Geparde leiden unter ihrer nordamerikanischen Herkunft

12. Dezember 2015, 12:00
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Extrem geringe genetische Vielfalt erschwert Schutzmaßnahmen – Ursache liegt in zwei genetischen Flaschenhälsen, die die Spezies durchschritt

Sankt Petersburg – In den vergangenen zwei Millionen Jahren lebten in den weiten Grasebenen Nordamerikas mindestens zwei Arten von Raubkatzen mit gepardenähnlichem Körperbau. Am Ende der letzten Kaltzeit sind sie dort ausgestorben – geblieben sind nur die Tiere, auf die sie einst Jagd gemacht haben dürften: Gabelböcke, eine nirgendwo sonst auf der Welt vorkommende Art von Wiederkäuern, bei der man lange gerätselt hatte, warum sie so schnell laufen können, obwohl es dort heute weit und breit kein Raubtier mehr gibt, das mit diesem Tempo mithalten könnte.

Die genauen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den ausgestorbenen Amerikanischen Geparden untereinander sowie mit dem heute noch in Afrika und Vorderasien lebenden Gepard (Acinonyx jubatus) sind noch nicht restlos geklärt. Eine nun im Magazin "Genome Biology" veröffentlichte Studie zeigt aber, dass es sich nicht einfach um einen Fall von konvergenter Evolution handelt. Die heutigen Geparde stammen offenbar von Tieren ab, die vor etwa 100.000 Jahren aus Nordamerika ausgewandert sind.

Genomanalyse

Russische Forscher der Universität Sankt Petersburg führten zusammen mit Kollegen aus China und Namibia Genomanalysen an sieben Geparden aus Tansania und Namibia durch. Die Ergebnisse bestätigen nicht nur Annahmen eines amerikanischen Ursprungs der Spezies, zugleich liefern sie weitere Informationen über das größte Problem, das Artenschützer heute mit Geparden haben: ihre extrem geringe genetische Vielfalt. Diese ist laut den Forschern so drastisch, dass man Gewebe von einem Tier auf ein nicht direkt mit ihm verwandtes verpflanzen kann, ohne dass es zu einer Abstoßungsreaktion kommt.

Obwohl es noch 10.000 bis 12.000 Geparde in freier Wildbahn geben dürfte, wovon andere Raubtierspezies wie etwa der Tiger nur träumen können, ist die Art gefährdet. Die geringe genetische Variabilität macht Geparde anfällig für Krankheiten und führt zu hoher Sterblichkeit unter Jungtieren. Zudem haben die Forscher bei der Genomanalyse festgestellt, dass eine Reihe von Mutationen am Gen AKAP4 die Spermienqualität reduziert und damit die Fortpflanzungsrate verringert.

Kurz gesagt: Geparde leiden unter den Folgen langer Inzucht. Schuld daran ist, wie die aktuellen Untersuchungen zeigten, dass die Spezies durch zwei evolutionäre Flaschenhälse gegangen ist, in denen der Geparde-Genpool drastisch verkleinert wurde: Zum einen vor etwa 100.000 Jahren, als sich Geparde zum ersten Mal aus Nordamerika in die Alte Welt aufmachten und über ein so riesiges Gebiet verteilten, dass die einzelnen Tiere kaum noch Kontakt zu anderen Artgenossen als ihren unmittelbaren Verwanden hatten. Und das zweite Mal vor 10.000 bis 12.000 Jahren, als der Kontakt zur alten Heimat endgültig abriss und die dortigen Geparde ausstarben. (red, 12. 12. 2015)

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    foto: ap/bob croslin/nat geo wild
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