen im Gehirn infiziert

An sich kommt Narkolepsie, auch "Schlafkrankheit" oder "Schlummersucht" genannt, mit einer Häufigkeit von 25 bis 50 Fällen pro 100.000 Menschen vor. Betroffene leiden tagsüber an wiederholten Schlafattacken und somit auch an einer massiven Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Wissenschafter infizierten Mäuse mit dem A(H1N1)-Influenzaviren. Die Tiere waren genetisch so verändert worden, dass ihr Immunsystem weder B- noch T-Zellen produzierte, so dass durch das Fehlen einer Abwehrreaktion gegen die Krankheitserreger auch die Auswirkung einer auf das Gehirn übergreifenden Influenzainfektion untersucht werden konnte.

Dabei zeigte sich, dass die Viren zum Beispiel jene Nervenzellen im Gehirn infizierten, die für die Produktion von Nervenbotenstoffen wie Orexin und Hypocretin verantwortlich sind. Seit längerem wurde vermutet, dass der Verlust von Orexin- bzw. Hypocretin-produzierenden Zellen in der Hypothalamus-Gehirnregion ursächlich für Narkolepsie ist. Dies wurde in der neuen Studie bestätigt. Die Tiere wiesen einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus auf. Ein weiteres Ziel der Viren waren Zellen der Geruchswahrnehmung im Gehirn. (APA, 15.12.2015)

  • Nach der Impfkampagne im Jahr 2010 gegen die Schweinegrippe erkrankten in Europa ungewöhnlich viele Kinder und Jugendliche an Narkolepsie.
    foto: reuters/ints kalnins

    Nach der Impfkampagne im Jahr 2010 gegen die Schweinegrippe erkrankten in Europa ungewöhnlich viele Kinder und Jugendliche an Narkolepsie.

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