Rapid weckt Begehrlichkeiten

11. Dezember 2015, 16:00
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Die Erfolge der Wiener in der Europa League haben auch ihre Schattenseiten, gute Fußballer sind nämlich gefragt

Wien – Zoran Barisic wird Weihnachten dazu nützen, "das Ganze sacken zu lassen. Der Prozess, den Erfolg zu realisieren und zu verarbeiten, hat noch nicht einmal begonnen." Schuld daran ist das Meisterschaftsspiel am Sonntag bei Red Bull Salzburg, der Titelverteidiger ist für Rapids Trainer "immer noch die beste Mannschaft in Österreich. Wobei unser Stellenwert durchaus gestiegen ist. Sie werden uns alles abverlangen, aber wir werden ihnen auch alles abverlangen."

Die Gruppenphase der Europa League ist Geschichte, eine erfreuliche. Sechs Spiele, fünf Siege, das abschließende 2:1 gegen Dinamo Minsk sei, so Barisic, vom Fußballerischen nicht genial gewesen. "Aber wir waren effizient. Auch das ist wichtig, macht stolz. Es war kein einfacher Weg, jetzt sind wir Gruppensieger. Die Besten haben sich durchgesetzt."

Christoph Peschek, der Geschäftsführer Wirtschaft, sagte am Tag danach "denkwürdig", "historisch", "Respekt vor der Arbeit der sportlichen Abteilung". Allerdings müsse man demütig bleiben, dürfe nie ganz zufrieden sein. "Das passt nicht zu einem Rapidler." Finanziell ist die Lage rosig. Das negative Eigenkapital wurde abgebaut, der Umsatz dürfte dank des europäischen Laufes von 26 Millionen Euro auf knapp 40 steigen. Die Prämien der Uefa liegen jetzt schon bei acht Millionen. Die fünf Heimspiele im Happel-Stadion (vor der Gruppenphase gab es das Champions-League-Playoff gegen Ajax und Schachtar) wurden von knapp 200.000 Fans besucht. Das ergibt noch einmal fünf Millionen brutto. Peschek: "Wir werden weiterhin jeden Cent dreimal umdrehen."

Rapid ist auf der internationalen Bühne aufgefallen, einige Spieler weckten Begehrlichkeiten ausländischer Klubs. Die sind größer, besser, reicher. Florian Kainz, Stefan Stangl oder Philipp Schobesberger, um nur einige zu nennen, werden in Hütteldorf sicher nicht in Pension gehen. Gegen den drohenden Aderlass ist Rapid machtlos. Peschek: "Wir haben die Mittel, den Zeitpunkt der Trennung hinauszuschieben, die Leute langfristiger zu binden. Jedenfalls müssen keine Transfers mehr aus wirtschaftlichen Gründen getätigt werden."

Barisic hat sich mit der Situation abgefunden, sie ist alternativlos. "Es ist ja unser Ziel, dass sich die Talente in den Blickpunkt spielen. Das ist unsere Philosophie, sie sollen sich stetig verbessern. Wir müssen akzeptieren, in Österreich zu sein. Es gibt eben interessantere Ligen, die mehr zahlen. Das wird immer so sein." Thanos Petsos, dessen Vertrag im Sommer endet und den Sportdirektor Andreas Müller unbedingt halten möchte, bestätigt das. "Ein Fußballer, der behauptet, Geld ist nicht wichtig, lügt." Über seine Zukunft werde er sich bei passender Gelegenheit äußern "Jetzt will ich in Salzburg gewinnen."

Am Montag wird das Sechzehntelfinale gelost, am 18. und 25. Februar gespielt. Rapid hat in der zweiten Partie Heimrecht. Da Barisic an Salzburg denkt, befasst er sich nur peripher mit möglichen Gegnern. Er scherzt: "Dortmund erst im Halbfinale oder noch besser im Finale. Denn in einem Spiel ist immer alles möglich." Sollte Rapid noch eine Partie gewinnen, erhält Österreich 2017/18 einen fünften Europacupplatz. Der Verein wurde 1899 auch deshalb gegründet, um irgendwann Entwicklungshilfe zu leisten. (Christian Hackl; 11.12.2015)

  • Gute Kicker kann man immer gebrauchen.
    foto: apa/epa/hochmuth

    Gute Kicker kann man immer gebrauchen.

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