Ohne Kopftuch in die Hölle: Wie schwarze Pädagogik in Kinderköpfen spukt

12. Dezember 2015, 08:00
711 Postings

Wiens Jugendanwalt Ercan Nik-Nafs warnt vor Keim der Radikalisierung

Wien – Ercan Nik Nafs nennt keine Namen, doch ein gewisser Minister darf sich wohl angesprochen fühlen. "Generalverdacht und Hysterie helfen uns nicht weiter", sagt der Kinder- und Jugendanwalt Wiens: "Man kann nicht wegen fünf untersuchter Kindergärten die ganze Stadt in Geiselhaft nehmen."

Das heiße aber nicht, dass jene Untersuchung über islamische Kindergärten in Wien, aus der Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) die Existenz religiöser Parallelwelten schließt, nicht ernst zu nehmen sei. Denn dass die Welle der Religiosität, die sich in der muslimischen Community seit Jahren ausbreite, mitunter auch die Kleinsten erfasst, erlebt der Jugendanwalt immer wieder.

Bilder von Sünde und Fegefeuer

Angsterfüllte Bilder von Sünde und Fegefeuer spukten in manchen jungen Köpfen herum, erzählt Nik Nafs. Ohne Kopftuch lande sie in der Hölle, hatte eine Volksschülerin etwa einer Mitarbeiterin der Wiener Jugendarbeit erklärt: "Schade, denn du bist eigentlich so eine liebe Frau."

"Schwarze Pädagogik" nähre solch eine Geisteshaltung – für Nik Nafs eine klare Verletzung der Kinderrechte: "Kinder haben das Recht, ohne Angst und Drohungen aufzuwachsen." Religion dürfe in der Elementarpädagogik "nur in verschwindend kleinen Bruchteilen" Platz haben: "Auswendiglernen von Koransuren etwa hat in Kindergärten nichts verloren."

Propagandaplattform Internet

Allerdings seien diesbezüglich auch virtuelle Orte im Auge zu behalten. Das Internet ist für Nik Nafs die größte Plattform für an Kinder und Jugendliche gerichtete Propaganda, in der Muslime zu besseren Menschen erklärt werden, die über Ungläubige erhaben sind. Solche Botschaften transportierten den Keim der Radikalisierung, warnt er, wobei die Bandbreite vom erzkonservativen Islamverständnis bis zur Sympathie für die Terroristen der IS reiche.

Kindergärten wehren sich

Nik Nafs, der das städtische Netzwerk für Deradikalisierung und Prävention koordiniert, begrüßt die nun geplante umfassende Studie über die Kindergärten ebenso wie bessere Kontrollen. Betreiber islamischer Kindergärten fühlen sich hingegen verunglimpft. Man fördere Deutsch ebenso wie ein offenes Weltbild, betonen einige Vertreter in einer gemeinsamen Erklärung und kritisieren die von Kurz zitierte Untersuchung: Manche der erwähnten Kindergärten seien gar nicht kontaktiert worden. (Gerald John, 12.12.2015)

  • Ercan Nik Nafs, Kinder- und Jugendanwalt in Wien: "Das Auswendiglernen von Koransuren hat in Kindergärten nichts verloren."

    Ercan Nik Nafs, Kinder- und Jugendanwalt in Wien: "Das Auswendiglernen von Koransuren hat in Kindergärten nichts verloren."

Share if you care.