Große Hirscher-Show in Val d'Isere

12. Dezember 2015, 13:31
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Salzburger triumphiert beim Riesentorlauf vor dem Deutschen Neureuther und holt sich mit dem dritten Saisonsieg die Weltcupführung – Manuel Feller sensationell Vierter

Val d'Isere – Am Ort seines ersten Weltcuperfolgs ist Österreichs Ski-Ass Marcel Hirscher am Samstag eine Klasse für sich gewesen. Im Riesentorlauf von Val d'Isere ließ der Salzburger der Konkurrenz keine Chance, distanzierte Felix Neureuther (GER), Victor Muffat-Jeandet (FRA) und den ÖSV-Überraschungsmann Manuel Feller klar und übernahm mit seinem dritten Saisonsieg erstmals auch die Weltcupgesamtführung.

An Tomba vorbei

Zugleich durfte Hirscher auf dem eisigen Hang in den französischen Alpen seinen 16. Riesentorlauferfolg bejubeln und ließ damit in der ewigen Disziplinen-Bestenliste Alberto Tomba hinter sich. Michael von Grünigen (23), Ted Ligety (24) und Ingemar Stenmark (46) hat Hirscher freilich noch vor sich. Ligety, Anfang Dezember beim Beaver-Creek-RTL Zweiter, hatte mit der Entscheidung diesmal nichts zu tun, der zuletzt erkrankte US-Amerikaner verpasste mit 2,83 Sekunden Rückstand auf Hirscher sogar die Qualifikation für den zweiten Lauf.

"Es ist saucool hier zu fahren", lachte Hirscher, der in Val d'Isere nun bei fünf Siegen, vier davon im RTL hält. "Die Franzosen sind skifanatisch. Es ist ein Traum, ich bin vorher oben in der Sonne gesessen, es ist herrlich", atmete der 26-Jährige durch. Er legte in beiden Durchgängen Bestzeit hin und war damit einer der wenigen neben Neureuther und Muffat-Jeandet, die in beiden Läufen konstant gut fuhren. So flog der Zweite nach dem ersten Durchgang, der Norweger Henrik Kristoffersen, im Finish bei einer tückischen Welle ebenso von der Piste wie Lokalfavorit Thomas Fanara, der auf Platz vier gelegen war.

"Es ist halb so lustig, wie es ausschaut"

"Ich war 'on the edge'", meinte Hirscher, der schon nach Lauf eins darauf hinwies, dass die Strecke sehr selektiv ist. "Ohne Kampf geht das hier überhaupt nicht. Es ist halb so lustig, wie es ausschaut. Das ist die schwierigste Strecke für mich." Der vierfache Gesamtweltcupsieger zeigte sich auch mit den Bedingungen zufrieden. Val d'Isere ist für den in Relation zur Startzeit meist etwas später einsetzenden Sonneneinfall berüchtigt. "Mit jeder Startnummer rückt die Sonne mehr vor, dafür hatte ich eine gute Nummer und fast keine Spuren", erklärte Hirscher.

Mit seinem Husarenritt schob er sich zum ersten Mal in der laufenden Saison am norwegischen Speed-Spezialisten Axel Lund Svindal vorbei auf Platz eins. Der Vorsprung beträgt nun 43 Punkte und könnte schon am Sonntag im Slalom (Start 9.30 Uhr) weiter anwachsen. "Es ist heute super gelaufen, für morgen bin ich nervös", meinte Hirscher vor dem ersten Slalom der Saison. "Schauen wir, wie die Slalomform ist. Für den Gesamtweltcup ist es natürlich immer gut, wenn ich punkten kann und die anderen nicht."

Starker Feller

Die große Überraschung aber war Manuel Feller als Vierter. Der 23-jährige Tiroler raste nach Platz zwölf im ersten Durchgang mit der drittbesten Laufzeit im zweiten noch auf Platz vier und sorgte für das mit Abstand beste Resultat seiner Karriere. "Wirklich unglaublich, was sich für mich abgespielt hat", sagte Feller. Da gratulierte auch Sieger Marcel Hirscher. "Nachwuchskrise haben wir keine. Manuel hat brutal trainiert, fast das doppelte von mir", sagt Hirscher.

Die Topleistung bei seinem zweiten Weltcupeinsatz in dieser Saison kommt freilich nicht von ungefähr. 2013 krönte sich Feller im Slalom zum Junioren-Weltmeister, im Jänner 2014 wurde der Fieberbrunner im Kitzbühel-Slalom Achter – zugleich sein bis heute bestes Resultat. Dass er nun ausgerechnet im RTL groß aufzeigte, überraschte ihn aber nicht. "Ich habe schon vor zwei Jahren gezeigt, dass ich im Riesentorlauf gut bin", meinte Feller.

Pech für Leitinger

Viel Pech hatte hingegen ein anderer ÖSV-Läufer im Finish. Nach einem Schlag öffnete sich die Bindung von Roland Leitinger, der in Beaver Creek und Sölden im zweiten Lauf jeweils Schnellster gewesen war. Der 24-Jährige, 16. des ersten Durchgangs, schied mit der Führung vor Augen aus. Enttäuschend verlief das Rennen auch für Philipp Schörghofer, der über Rang 23 (3,55) nicht hinauskam. Marco Schwarz hingegen durfte Val d'Isere als Erfolg verbuchen, er sammelte mit Platz 19 (3,40) beim Riesentorlaufdebüt seine ersten Weltcuppunkte. (APA/red, 12.12.2015)

  • Erster!
    foto: afp/ philippe desmazes

    Erster!

  • Marcel Hirscher hatte auf dem selektiven Kurs keine größeren Probleme und feierte seinen bereits fünften Erfolg in Val d'Isere.
    foto: ap/ armando trovati

    Marcel Hirscher hatte auf dem selektiven Kurs keine größeren Probleme und feierte seinen bereits fünften Erfolg in Val d'Isere.

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