Pfeiffer-Gruppe: Vom Kolonialwarenladen zur Zielpunkt-Pleite

14. Dezember 2015, 13:05
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In 150 Jahren ging es bei dem Familienunternehmen stets bergauf – bis zum verhängnisvollen Jahr 2015

Linz – "Die Maria hätte das nie gemacht": Dieser Satz fiel in den vergangenen Wochen oft – und hatte nichts mit Weihnachten zu tun. Nach der Zielpunkt-Pleite und dem Verkauf des Großhandelsgeschäfts C+C Pfeiffer hat das Pfeiffer-Handelsimperium mit einem Schlag fast eine Milliarde Euro Umsatz verloren. Eine Antwort, wie die legendäre Prinzipalin Maria Pfeiffer dabei gehandelt hätte, blieb sie schuldig. Das Wort gehört jetzt allein ihrem Sohn, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Eigentümer Georg Pfeiffer.

1,3 Milliarden Euro Umsatz hat das Unternehmen im 150. Jahr seines Bestehens mit 6.700 Mitarbeitern erwirtschaftet. Dennoch wird 2015 als einschneidendes Jahr in die Firmengeschichte eingehen. Erst im vergangenen Jahr hatte Pfeiffer, das den Hauptsitz von Linz nach Traun verlegt hat, den Sprung unter die zehn größten oberösterreichischen Unternehmen geschafft, nun endete der Aufschwung abrupt: Der Plan, sich mit Zielpunkt, Unimarkt und Nah & Frisch neben den Einkaufsriesen Rewe, Spar und Hofer auszubreiten, ist gescheitert.

"Heuschrecke" oder nicht?

Mit dem Verkauf des Großhandels an den Schweizer Handelsriesen Coop per 1. Jänner 2016 trennte sich die Pfeiffer-Gruppe bereits überraschend von ihrem Filetstück, dem Großhandel. Die wenige Wochen später noch überraschender verkündete Zielpunkt-Pleite verpasste dem Image dann nachhaltig Kratzer. Plötzlich wurden Zweifel laut an dem Paradebeispiel erfolgreichen heimischen Unternehmergeists. Denn die Familie Pfeiffer war stets das Gegenteil einer "Heuschrecke": ein hinter jedem Supermarktregal präsentes Familienunternehmen, seriös gewachsen aus einem kleinen Gemischtwarengeschäft in Linz-Urfahr.

Begonnen hatte alles am Marktplatz 13: In dem Haus in Linz-Urfahr übernahm der kaufmännische Angestellte Georg Pfeiffer 1862 das Strasser'sche Kolonialwarengeschäft und legte den Grundstein für das heutige Imperium. Im Unterschied zu vielen anderen schaffte man den Fortbestand über den Zweiten Weltkrieg hinaus. In den 1950er-Jahren wagte Fritz Pfeiffer dann die Donauüberquerung und eröffnet mit neuem Partner einen Standort direkt in Linz. Expansionswille und wirtschaftliche "Paarungsbereitschaft" – schon in der Gründerzeit die Erfolgsgeheimnisse von Pfeiffer.

Vom Kaufmarkt zu Einkaufszentren

1963 folgte der oberösterreichweit erste C+C Abholmarkt für Kaufleute, zwei Jahre zuvor war Fritz Pfeiffers Sohn Hilmar ins Unternehmen eingestiegen. Neben dem neuen Standort für den Großhandel wurde auch der Plus-Kaufpark eröffnet – und damit der Ursprung der Plus-City in Pasching, an der die Familie heute über die Pluvius-Privatstiftung die Mehrheit hält. Beteiligt ist man nicht mehrheitlich auch an der Lentia-City.

In beiden Einkaufstempeln spielt Ernst Kirchmayr – einst Einkaufsleiter im Plus-Kaufpark und heute Plus-City-Chef, Immobilienentwickler, Autorennfahrer, Missenmacher (beteiligt an der Miss Austria Corporation) und Multimillionär – nach außen die erste Geige. An der Lentia-City hält Kirchmayr auch die Mehrheit. Mit dabei ist man zudem beim Shoppingcenter Westgate in Zagreb.

Rasante Expansion seit 80er-Jahren

Durchgesetzt hatte die gewaltige Expansion die heutige "Grande Dame" Maria Pfeiffer. Ihre Stunde schlug Ende der 70er-Jahre, als Fritz und Hilmar Pfeiffer plötzlich und kurz nacheinander starben – Hilmar 1977, Vater Fritz 1979. Für Trauer blieb im Geschäftsalltag wenig Platz: Maria musste das Unternehmen ungeplant übernehmen, war aber lange Zeit höchst erfolgreich. Sie führte die Gruppe mit strenger Hand, erweiterte sie gewaltig und baute den Einzelhandel auf. Die Marken Unimarkt und Nah & Frisch kamen 1984 hinzu; als 1995 die einst größte österreichische Handelskette, die Konsum-Genossenschaft, zerbrach, sicherte sich die Familie auch davon ein Stück.

2012 schließlich leitete Sohn Georg, seit 1993 Geschäftsführer an der Seite seiner Mutter, die Zielpunkt-Übernahme ein. Pfeiffer beteiligte sich erst mit 24,9 Prozent, am 1. März 2014 übernahm man die Supermarktkette zur Gänze. Eineinhalb Jahre später war Zielpunkt in der Insolvenz angekommen. (Markus Rohrhofer, 14.12.2015)

  • Erst im März 2014 hatte Pfeiffer die Zielpunkt-Märkte übernommen, keine zwei Jahre später waren sie insolvent.
    apa/fohringer

    Erst im März 2014 hatte Pfeiffer die Zielpunkt-Märkte übernommen, keine zwei Jahre später waren sie insolvent.

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