Sonja Hammerschmid: Biologin mit zwei Seelen als Chefin der Rektoren

Kopf des Tages14. Dezember 2015, 17:58
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Hammerschmid wurde als erste Frau zur Präsidentin der Universitätenkonferenz gewählt

Sie ist eine Vorreiterin innerhalb des Hochschulsektors: Sonja Hammerschmid ist nicht nur die erste Frau, die ab kommendem Jänner der Österreichischen Universitätenkonferenz vorstehen wird, sondern auch die erste Präsidentin des Rektorenverbands, die keine Professur innehat.

Nach dem Abschluss des Oberstufenrealgymnasiums in der oberösterreichischen Gemeinde Perg entschied sich Hammerschmid für ein Biologiestudium an der Universität Wien – allerdings etwas zögerlich. Auch eine Karriere als Designerin oder Ärztin hätten die heute 47-Jährige interessiert. "Es haben immer zwei Seelen in meiner Brust gelebt", sagt Hammerschmid, die in der Schule an Designwettbewerben teilgenommen hat. Das letzte "Quäntchen Kreativität" habe der handwerklich begabten Mühlviertlerin aber gefehlt: Die Aufnahme an der Angewandten schlug fehl. Das neben Biologie begonnene Medizinstudium war zu überlaufen – "die Massen haben mich überfordert".

Noch während ihrer Ausbildung in Genetik und Tumorbiologie trat Hammerschmid eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Boehringer Ingelheim an. Nach ihrem Doktorat forschte sie an der Uni Wien am Vienna Biocenter; wechselte danach als Produktmanagerin zu einem Laborausstatter. Diese "Flucht in die Industrie" hätte Hammerschmid wegen des unbefriedigenden wissenschaftlichen Alltags angetreten: "Nur wenige Experimente gehen auf, diesen Frust wollte ich nicht aushalten."

2008 wurde Hammerschmid in den Universitätsrat der Vetmed entsendet, wo sie von Beginn an als "bestens vernetzte Wissenschafterin" galt: "Ich kannte die Leute in der Industrie und beherrschte zudem die Sprache der Wissenschafter", sagt sie.

2010 trat die Exbereichsleiterin für Technologie im Austria Wirtschaftsservice als erste Frau nach Ingela Bruner den Job als Rektorin an. Ihrer Rolle war sich die Schwester eines jüngeren Bruders immer bewusst. Für Mädchen wollte sie "Vorbilder schaffen". Quoten sah sie immer nur als "Notbehelf". Diese würden sich erübrigen, "wenn Mädchen von Eltern und Lehrern mehr Selbstvertrauen erhielten", sagte sie in ihrer ersten Rede als Rektorin. Sie sei von ihrem Vater stets ermutigt worden.

Die verheiratete Hammerschmid gilt als SPÖ-nahe. "Ich bin ein Arbeiterkind, will mich aber nicht in eine Schublade stecken lassen." Auch einzelne Ansätze von ÖVP und Neos könne sie teilen. (Oona Kroisleitner, 14.12.2015)

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    foto: heribert corn
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