Niersbach belastet den Kaiser: Blatters Wahl angeblich gekauft

15. Dezember 2015, 10:39
92 Postings

Beckenbauers Rolle im WM-Skandal wird dubioser

Frankfurt/Main – Der im Zuge der WM-Affäre zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat Franz Beckenbauer im Gespräch mit der ermittelnden Kanzlei Freshfields offenbar schwer belastet. Das geht aus Vernehmungsprotokollen hervor, aus denen die Bild-Zeitung am Dienstag zitiert. Demnach sei die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro inoffiziell an die Finanzkommission des Weltverbandes FIFA geflossen, um damit 2002 die Wiederwahl von Präsident Joseph S. Blatter zu finanzieren.

Niersbach erinnere sich laut der Protokolle, dass Beckenbauer ihm 2002 nach Blatters Wiederwahl gesagt habe: "Der ist auch mit meinen Geld gewählt worden." Ähnlich soll sich auch der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans geäußert haben. Beim FIFA-Kongress 2002 in Seoul, bei dem Blatter im Amt bestätigt wurde, habe Beckenbauer auf die Frage, wem Blatter seine Wiederwahl zu verdanken habe, auf sich gezeigt.

Beckenbauer hatte Ende November die ominöse Überweisung der WM-Macher von 6,7 Millionen Euro an die FIFA aus dem Jahr 2005 mit fragwürdigen Begleitumständen eines drei Jahre zuvor vereinbarten Deals begründet: Die FIFA-Finanzkommission soll 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben. Außer Beckenbauer hatten zuvor auch Niersbach und weitere Mitglieder des WM-Organisationskomitees die FIFA-Forderung als Voraussetzung für den Millionen-Zuschuss genannt.

Weitere Ermittlungen

Blatter bezeichnete diese Darstellung im Spiegel-Interview als "absurd". Der Zuschuss für die deutschen WM-Macher sei "an keinerlei Bedingungen durch die FIFA geknüpft" gewesen.

Bei ihren Ermittlungen ist die Kanzlei Freshfields angeblich auch auf ein Dokument gestoßen, das eine Bestechung des verstorbenen FIFA-Exekutivmitglieds Charles Dempsey (Neuseeland) vor der Abstimmung des Gremiums über den WM-Gastgeber 2006 nahelegt. Die Frage, ob aus der Codierung des Papiers zu schließen sei, dass Dempsey am Vorabend der WM-Vergabe 250.000 US-Dollar erhalten habe, verneinte Niersbach. Das Dokument soll eine Vorzimmer-Dame Niersbachs in einem Ordner entdeckt haben. Laut Bild legte Freshfields in den Vernehmungen keine Belege dafür vor.

Das offizielle Ergebnis der externen Ermittlungen soll Ende Februar vorliegen. Der DFB will den Bericht öffentlich machen.

Niersbach bleibt in Amt und Würden

Der DFB sieht indes weiter keinen Grund für die Abberufung Niersbachs von seinen Posten bei UEFA und FIFA. Zudem soll der 65-Jährige bei der deutschen Bewerbung um die EM 2024 als "Türöffner" fungieren.

Niersbach war am 9. November als DFB-Präsident zurückgetreten, nachdem er im Skandal um eine dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro vor der WM 2006 in Deutschland eine schlechte Figur gemacht hatte. Bei der UEFA soll Niersbach dem DFB weiter bei der Bewerbung um die Europameisterschaft 2024 helfen. (sid, APA, red, 15.12.2015)

  • Nächste Version von Ex-DFB-Präsident Niersbach in der WM-Affäre: Offenbar wurden die 6,7 Millionen Euro Schwarzgeld dafür verwendet, die Wiederwahl von Fifa-Boss Joseph Blatter abzusichern.
    foto: ap/bieri

    Nächste Version von Ex-DFB-Präsident Niersbach in der WM-Affäre: Offenbar wurden die 6,7 Millionen Euro Schwarzgeld dafür verwendet, die Wiederwahl von Fifa-Boss Joseph Blatter abzusichern.

Share if you care.