"Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist": Und jetzan? – Landkrimi zum Mitdiskutieren

Umfrage17. Dezember 2015, 17:03
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Kärntner Landkrimi, Donnerstag, 20.15 Uhr auf ORF1 im derStandard.at-Check und Umfrage: Wie hat es Ihnen gefallen?

Der Titel ist Fluch und Gnade gleichzeitig: "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist". Mord und Vergeltung werden ver- und geübt und dabei Heimatlieder gesungen. Lokalkolorit und Dialekttreue bestimmen auch den sechsten von neun Landkrimis.

Die Landkrimis wertet der ORF als Erfolg. Zwischen durchschnittlich 653.000 (Burgenland) und 824.000 (Oberösterreich) waren pro Folge dabei. 2016 folgen Fälle aus Salzburg von Catalina Molina (Regie) sowie von Nikolaus Leytner, Stefan Hafner und Thomas Weingartner (Buch) mit Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger, aus Tirol von Harald Sicheritz (Regie) und Felix Mitterer (Drehbuch) sowie aus Wien von David Schalko.

Jetzt aber zum Qualitätscheck von derStandard.at:

Fakten: "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" wurde von der Graf Filmproduktion GmbH hergestellt, der Fernsehfonds Austria stellte knapp 492.000 Euro der rund 1,75 Mio. Euro Gesamtherstellungskosten zur Verfügung.

Der Fall: Die 16-jährige Tochter des wichtigsten Mannes im Ort wird im stillgelegten Bergwerk tot aufgefunden. Babsi hatte Alkohol im Blut und brach sich beim Sturz in einen Schach das Genick. Lei komisch ist, dass das Handy des Mädchens verschwunden ist. Und jetzan?

Ermittler: Der Sache nimmt sich Hannes Muck (Gerhard Liebmann), schüchterner Postenkommandant der ehemaligen Bergbaugemeinde Hüttenberg an. Er ist kein Draufgänger, sondern einfühlsam, introvertiert und damit sofort Angriffsziel von dominanten Vorgesetzten und sturschädeligen Dorfbewohnern.

Die üblichen Verdächtigen: schwermütige Halbwüchsige aus dem Jugendheim, ein notgeiler Wirt, die eifersüchtige Freundin.

Authentizität: Velden und Wörthersee bleiben ausgeblendet, sonnig ist es in Kärnten aber sowieso. Der verstaubte Charakter in den Wohnungen der Kleinbürger wird gut eingefangen, ebenso die Ratlosigkeit der Dorfpolizisten angesichts der Aufklärung eines Schwerverbrechens. Blutspuren zu sichern, braucht einschlägige Kenntnis: "Welches Rerale nimmt ma denn do?"

Stärken: Mucks Konflikt zwischen Überzeugung und Loyalität zu den Dorfbewohnern: Ihm ist es schrecklich unangenehm, wenn er Amtshandlungen durchführen muss, tut es aber trotzdem: "Es hülft ja nix." Katholizismus und Heimatlied, am Grab steht der Dorfpolizist und weint mit den Trauernden. Der Witz in sich: Dass der "Großkopfate" aus einer Provinzhauptstadt kommt.

Beste Szene: Eine Duschszene, die alles enthält und der alles weitere folgt.

Spannung: Prochaska weiß, wie Krimi geht, führt den Zuschauer auf falsche Fährten und sorgt für eine überraschende Wendung.

Schwächen: Merkwürdiger Gegenpol ist Mucks esoterischer Vater: "Bua, waßt wos do die Buddhisten sogn?" Gebraucht wird er für den Zornausbruch des Kindes gegen den Vater, und auch wenn Branko Samarovski großartig ist wie immer, ist der Esoteriktrip im Zusammenhang mit der Geschichte doch reichlich absurd. In seiner Aussage wirkt der Krimi leicht rückwärtsgewandt. Der Genrespezialist Prochaska setzt hier mehr auf Optik, denn auf inhaltliche Raffinesse.

Gesamt: 3 – Pluspunkte für den großartigen Gerhard Liebmann, Abzüge für den sexuell aufgeladenen Mädchenmord und die schlichte Auflösung. (Doris Priesching, 17.12.2015)

Und wie hat Ihnen dieser Landkrimi gefallen?

  • Gerhard Liebmann (Hannes Muck) geht auf Mörderjagd und tut sich dabei weh.
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Gerhard Liebmann (Hannes Muck) geht auf Mörderjagd und tut sich dabei weh.

  • Jana Thomaschütz (Barbara Prantl).
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Jana Thomaschütz (Barbara Prantl).

  • Mord, Totschlag, Heimatlied und Brauchtum.
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Mord, Totschlag, Heimatlied und Brauchtum.

  • Branko Samarovski (Hubert Muck), Gerhard Liebmann (Hannes Muck).
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Branko Samarovski (Hubert Muck), Gerhard Liebmann (Hannes Muck).

  • Fritz Egger (Alois Prantl), Susanne Kubelka (Renate Prantl).
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Fritz Egger (Alois Prantl), Susanne Kubelka (Renate Prantl).

  • Simon Hatzl (Heinrich Plöschberger), Robert Putzinger (Gerry Oblitschnig), Gerhard Liebmann (Hannes Muck).
    foto: orf/graf film/toni muhr

    Simon Hatzl (Heinrich Plöschberger), Robert Putzinger (Gerry Oblitschnig), Gerhard Liebmann (Hannes Muck).

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