Auch Google & Co. brauchen mehr Frauen

7. April 2015, 09:00
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Zu wenig Vielfalt auch bei den Riesen der Tech-Branche

Wie bringt man mehr Frauen in die IT-Industrie? Diese Frage stellt man sich auch - und vor allem seit letztem Jahr - bei Google, Apple, Facebook und anderen Riesen der IT-Branche. Das Thema kam weltweit in die Medien, nachdem die Techkonzerne in den vergangenen Monaten wenig schmeichelhafte Zahlen über den Frauenanteil im Unternehmen veröffentlichten: nur um die 30 Prozent der Belegschaft sind weiblich.

Bevor es aber um die Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten ging, wurde zunächst die Schuldfrage gestellt: Liegt es an den Unternehmen oder an den Frauen, dass die sonst so innovativen Technologie-Riesen hauptsächlich männlich sind? In vielen Medienkommentaren, in den sozialen Netzwerken, auf Fachkonferenzen und in TV-Shows wurden Standpunkte ausgetauscht. Die Techkonzerne sehen das Problem nicht bei sich - zu wenige Kandidatinnen würden die Universitäten verlassen, Bemühungen ihrerseits seien aber da. Das sehen nicht alle so: Anu Tewary vom Softwarekonzern Intuit sagte auf der Veranstaltung "Frauen in der Tech-Industrie dürfen nicht die nächste vom Aussterben bedrohte Art sein" beim Tech-Festival South by Southwest etwa, die Unternehmen würden zu Diskrimminierung neigen.

Irgendwie komisch?

Dass sich viele Frauen in der IT nicht wohl fühlen vermutet auch Robin Hauser, Regisseurin der Doku "Code. Debugging the Gender Gap". "Exzellent im Job zu sein ist als Frau in dieser Branche nicht genug", heißt es im Trailer. In dem Film wird gefragt, was mehr Frauen und Minderheiten in der IT der Gesellschaft bringen - nämlich vielfältigere Programme. Zentrale Message: Mädchen und Frauen werden zu wenig ermutigt in die Branche einzusteigen. Begründet wird das auch durch die Pionierinnen der Computerwissenschaft: Frauen waren an der Entwicklung moderner Computer maßgeblich beteiligt, sind aber aus der Geschichte verschwunden.

Ermutigen wollen Unternehmen durch verschiedene Maßnahmen. Für Schlagzeilen sorgte das Angebot mancher Techkonzerne, die Kosten für das Einfrieren von Eizellen zu übernehmen. Mehr Anerkennung gab es für Initiativen, die Programmieren für Mädchen im Schulalter fördern: Google investierte beispielsweise 50 Millionen US-Dollar in die Kampagne "Made with Code" - Unis und Jugendorganisationen beteiligen sich am Projekt. Dass es nur der Beginn eines langen Prozesses ist, da sind sich Unternehmen und Kritiker einig. (lhag, DER STANDARD, 04./05.04.2015)

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