NGOs rücken beim Einkauf stückweit zusammen

11. Dezember 2015, 08:46
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Beschaffungsplattform hilft Kosten sparen – Höhere Volumina, bessere Konditionen

Wien – Gemeinsam ist man stärker, auch in Sachen Einkauf. Was in der Privatwirtschaft gang und gäbe ist, soll nun auch im Bereich gemeinnütziger Organisationen, Vereine, NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und NPOs (Non-Profit-Organisationen) zur Selbstverständlichkeit werden: Strom, Gas, Büromaterial und andere für den laufenden Betrieb notwendige Utensilien gemeinsam beschaffen und dadurch Kosten sparen.

Das Zauberwort heißt "Einkaufsgruppe" und die Person, die dahintersteht, Joachim Schreiber. Der Biologe und Umwelttechniker war selbst viele Jahre im Umwelt- und Menschenrechtsbereich aktiv, hat unter anderem für Ute Bock, den WWF, Greenpeace und Ögut gearbeitet. Langsam reifte die Erkenntnis, dass durch Bündelung der Einkäufe viel Geld gespart werden könnte.

"Je mehr sich zusammenschließen, desto günstiger wird es", sagte Schreiber dem STANDARD. Das habe nicht nur den Vorteil, dass den – meist durch Spendengeld finanzierten – Organisationen mehr Bares für die eigentlichen Aufgaben bleibe. Die gebündelte Marktmacht könne auch genutzt werden, die Ökologisierung des Beschaffungswesens voranzutreiben.

Rund 50 Organisationen haben sich bisher überzeugen lassen. Global 2000 ist ebenso dabei wie Licht für die Welt, Vier Pfoten, Amnesty oder die Roten Nasen.

Erfahrungen zeigten, dass zum Teil hohe, zweistellige Prozentsätze eingespart werden können: Bei Druckpapier fallweise bis zu 63 Prozent, bei Fairtrade-Kaffee sogar bis zu 65 Prozent – durch Ausschaltung des Zwischenhandels.

Die Mitgliedschaft in der Einkaufsgruppe ist grundsätzlich kostenlos. Mindestumsatz gibt es keinen mehr, auch keine Kickbacks oder Umsatzbeteiligungen. Von dem, was sich die teilnehmenden Organisationen in der Basis-Mitgliedschaft ersparen, können sie freiwillig einen Teil als "Solidarbeitrag" abgeben. Die Prämium-Mitgliedschaft kostet 599 Euro pro Jahr.

Wie groß das Potenzial ist, zeigt eine Überschlagsrechnung. Bei einem erwarteten Spendenaufkommen von heuer 600 (2014: 550) Millionen Euro wird geschätzt, dass davon rund zehn Prozent Overheadkosten sind. Wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz davon eingespart werden kann, steht viel mehr Geld für die Spendenziele zur Verfügung. (Günther Strobl, 11.12.2015)

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