Ermittlungen gegen Lord Coe

10. Dezember 2015, 18:14
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Französische Justiz untersucht die Vergabe der Leichtathletik-WM an Eugene – Hintergrund ist ein erhärteter Korruptionsverdacht

Paris/Eugene – Dem Leichtathletik-Weltverband IAAF und seinem unter Druck stehenden Präsidenten Sebastian Coe drohen wegen der umstrittenen Vergabe der WM 2021 an Eugene weitere Probleme. Wie die BBC berichtet, haben die französischen Justizbehörden diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen. Hintergrund dürfte ein erhärteter Korruptionsverdacht sein. Im November hatten die Behörden bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack eingeleitet. Diack, in dessen Amtszeit Eugene den Zuschlag für die Welttitelkämpfe erhalten hatte, wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Er soll während seiner Amtszeit Dopingfälle vertuscht haben.

Mitte April war Eugene völlig überraschend und ohne Bewerbungsverfahren die WM 2021 zugesprochen worden, obwohl auch Göteborg Interesse gezeigt hatte. Die Stadt im US-Bundesstaat Oregon liegt nur unweit des Nike-Hauptsitzes in Beaverton und ist Gründungsort des Unternehmens. Der zweimalige 1500-m-Olympiasieger Coe, damals IAAF-Vizepräsident, war zu diesem Zeitpunkt Markenbotschafter des Sportartikelgiganten und soll dafür jährlich ein sechsstelliges Honorar erhalten haben. Im Nachhinein hatte Coe die Vergabe an Eugene als Fehler bezeichnet, eigene Verantwortung aber zurückgewiesen. Seine Tätigkeit für Nike hat er mittlerweile beendet.

Laut BBC wollen die französischen Behörden ermitteln, vor welchen Hintergründen Eugene den Zuschlag erhalten habe. In einer Mail an Nike-Boss Craig Masback soll Vin Linnana, Chef von Eugenes Organisationskomitee, von Inhalten eines Treffens mit Coe berichtet haben.

Lord Coe habe seine Unterstützung für Eugene zugesagt, allerdings darauf verwiesen, dass Diack den Vergabeprozess nicht vor dem Council-Meeting im April 2015 in Peking einleiten werde. Dort bekam Eugene allerdings bereits den Zuschlag – mit einer 23:1-Mehrheit.

Gastgeber Eugene hat am Donnerstag jegliche Vorwürfe zurückgewiesen. "Wir sind überzeugt, dass nichts passiert ist, was außerhalb der Regeln der IAAF lag", sagte Lananna. "Man kann über jede Art von Vergabeprozess frustriert sein, aber wir haben den Prozess nicht gemacht. Wir haben unsere Bewerbung vorgestellt. Es war Sache des IAAF-Councils, diese zu akzeptieren." Coe sagte im Interview mit BBC Radio 4: "Es gab kein Bewerbungsverfahren. Eugene ist vom US-Verband vorgeschlagen worden, nicht von der IAAF. Mein Council hat entschieden, dass es für die Zukunft die beste Möglichkeit ist, die WM in die USA zu vergeben." (sid, 10.12.2015)

  • Coe hat mittelschweren Erklärungsbedarf.
    foto: epa/olivier anrigo

    Coe hat mittelschweren Erklärungsbedarf.

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