Ein Flugobjekt mit vielen Finessen

Kolumne11. Dezember 2015, 17:00
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Drohnen sind das Traumgeschenk

Die Auswahl der Geschenke ist jedes Jahr eine der fadesten Weihnachtsscherereien. Wird sich die Tochter über das Dritthandy freuen? Findet es die Gattin anzüglich, wenn man ihr Latexunterwäsche mit Noppen schenkt? Soll man dem Sohn die Anaconda kaufen, die er sich als Haustier wünscht? Und was ist mit Opa? Lieber ein Geschenkpaket Inkontinenzwindeln oder eine Familienpackung Viagra?

Zum Glück wird die Qual der Wahl heuer erheblich gemildert, denn so, wie es aussieht, wünscht sich jede Österreicherin, jeder Österreicher ein und dasselbe auf den Gabentisch: nämlich eine Drohne (oder gleich mehrere). Wie beliebt diese unbemannten Flugobjekte sind, zeigt sich allein daran, dass sich das Infrastrukturministerium zu einer öffentlichen Ankündigung bemüßigt gefühlt hat: Fettere Drohnenexemplare dürfe man nicht ohne weiteres in Betrieb nehmen, vielmehr sei zuvor eine Betriebsbewilligung erforderlich.

Kein Wunder, dass jeder eine Drohne will. Drohnen sind praktisch beim Ausspähen anderer Familienmitglieder: Einmal kurz die Drohne durch die Wohnung flitzen lassen, und schon weiß man, was Mutti oder Oma gerade machen. Ganz pfiffig sind unsichtbare Tarnkappendrohnen: Mit denen kann man sich leicht an den Sohn heranschleichen und eruieren, ob er anstatt Hausaufgaben zu machen onaniert oder sonstiges Allotria treibt.

Sehr nützlich sind Drohnen in der Küche. Lässt man sie durch einen Haufen gekochter Kartoffeln fliegen, verwandeln sie diese mit ihrem robusten Flügelschlag blitzartig zu Kartoffelpüree. Anderer Verwendungszweck: Wenn lästige Nachbarn gar zu arg nerven (Partylärm, ungenügendes Grüßen, generelle Antipathie), jagt man ihnen zur Strafe einen Mordsschrecken ein, indem man eine extraklobige Drohne durchs geschlossene Fenster in ihre Wohnung brettern lässt. Tschinderassa bumm! Immer ein Heidenspaß!

Ein Kapitel für sich sind Drohnen und Haustiere. Hier kann man sich das öde Äußerln ersparen, wenn man den Lumpi mit der Leine an die Drohne anbindet und ihn ein paar Mal rund ums Haus fernsteuert. Ein weiterer Vorteil: Renitente Haustiere kann man mühelos per Drohne zur Raison bringen. Einfach die Hauskatze, wenn sie wieder am Sofa kratzt, aus mittlerer Höhe bombardieren, dann hört sich das sinnlose Gekratze meistens ziemlich schnell auf. (Christoph Winder, Album, 11.12.2015)

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