Pixel C im Test: Googles bestes Tablet, aber ...

13. Dezember 2015, 09:14
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In Kombination mit Tastatur will der Android-Hersteller auch Surface und Co Konkurrenz machen

Als Google vor einigen Jahren mit Android 3.0 "Honeycomb" die ersten Gehversuche in der Tablet-Welt unternahm, war die Begeisterung für diesen Formfaktor noch ungebrochen. So mancher Marktbeobachter prognostizierte gar, dass Tablets schon bald für viele den PC vollständig ersetzen würde. Doch dem Anfangs-Hype folgte rasch die Ernüchterung: Die Tablet-Absätze entwickelten sich bei weitem nicht so, wie erwartet. Zuletzt ist allerdings wieder etwas Schwung in die Kategorie gekommen, und zwar durch eine Hardware-Unterart, die vor allem Microsoft mit seinem Surface vorangetrieben hat: Die sogenannten Detachables, also Geräte, die von Anfang an auf die Nutzung mit einer Tastatur konzipiert wurden, aber auch ohne diese voll funktionstüchtig sind.

Pixel C

Mit dem Pixel C bringt nun auch Google sein erstes Detachable. Das vom Softwarehersteller selbst gesteckte Ziel: Das Partner-Ökosystem zu "inspirieren", und damit Android im Tablet-Markt zu neuen Höhenflügen zu verhelfen. Immerhin zeigen die aktuellen Zahlen stagnierende Marktanteile für Android-Tablets – mit Tendenz nach unten. Doch auch aus einem anderen Grund kommt dem Pixel C ein besonderer Stellenwert zu. Handelt es dich dabei doch um das erste im Alleingang von Google entwickelte Tablet. Während für die Nexus-Geräte immer ein Hardwarepartner – zuletzt LG und Huawei – auserkoren wird, entstammt das Pixel C also der Google-internen Geräteschmiede. Eine äußerst interessante Ausgangsposition für einen ausführlichen Test also.

foto: andreas proschofsky / standard
Googles Pixel C.

Erster Eindruck

Dass Google hervorragende Hardware bauen kann, ist spätestens seit dem Chromebook Pixel bekannt. Und dessen DNA ist auch beim Pixel C unverkennbar: Die Hülle ist ganz in annodisiertem Aluminium gehalten, auf Beschriftungen oder Logos verzichtet Google praktisch vollständig. Dies verleiht dem Tablet einen äußerst edlen Look. Die Verarbeitung ist ebenfalls absolut top, selbst bei eingehender Betrachtung lassen sich in dieser Hinsicht keinerlei Defizite ausmachen. Die Knöpfe haben einen klaren Druckpunkt und stabilen Sitz, scharfe Kanten sind nirgendwo zu finden. Nicht nur wer sich letztes Jahr über die leichten Verarbeitungsmängel beim Nexus 9 geärgert hat, findet im Pixel C also ein Tablet, das dem Premiumanspruch voll und ganz gerecht wird.

LED-Zeile

Einziges Element, das die Aluminium-Rückseite durchbricht ist ein LED-Streifen, der hier aber mehr als einen bloß dekorativen Zweck erfüllt. Wird das Gerät zweimal angetippt, zeigt dieser den aktuellen Akku-Ladestand an. Eine äußerst nützliche Funktion, um unterwegs schnell mal zu schauen, wie viel Saft das Tablet noch hat.

Gewicht

Mit 517 Gramm ist das Pixel nicht unbedingt ein Leichtgewicht, trotzdem liegt es mit seinen 7 Millimetern Dicke sehr gut in den Händen. Die restlichen Abmessungen (242 x 179 mm) entsprechend dem, was von einem Tablet mit einer solchen Bildschirmgröße zu erwarten ist.

foto: andreas proschofsky / standard
An der Verarbeitung des Pixel C gibt es absolut nichts auszusetzen.

Bildschirm

Und damit wären wir auch schon beim Display: Dieses ist 10,2 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 2.560 x 1.800 Bildpunkten, was einer Dichte von 308 PPI entspricht. Als Technologie kommt LPTS LCD zum Einsatz, sowohl Farbqualität als auch die maximale Helligkeit von 500 Nits und der Kontrast gehören zum besten im Tabletbereich. Mit den Schwarzwerten eines AMOLED-Bildschirms kann man aber natürlich nicht ganz mithalten.

Eine Frage des Verhältnis

Auffällig ist das von Google gewählte Seitenverhältnis, diese ist nämlich 1 zu Wurzel aus 2 – und entspricht damit exakt jenem von A4. Das bedeutet, dass das Tablet bestens zum Lesen geeignet ist, da zwei Seiten perfekt nebeneinander angeordnet werden können. Umgekehrt heißt dies aber natürlich auch, dass bei Filmen der Bildschirm nicht vollständig ausgenutzt werden kann, und hier schwarze Streifen ober- und unterhalb entstehen.

Touch-Probleme?

Extra erwähnt sei die Touch-Interaktion, da hier einzelne frühe Tester schwerwiegende Probleme mit dem Pixel C berichtet haben. Von versäumten Touches bis zu deutlichen Hängern war hier die Rede. Bei unserem Testgerät ließ sich dieses Verhalten aber weder in eigenen Multitouch-Tests als im Alltag nachvollziehen. Die Reaktion des Touch-Screens mag nicht ganz so "direkt" sein, wie beim in dieser Hinsicht vorbildlichen Nexus 6P, aber entspricht in etwa dem, was andere aktuelle Android-Tablets bieten.

Nvidia X1

Für die richtige Performance braucht es natürlich den passenden Prozessor. Und hier setzt Google einmal mehr auf Nvidia: Dessen Tegra X1 zeichnet sich vor allem durch eine äußerst leistungsstarke Grafikeinheit mit dem Namen Maxwell aus. Aber auch die CPU kann sich sehen lassen: Der 64-Bit-Chip ist ein Octacore nach dem bekannten big.LITTLE-Aufbau, es gibt also vier schnelle (Cortex A57) Kerne und vier stromsparende (Cortex A53)-Kerne. Die maximale Taktfrequenz liegt bei 1,9 GHz. Zur Seite stehen dem SoC 3 GB flotten LPDDR4 RAMs.

Testlauf

In Benchmarks liefert das Pixel C entsprechend auch durchgängig sehr gute Werte, die jeweils im Spitzenfeld aktueller Android-Geräte liegt. Am stärksten präsentiert sich das neue Tablet aber tatsächlich in Grafiktests: So kommt das Pixel C beim 3DMark Slingshot-Test auf 2.953 Punkte, während das letztjährige Nexus 9 mit 1.985 Punkten auskommen muss.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Im Benchmark von 3DMark spielt die Maxwell-Grafikeinheit von Nvidia ihre Stärken aus. Die Temperatur steigt dabei nur geringfügig an.

Vergleich

Was allerdings auch auffällt: Die Werte liegen zum Teil deutlich unter jenen der Android TV-Box Nvidia Shield, die mit dem gleichen Chip ausgeliefert wird. Es ist also davon auszugehen, dass Google hier die Taktung des X1 deutlich stärker reguliert, um die thermische Entwicklung im Griff zu halten. Immerhin hat die Shield wesentlich mehr Platz um Wärme abzuführen, als in einem solch schlanken Tablet zur Verfügung steht.

Exkurs

Nur zur Sicherheit an dieser Stelle ein kurzer Exkurs, da die Regulierung der Taktfrequenz von mobilen Prozessoren, zuletzt zu einem beliebten – und oft falsch verstandenen – Streitpunkt geworden ist. Sich darüber zu beklagen, dass der Prozessor in Benchmarks oder auch in Spielen nicht durchgängig mit allen Kernen auf voller Leistung läuft, ist sich darüber zu ärgern, dass das Smartphone oder Tablet nicht brav in Flammen aufgeht. Genau dies würde nämlich schon nach wenigen Minuten Volllast auf allen Kernen passieren – und zwar bei allen aktuellen mobilen Prozessoren. Um den Betrieb in einem solch räumlich engen Umfeld ohne aktive Kühlung zu erlauben, werden die Kerne also immer nur kurz mit maximaler Leistung betrieben, oder gleich durchgehend heruntergeregelt. Das Problem ist also nicht die Regelung an sich, den Unterschied macht lediglich aus, wie gut die Hersteller das Spannungsfeld zwischen Hitzeentwicklung und Performance im Griff haben.

Wärme

Im vorliegenden Fall lautet das diesbezügliche Verdikt. Sehr gut. Im Belastungstest wird das Pixel C zwar nach einigen Minuten unterhalb der rückseitigen Kamera merklich wärmer, dies entspricht aber in etwa dem Verhalten anderer aktueller Tablets, und wirklich heiß ist es im Test selbst bei wiederholten Grafik-Benchmark-Durchgängen nie geworden. Und an der Alltags-Performance des Pixel C gibt es ebenfalls absolut nichts auszusetzen, immer reagiert es äußerst flink auf alle Anforderungen.

USB Type C

Für die Verbindung nach außen setzt Google auch beim Pixel C wieder ganz auf den noch recht jungen USB Type-C-Standard. Im Gegensatz zu den aktuellen Nexus-Smartphones handelt es sich hierbei um einen vollständigen USB-3.1-Anschluss, wodurch also theoretisch höhere Transfergeschwindigkeiten möglich wären. Angesichts der auf einem Tablet üblichen Storage-Geschwindigkeiten werden die User davon im Alltag allerdings recht wenig merken. Ein weiterer Vorteil von USB C ist, dass das Laden hier in beide Richtungen funktioniert. Wer will kann das Pixel C also unterwegs nutzen, um damit den Akkustand seines Smartphones aufzufrischen. Eine sonderlich hohe Ladegeschwindigkeit sollte man dabei aber nicht erwarten.

Bildausgabe

Prinzipiell erlaubt es der USB Type-C-Standard auch, mittels Displayport einen externen Monitor anzusteuern. Dies ist beim Pixel C derzeit zwar noch nicht möglich, soll aber mit einem späteren Update nachgereicht werden, wie die Entwickler in einer Frage-und-Antwort-Sitzung auf Reddit ausgeplaudert haben.

Akkulaufzeit

Eine große Stärke von USB C ist das schnelle Aufladen. Und tatsächlich ist das Pixel C in 3 Stunden 34 Minuten recht flott von 0 auf 100 Prozent Akkustand – vor allem wenn man bedenkt, dass der Akku mit 9.000 mAh ziemlich groß ausgefallen ist. Zum Vergleich: Apples iPad Air 2 – das allerdings etwas kleiner ist – muss mit 7.340 mAh auskommen, das Galaxy Tab S2 von Samsung beschränkt sich in dieser Hinsicht gar auf 5.870 mAh. Entsprechend langen Atem beweist das Pixel C denn auch im Alltag, 10 Stunden aktive Nutzung verspricht Google, im Test zeigt sich, das dieser Wert auch fast so erreicht wird.

foto: andreas proschofsky / standard
Der Lightbar an der Rückseite des Tablets zeigt auf Wunsch den Akkuladestand an.

Drahtloses Laden

Was man beim Pixel C hingegen vergeblich sucht, ist die Möglichkeit des drahtlosen Aufladens, mit einer kleinen Ausnahme allerdings – und die geht in die andere Richtung. Versorgt das Tablet doch im geschlossenen Zustand die Tastatur auf diesem Weg mit Strom.

Netzwerk

Die Datenverbindung funktioniert exklusiv über WLAN (802.11 a/b/g/n/ac 2x2 MIMO), eine LTE-Version des Pixel C gibt es also nicht. Dafür ist Bluetooth 4.1 mit dabei – alleine schon, weil es für die Kommunikation mit der Tastatur benötigt wird. NFC hat Google hingegen dieses mal nicht mit im Angebot.

Sound

Für die Tonausgabe gibt es zwei Lautsprecher, die an den beiden Seiten des Tablets angebracht sind. Diese sind zwar ziemlich laut, die Klangqualität ist aber eher durchschnittlich, das Nexus 9 klingt beispielsweise deutlich voller. An der Tonausgabe über Kopfhörer gibt es hingegen wenig auszusetzen, einzige die maximale Lautstärke könnte noch eine Spur höher sein.

Speicherplatz

Das Pixel C gibt es in zwei Ausgaben, wie gewohnt macht der interne Speicherplatz hier den Unterschied aus. Je nach Modell stehen also 32 oder 64 GB zur Verfügung, einen MicroSD-Slot gibt es nicht. Gerade angesichts dessen wäre es wünschenswert gewesen, dass Google auch eine Ausführung mit 128 GB produziert – beim Nexus 6P ging es schließlich auch. Die verwendeten Flash-Bausteine liefern eine gute, aber nicht herausragende Performance. Heißt in Relation mit anderen Geräten gesetzt: Das Nexus 6P schlägt sich in dieser Hinsicht noch mal ein Stück besser, umgekehrt ist das Pixel C aber vor allem bei Schreibvorgängen deutlich flotter als das Nexus 9. Im Alltag machen sich die Unterschiede zu Geräten mit schnellerem Storage aber nicht bemerkbar.

Kameras

Und bevor wir es vergessen: Das Pixel C hat natürlich auch zwei Kameras, weil das halt alle so machen. Das rückseitige Modell mit 8 Megapixel liefert die von Tablets gewohnten, extrem durchschnittlichen Aufnahmen. An dieser Stelle könnte man nun in die Details gehen, oder aber auch: Nicht. Jedes halbwegs brauchbare Smartphone der letzten Jahre macht besser Aufnahmen, jenseits des Scannen von Barcodes ist die Sinnhaftigkeit einer rückseitigen Tablet-Kamera einfach enden wollend. And der Vorderseite gibt es eine 2-Megapixel-Kamera, die für Videochats eine ebenfalls ziemlich mittelmäßige Qualität bietet.

foto: andreas proschofsky / standard
Wer das Pixel C unbedingt zum Fotografieren nehmen will, wird damit begrenzte Freude haben

Die Tastatur

Aber kommen wir endlich zur Tastatur – immerhin steht das C im Namen des Geräts für "Convertible". Google hat sich hier für eine interessante Bauweise entschieden: Die ebenfalls von einem Aluminiumgehäuse umgebene Tastatur wird magnetisch mit dem Tablet verbunden. Klingt nach einer wackeligen Anordnung, ist es aber nicht. Im Test erweist sich das Konzept als äußerst stabil. Das Tablet wird durch die Magneten an die exakt richtige Stelle geführt, der Betrachtungswinkel lässt sich in Folge frei zwischen 100 und fast 180 Grad variieren. Die Bluetooth-Verbindung zwischen Tablet und Tastatur wird automatisch initiiert, wenn die Tastatur in Position ist, und verrichtet im Testverlauf ihre Dienste problemlos. Wird die Tastatur nicht benötigt, kann sie als Deckel fungieren, womit das Ganze dann wie ein kleines Chromebook Pixel aussieht.

Nachteile

Der von Google gewählte Aufbau hat natürlich auch den einen oder anderen Nachteil: Allen voran, dass die Tastatur mit 399 Gramm vergleichsweise schwer ist, und 5,5 Millimeter zur Dicke hinzufügt. Auch hat so natürlich kein Trackpad mehr Platz, wie es bei einigen anderen Tablet-Tastaturen zu finden ist. Ob man ein solches angesichts des Touchscreens wirklich vermisst, ist aber natürlich eine Frage, die im Bereich der individuellen Vorlieben anzusiedeln ist.

Gutes Tippen

Das Tippgefühl ist für eine Tablet-Tastatur dieser Größe verblüffend gut. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Abstand zwischen den Tasten mit 1,4 Millimeter erfreulich groß geblieben ist. Statt dessen mussten natürlich an anderer Stelle Kompromisse eingegangen werden, immerhin gibt das Tablet die zur Verfügung stehende Breite vor. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass einige gewohnte Tasten – etwa Esc – entfallen sind, und andere geschrumpft wurden. Auf der deutschen Tastatur ist etwa das "ä" etwas kleiner als es wirklich angenehm wäre.

foto: andreas proschofsky / standard
Tablet und Tastatur sind magnetisch verbunden – und dies äußerst stabil.

Shortcuts sind die Lösung

Die fehlenden Tasten lassen sich über die Bildschirmtastatur ergänzen, ein Druck auf Alt-Gr öffnet diese. Oder aber man merkt sich die zugehörigen Tastatur-Shortcuts – was auf Dauer sicher die schnellere Lösung ist. Und von denen gibt es eine ganze Menge, wie Google in einem eigenen Support-Eintrag ausführt. Diese helfen auch sonst bei der Interaktion mit dem Tablet, so lassen sich etwa Browser oder Gmail per Shortcut flott öffnen. Und Alt+Tab wechselt wie vom Desktop gewohnt durch die offenen Anwendungen, wobei hier mit den Pfeiltasten noch zusätzlich gezielt vor und zurückgewechselt werden kann, wenn der Taskswitcher mal offen ist.

Softwaredefizite

So gut die Tastatur selbst ist, so stark sind auch die Defizite von Android selbst, wenn es um die Tastaturnutzung geht. Selbst unter den Google-Apps sind es nur wenige, die sich halbwegs komfortabel per Tastatur steuern lassen. Was etwa passiert, wenn nach dem Öffnen einer App auf die Pfeiltasten gedrückt wird, scheint eher Zufall zu sein, einheitliche Richtlinien für das Setzen des Fokus scheint es jedenfalls nicht zu geben.

Von Hui zu Pfui

Positive Beispiele sind Chrome oder Gmail, für die es auch eigene Shortcuts gibt, um den Alltag zu beschleunigen. Auch der Launcher lässt sich recht bequem navigieren. Bei anderen Apps ist man hingegen zum steten Wechsel zwischen Tastatur und Touchscreen gezwungen. Das wäre auch noch gar nicht so problematisch, wenn all dies wenigstens irgendwie konsistent wäre – ist es aber nicht. So fällt es schwer einen guten Workflow zu finden.

foto: andreas proschofsky / standard
Die Tastatur bietet einen guten Anschlag, für die Größe musste man aber natürlich den einen oder anderen Kompromiss eingehen.

Bugs

Auch hat man schon mal den Eindruck, dass Google so manche App gleich gar nicht mit der Tastatur getestet hat. Wechselt man etwa auf einen App zurück, in der zuletzt ein Texteingabefeld offen war – also etwa Google Docs – wird automatisch die Softwaretastatur eingeblendet, egal ob die Hardwaretastatur verbunden ist oder nicht. Dass die Kombination mit dem Touchscreen durchaus sinnvoll genutzt werden kann, zeigt man hingegen an anderer Stelle: Wird bei einer Texteingabe die Alt-Taste gedrückt, werden Emojis auf dem Bildschirm zur Wahl gestellt – was vor allem bei Hangouts und Co. gerne genutzt wird.

Wer suchet...

Eine weitere nette Idee ist die globale Suchtaste, die das sonst gewohnte Caps Lock ersetzt. Diese ermöglicht eine rasche Suche bei Google, liefert aber auch lokale Ergebnisse. Insofern lassen sich auf diesem Weg auch Apps per Tastatur starten. Wünschenswert wäre allerdings, dass die Suche über einen Modifikator (etwa Shift-Suche) ganz auf Apps eingeschränkt werden kann, um hier noch schneller zum Ziel zu kommen.

Hardwareschwächen

Doch noch einmal zurück zur Tastatur an sich, das eine oder andere Defizit soll nämlich auch nicht verschwiegen werden. So gibt es etwa keine Hintergrundbeleuchtung, und die Zahlentasten sind ein kleines Stück näher am Bildschirm als es für wirklich komfortables Tippen optimal wäre. Und bei unserem Testmuster hatten die mittleren Tasten der Zahlenreihe einen deutlich schwammigeren Anschlag als die restliche Tastatur.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Der Homescreen auf dem Pixel C. gut zu sehen ist die aufgeteilte Navigation, die dafür sorgen soll, dass die Knöpfe leichter zu erreichen sind.

Software

Als Betriebssystem ist das Pixel C mit dem aktuellen Android 6.0.1 Marshmallow ausgestattet. Dieses hat viele Vorzüge – wie an anderer Stelle bereits ausführlich besprochen wurde – die Tablet-Unterstützung gehört allerdings nicht dazu. Dass Android in dieser Hinsicht Defizite aufweist, ist seit langem bekannt, insofern ist es um so unverständlicher, dass Google nun ein neues, selbst entworfenes Gerät auf den Markt wirft, ohne wirklich relevante Verbesserungen vorzunehmen. Dass die On-Screen-Navigation beim Pixel C zweigeteilt wurde, und nun am linken und rechten Rand des Bildschirms zu finden ist, ist fraglos eine gute Idee aber eben in Summe etwas wenig.

Kein Split Screen

Vor allem einen Split Screen / Multi-Window-Modus – wie er bei anderen Herstellern längst etabliert ist – vermisst man angesichts dieser Hardwarekombination schmerzlich. Zumal das Pixel C mit dem gewählten Seitenverhältnis geradezu für eine solche Art der Nutzung prädestiniert wäre. Das bereits erwähnte Reddit AmA mit dem Google-Entwicklungsteam bringt allerdings auch in dieser Hinsicht etwas Licht in die Angelegenheit. Verspricht Google darin doch ungewohnt offen, dass ein Split-Screen-Modus mit einem späteren Update folgen soll. Es ist also davon auszugehen, dass die Software schlicht nicht zeitgerecht fertig geworden ist.

App-Support

Das zweite große Problem bleibt, dass die Tablet-Unterstützung bei Android-Apps weiterhin reichlich verbesserungswürdig ist. Von Seiten Googles heißt es dazu, dass man mit dem Pixel C hofft, die Entwickler neu motivieren zu können. Ein fraglos nobles Ansinnen, vielleicht sollte man aber lieber zuerst mal intern das eine oder andere ernsthafte Wort anstimmen. Immerhin ist Google in dieser Hinsicht selbst nicht gerade ein leuchtendes Vorbild. Viele Apps des Unternehmens – allen voran die Hangouts – wirken auf dem großen Bildschirm reichlich verloren.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Auch beim Pixel C setzt Google in Fragen Softwareausstattung auf eine erfreulich schlanke Auswahl an vorinstallierten Apps.

Kein Always-On

Aus der Kategorie "Was fehlt": Entgegen den aktuellen Nexus-Geräten funktioniert beim Pixel C die Sprachsteuerung nicht wenn das Gerät gerade im Ruhezustand ist. Wobei – eigentlich müsste es "noch nicht" heißen. Auch dieses Feature soll laut Google zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.

Updates

Eine der wichtigsten Stärken übernimmt man hingegen von der Nexus-Welt: Das Pixel C soll ebenfalls monatlich mit neuen Updates versorgt werden. Dabei gibt es zwei Jahre lang neue Feature, auf drei Jahre hinaus sind Sicherheitsaktualisierungen versprochen. In Fragen Softwareauswahl setzt Google – wie auch schon bei den aktuellen Nexus-Geräten – auf neue Bescheidenheit: Lediglich 19 vorinstallierte Apps sind hier im Launcher zu finden. Da könnten sich viele Hersteller mit ihrer überbordenden Bloatware ein Scheibchen abschneiden.

Stabilität

Während sich in der Alltagsnutzung des Pixel C keinerlei Problem mit der Stabilität der Software gezeigt haben, offenbarte sich in einem Test sehr wohl ein Bug. Beim Akkutest von PCMark stürzt das Tablet nach 2-3 Stunden reproduzierbar ab. Anschließend hilft nur mehr ein langer Druck auf den Ausschaltknopf und der folgende Reboot.

foto: andreas proschofsky / standard
Pixel meets Pixel C (und dessen Fähigkeit dank starker Magneten an metallischen Oberflächen zu haften)

Nerd-Stuff

Zum Schluss noch ein paar technische Details, wer sich für solche Dinge nicht interessiert, darf getrost zum Absatz "Verfügbarkeit" vorrücken. Aber unerwähnt soll es auch nicht bleiben, dass das Pixel C mehr mit Chrome-OS-Geräten gemein hat, als es zunächst den Anschein machen mag. Kommt doch auch hier das Open-Source-BIOS Coreboot als Firmware zum Einsatz.

Chrome OS?

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob das Pixel C einst tatsächlich als Chrome OS-Gerät konzipiert war, und die Spuren weisen tatsächlich in diese Richtung. Die Platine des Pixel C wird im Source Code von Android nämlich "Ryu" genannt, und unter eben diesem Namen waren schon Mitte 2014 erste Hinweis auf ein Chrome-OS-Tablet mit diesem Namen aufgetaucht. Im Bootloader des Pixel C taucht dann der weitere Codename "Smaug" auf, der wiederum im Source-Code von Coreboot erstmals Mitte dieses Jahres seine Spuren hinterlassen hat. Irgendwann dazwischen dürfte Google von Chrome OS auf Android gewechselt sein – mit einer vorübergehenden Phase, in der das Gerät beide Systeme booten konnte.

Spekulationen

Angesichts der Verwendung von Coreboot wäre es also theoretisch noch immer möglich, Chrome OS – oder ein ganz anderes Betriebssystem – parallel auf dem Pixel zu betreiben. Ob Google auch dazu bereit ist, ein solches Image zu veröffentlichen und langfristig zu pflegen, ist natürlich eine andere Frage. Auch das Booten von einem externen Datenspeicher wäre so möglich, derzeit scheint dies aber im Bootloader deaktiviert zu sein. An dieser Stelle finden sich übrigens noch weiter Spuren in die Chrome-OS-Vergangenheit, und zwar in Form eines Menüeintrags mit dem Namen "USB Recovery". Dabei handelt es sich um jene Methode, mit der Chrome-OS-Geräte frisch aufgesetzt werden können, wenn das System beschädigt ist. Der Menüeintrag führt allerdings lediglich zu einem Link, der wiederum auf einen Support-Eintrag verweist, der ausführt, dass USB Recovery nicht unterstützt wird. Eine eher ernüchternde Spurensuche also. Bleibt abzuwarten, ob es sich hier tatsächlich nur um Altlasten handelt, oder Google noch mehr vor hat.

screenshot: andreas proschofsky / standard
Ausgeliefert wird das Pixel C mit Android 6.0.1.

Kernel

Und noch ein interessantes Detail: Der Linux Kernel ist in der Version 3.18 enthalten. Dies ist zwar noch immer weit von der aktuellsten Version entfernt, und doch deutlich neuer als die Version 3.10, die bei den diesjährigen Nexus-Geräten zum Einsatz kommt. Der Software-Build auf unserem Testgerät trug die Versionsnummer MXB48J,

Verfügbarkeit

Das Pixel C ist im Google Store ab 499 Euro erhältlich, die 64-GB-Variante schlägt mit 599 Euro zu Buche. Wer die Tastatur ebenfalls haben will, muss dafür noch einmal 169 Euro berappen.

Fazit I

Um dem Pixel C gerecht zu werden, muss das Urteil zweigeteilt ausfallen: Sucht man ein Android-Tablet für den Privatgebrauch, ist es zweifellos eine hervorragende Wahl. Die Verarbeitung ist top, die Performance liegt an der Spitze der Android-Welt, und auch der Bildschirm kann sich wirklich sehen lassen. Der langfristige Software-Support durch Google ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Plus im Vergleich zu den direkten Konkurrenten im Android-Umfeld.

Fazit II

Ganz anders sieht es aus, wenn man auf der Suche nach einem Arbeitsgerät ist, und keine speziellen Vorlieben für ein einzelnes Betriebssystem hat. Zwar ist auch das Keyboard hervorragend gelungen, die Software macht aber all die Hardwarestärken wieder zunichte. Die Tastaturnavigation ist angesichts der lückenhaften Unterstützung in Apps ein frustrierendes Erlebnis, ein Split-Screen / Multi-Window-Modus wird schmerzlich vermisst. Mit der Konkurrenz von Microsoft oder Apple kann Android in dieser Hinsicht derzeit schlicht nicht mithalten.

Dass Google verspricht mit einem kommenden Update nachzubessern, ist sicher nett, aber eine Kaufentscheidung nach irgendwann einmal folgenden Verbesserungen auszurichten, ist schlicht keine gute Idee. Immerhin weiß man nicht, ob dies dann in einem Monat kommt – oder doch erst in einem Jahr, wo es dann eventuell bereits einen Hardware-Nachfolger gibt. (Andreas Proschofsky, 13.12.2015)

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