"Mr. Robot" und Co: Warum Hollywood endlich Hacking versteht

12. Dezember 2015, 09:06
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Nach jahrzehntelanger Ignoranz liefern Serien erste realistische Portraits von Cybersicherheit

Als die Macher von CSI vor einigen Monaten einen "Cyber"-Ableger der beliebten Kriminalserie ankündigten, läuteten bei Kennern der IT-Szene die Alarmglocken: Denn CSI ist schon bei anderen Thematiken für allerlei Humbug bekannt. Die Befürchtungen sind eingetroffen: Bösewichte bei "CSI Cyber" sind schnell einmal übergewichtige "Videospiel-Freaks", die noch bei ihrer Mutter wohnen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel – und mittlerweile stellen Serien Cybersicherheit und Hacking tatsächlich realistisch dar.

Hacker sind "die Guten"

Eine ganze Armada an Hacker- und IT-Serien eroberte in den vergangenen Monaten die Bildschirme: Da wäre etwa "Blackhat", das sich storytechnisch am NSA-Virus "Stuxnet" orientiert. Oder die Comedyserie "Silicon Valley", die das Leben als Start Up-Gründer porträtiert. "Halt and Catch Fire" zeigt hingegen den Aufstieg von Intel. Besonders für Furore sorgte aber "Mr. Robot", das Gesellschaftskritik mit einer spannende Geschichte über Cyberangriffe verband – und Hacker als "die Guten" darstellte.

Präsent

Für den Qualitätsgewinn bei Serien und Filmen sind, was Hacking betrifft, mehrere Gründe verantwortlich. Zunächst ist einmal logisch, dass das Thema überhaupt zum Mittelpunkt von Serien wird: Immer mehr Menschen arbeiten in der IT-Branche oder haben sehr viel mit Computeranwendungen zu tun. Gleichzeitig sind Cyberattacken und Datendiebstähle permanent in den Nachrichten, man denke allein an den Sony-Hack. Also können viele Zuseher etwa mit der Materie anfangen.

Guter Look

Andererseits ist Hollywood ohnehin ständig auf der Suche nach neuen Szenarien und Geschichten – und besonders spannende kann man naturgemäß in der Hackerszene finden, in der nicht selten der Mythos von "David gegen Goliath" hervorgehoben wird. Auch der "Look" der Hackerszene ist zusehends in: Malware muss nicht länger mühselig mit absurden CGI-Animationen dargestellt werden – eine Befehlszeile auf einem Bildschirm wirkt mit der richtigen Belichtung "retro" und fügt sich atmosphärisch gut in die aktuelle Stoßrichtung von Serien ein, wie TheAtlantic analysiert.

Qualitätsgewinn

Und nicht zuletzt ist es ein ganz allgemeiner Trend, der auch das Hacking in Serien klüger macht: Fernsehproduktionen erlebten in den vergangenen Jahren in allen Bereichen einen enormen Qualitätsgewinn – man denke beispielsweise an "Mad Men" oder "Game of Thrones". Serien sind nicht mehr bloßer Zeitvertreibt, sondern werden als Kunstform wahrgenommen. In einem Zeitalter, in dem kleine Fehler sofort auf Twitter die Runde machen, können es sich Produzenten also schlicht und einfach imagetechnisch nicht leisten, weiterhin Unsinn über Hacking zu verbreiten. (red, 12.12.2015)

  • Mr Robot gilt als jene Serie, in der Hacking am realistischsten porträtiert wird
    foto: ap/giesebrecht

    Mr Robot gilt als jene Serie, in der Hacking am realistischsten porträtiert wird

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