"Salam" erlaubt: Schulen weisen Vorwurf der Diskriminierung zurück

14. Dezember 2015, 17:05
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Stadtschulrat kontert Kritik von Muslimenvertreter Sanaç: Es gebe keine Checkliste für verpönte Begriffe

Wien – Es klingt nach einer groben Ungerechtigkeit, die Fuat Sanaç beklagt. Der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft beschwerte sich im Interview mit dem STANDARD über den Wiener Stadtschulrat, der den weitverbreiteten Gruß "Salam" – Kurzfassung für arabisch "Friede sei mit dir" – verunglimpfe. Sobald ein Kind das Wörtchen verwende, zitierte Sanaç eine angebliche Vorschrift, müssten die Lehrer beobachten, ob der Schüler radikal sei.

Arabischer Gruß ist erlaubt

Steht das Pendant zu "Grüß Gott" und "Shalom" also auf einem Index bedenklicher Begriffe? Davon könne keine Rede sein, heißt es im Wiener Stadtschulrat. "Es gibt von unserer Seite keine Regelung dieser Art", sagt Sprecher Matias Meissner: "So etwas entspricht auch überhaupt nicht der Position des Stadtschulrats."

Meissner hat nachgeforscht, woher das Gerücht stammen könnte. Mögliche Quelle: Bei einer Lehrerfortbildung der katholischen pädagogischen Hochschulen habe einmal ein Referent von problematischen Begriffen gesprochen. Genaueres wisse man nicht mehr, sagt Meissner, außer: "Es war kein Mitarbeiter des Stadtschulrats."

An Schulen liegt kein Index auf

Ein Rundruf an Schulen bestätigt das Dementi. Ihr sei keine solche Regel bekannt, sagt Ulrike Dewam, Direktorin einer Mittelschule im Wiener Gemeindebezirk Brigittenau – dabei zähle sie wohl zu den ersten potenziellen Adressaten: Immerhin hatte Dewam dem Stadtschulrat den Fall eines radikalisierten Schülers gemeldet.

Er kenne keine Liste verpönter Begriffe, pflichtet Thomas Bulant, Lehrer und Chef der sozialdemokratischen Pflichtschulgewerkschafter, bei; zwei Kollegen, an die er die Frage weiterreicht, schütteln ebenfalls den Kopf. Gäbe es so etwas, sagt Bulant, "hätte jemand von uns längst aufgeschrien".

Symbole des "Islamischen Staats"

Fehlanzeige auch in Floridsdorf, wo sich Schuldirektor Christian Klar jedoch schon Gedanken über den Jargon seiner Schüler macht. Dass er immer öfter ein zorniges "Allahu akbar" ernte, hält er für ein Indiz, dass der Islam zum Jugendkult geworden sei – mitunter mit radikaler Schlagseite (DER STANDARD berichtete). Eine "Checkliste" könnte Lehrern helfen, einschlägige Begriffe und Gesten zu identifizieren, wobei Klar etwa an Symbole der IS-Terroristen denkt. "Salam" hingegen habe in so einem Katalog nichts verloren: "Ich habe gerade zehn Flüchtlingskinder bekommen – und freue mich, wenn sie grüßen." (Gerald John, 15.12.2015)

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