Kunstmessen-Zwist: Spiel mit Zugpferden

11. Dezember 2015, 15:06
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Ein Viennafair-Teilnehmer zieht gegen Messeveranstalter vor Gericht

Als Veranstalter einer Kunstmesse gab Wolfgang Pelz 2008 mit der "Art Austria" sein Debüt. Seither wuchs das Projektportfolio der auf seine Ehefrau Monika Vanecek-Pelz laufenden "art-port GmbH" weiter. Im Jahr darauf kam die Art Salzburg hinzu, die ebenfalls 2009 veranstaltete "Art Albertina" blieb wiederum eine einmalige Episode. Letztere sollte, am Vorbild des legendären Pariser "Salon du Dessin" orientiert, die Spitze des auf Arbeiten auf Papier spezialisierten Kunsthandels vereinen: Gagosian (New York) oder Hauser & Wirth (Zürich) und Richard Nagy (London). So vielversprechend das klang, keiner davon kam. Wie ein damaliger Rundruf ergab, hatte man nie auch nur Interesse daran gehabt. Einerlei, eine zweite Auflage scheiterte an Klaus-Albrecht Schröder, konkret an den Qualitätsansprüchen des Albertina-Direktors.

Im Laufe der Jahre kursierten immer wieder Gerüchte, etwa über Rechnungen, die der Veranstalter Sublieferanten schuldig geblieben wäre. Fragte man Pelz, waren sie längst beglichen. In manchen Fällen einigte man sich dem Vernehmen nach außergerichtlich. Sei es, wie es sei. Die 2014 letztmalig von ihm organisierte Art Salzburg sorgte für weitere Zerwürfnisse, etwa wegen der Beschädigung der Bodenplatten im Barockhof der Universität. Ein Versicherungsfall, wies Pelz die Verantwortung von sich.

Dazu hatten einige Aussteller weniger Standfläche erhalten als ursprünglich vereinbart und bezahlt. Ein Missverständnis bei der Planung, habe Pelz erklärt. Laut Betroffenen sei dies dann über Rabatte für die Teilnahme bei der Art Austria 2015 kompensiert worden.

Im Herbst fand dann die erste Viennafair unter der Regie von Wolfgang Pelz statt. Laut dem STANDARD vorliegenden Informationen bemüht einer der Teilnehmer nun das Gericht: Christian Czaak, der vergangene Woche über seinen Anwalt eine Klage einbrachte. Wegen Irrtumsanfechtung und Gewährleistung, so der juristische Wortlaut. Im Detail geht es um Zusagen, die laut Czaak nicht eingehalten wurden.

Etwa um Medienkooperationen, die über Beiträge von 2.490 Euro (exkl. Mwst.) je Aussteller finanziert hätten werden sollen. Oder auch um im Vorfeld ins Spiel gebrachte Topgalerien, deren vermeintliche Zusagen wohl zu weiteren Vertragsabschlüssen verführten. Auf einem ihm vorgelegten Hallenplan, erzählt Czaak, seien etwa Krinzinger, St. Stephan, Hilger oder Charim eingetragen gewesen. Tatsächlich blieben diese Zugpferde fern, ja hatten ihr Kommen teils von Anbeginn ausgeschlossen.

Er könne das alles entkräften, betont Pelz. Dass man für namhafte Galerien die besten Standplätze reserviere, sei üblich, zumal Genannte zu seinen Art-Austria-Kunden gehören und oft erst kurzfristig entscheiden würden. Über diverse Marketingmaßnahmen habe er wiederum detailliert in Newslettern informiert. Von einer Klage wisse er übrigens nichts, und ob es auch zu einem Prozess komme, sei sowieso fraglich. (kron, Album, 11.12.2015)

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