Gesamtschule: Grüne wollen Modellregion in Vorarlberg durchsetzen

11. Dezember 2015, 14:16
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Auch ganze Bundesländer sollen die gemeinsame Schule testen können, fordert Walser. Vorarlberg sei besonders geeignet

Wien/Bregenz – Sieben von zehn Vorarlberger Gymnasien mit Unterstufe stehen im Rheintal im Umkreis von zehn Kilometern. Wenn die Bildungsreform so wie geplant umgesetzt wird, würde das bedeuten, dass nur ein Gymnasium an einer Modellregion zur Gesamtschule teilnehmen kann, sagte der grüne Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz am Freitag. "Das ist keine richtige Modellregion." Die Grünen wollen deshalb die Regierungsparteien davon überzeugen, dass auch ganze Bundesländer eine Modellregion bilden können.

Die hohe Dichte an Gymnasien in einer Region würde dazu führen, dass die Umsetzung der Bildungsreform für Vorarlberg "sehr problematisch" werden dürfte, sagt Michael Schratz, der die School of Education in Innsbruck leitet. In der von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) geplanten Bildungsreform ist vorgesehen, dass an den Tests der Gesamtschule nur 15 Prozent aller Standorte einer Schulart (Volksschule, Sonderschule, Neue Mittelschule, allgemeinbildende höhere Schule) und 15 Prozent aller Schüler einer Schulart teilnehmen dürfen.

Eltern für Gesamtschule

Dabei wäre gerade Vorarlberg ideal für die Umsetzung der Gesamtschule, sagen Walser und Schratz. Laut einer wissenschaftlichen Studie zur gemeinsamen Schule in Vorarlberg sprechen sich mehr als die Hälfte der Eltern für eine gemeinsame Schule aus. Die Lehrer an Volks- und Mittelschulen sind mit 72 und 77 Prozent große Befürworter der Gesamtschule, die AHS-Lehrer sind allerdings zu 57 Prozent dagegen. "Die Akzeptanz ist gegeben", sagt Walser. Zudem sind alle Landtagsparteien für eine Modellregion zur Gesamtschule. "Man sollte dieses Fenster, das sich geöffnet hat, nutzen", sagt Schratz.

Zwei-Drittel-Mehrheit nötig

"Mit den 15 Prozent werden wir nicht weiterkommen", sagt Walser. Die Grünen wollen nur dann bei der Bildungsreform mitstimmen, wenn diese Prozentgrenze fällt und jene Bundesländer, die es wollen, das Ganze Land zur Modellregion erklären dürfen. Bisher haben die Landesregierungen in Wien und Vorarlberg diesen Wunsch geäußert. Die Forderung der Grünen ist nicht irrelevant, weil SPÖ und ÖVP für die Umsetzung der Bildungsreform im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit brauchen. Dafür sind entweder die Stimmen der Grünen oder jene der FPÖ nötig. Walser will seine Forderung bis zum kommenden Frühjahr durchsetzen. "Da liegt ein hartes Stück Arbeit vor uns."

Auch Tiroler wollen mehr

"Mehr Mut in Bildungsfragen" wünschen sich auch die Tiroler Sozialdemokraten. Die Bildungsreform gebe zwar die richtige Richtung vor, "statt halber Lösungen brauchen wir aber Nägel mit Köpfen", wird der rote Landesparteichef Ingo Mayr in einer Aussendung zitiert. Er fordert eine "Modellregion für ganz Tirol". Alleine in Innsbruck und Umgebung seien heuer rund 130 Schüler von Gymnasien abgelehnt worden. Mayr hofft weiterhin auf Engagement von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) – einem bekennenden Befürworter der gemeinsamen Schule –, den er auffordert, in der Volkspartei für Modellregionen Stimmung zu machen. (koli, mika, 11.12.2015)

  • Der grüne Bildungssprecher Harald Walser spricht sich gegen Prozentgrenzen bei den Modellregionen aus.
    foto: apa/schlager

    Der grüne Bildungssprecher Harald Walser spricht sich gegen Prozentgrenzen bei den Modellregionen aus.

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