Lexus RX 450h: Der scharfe Zen-Meister

15. Dezember 2015, 11:59
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Außen progressiv wie nie, innen elegant und nobel und ganz innen weiterhin Vollhybrid: Die vierte Generation des Lexus-SUV-Flaggschiffs RX 450h will neue Maßstäbe setzen bei Verbrauch, Sicherheit und Wohlgefühl

Lissabon – Davon kann man ausgehen: dass die aktuelle Dieseldebatte dem RX 450h nicht schaden wird. Weil nämlich, wie gehabt: Hybrid-Modell. Nach Diktion des Hauses: Vollhybrid. Eher schon wird man fragen dürfen, warum nicht im Plug-in-Format, wie die deutsche Konkurrenz (und Volvo), aber sehen Sie, das hat zu tun mit der Sturheit des Pioniers, einer Techniksupermacht, die eine ganz eigene Vorstellung davon hat, wie die automobile Zukunft zu gestalten sei, nämlich mit Wasserstoff, Brennstoffzelle, E-Motor.

Pionier

Hybrid stellt dafür eine Brückentechnologie dar, und bevor wir nun in Lissabon in den RX 450h steigen, noch ein allgemeines Wort. Klammert man den Grand Cherokee (1993) aus, was Jeep nicht gefallen wird, so war Lexus nicht nur bei Hybrid (RX ab 2005) Pionier, sondern auch bei den großen Premium-SUVs – zumindest gemeinsam mit Mercedes: RX und M-Klasse debütierten 1997, gefolgt vom BMW X5 (1999).

Der SUV, mit bisher 2,2 Millionen Exemplaren meistverkaufter Lexus überhaupt, war immer eine runde Sache, auch beim Design, in allen drei Generationen. Nun wird’s eckig, kantig, und nach dem ersten Eindruck im Straßenbild wird man sagen dürfen: Das ist ja ein richtiger Scharfmacher! Fährt er sich auch so zackig, draufgängerisch, wie er aussieht? In dem Punkt greifen die Japaner aus der Hegel'schen Dialektik den Abschnitt Antithese auf. Der RX ist nämlich eine Antithese zum Verdikt, Design und Fahrcharakteristik sollten deckungsgleich sein.

foto: lexus
Der Lexus RX 450h ist wie gehabt ein Vollhybrid.

Dabei trennt sich beim RX Design in zwei Bereiche: außen und innen. Bemisst man die Fahrdynamik an außen, zeigt sich die antithetische Diskrepanz. Zwar sei betont: kein Vergleich mit bisher bei Agilität und Stabilität. Die Verheißung des Außendesigns wird aber so nicht erfüllt, jedenfalls nicht im Kurvenreich, wie denn auch bei SUV und 2,1 Tonnen. Auf der Quarter Mile indes kämen wir der Sache schon näher – 7,7 Sekunden für null auf 100 km/h –, doch das zielt ins Habitat USA und nicht Europa. Nein, bei den Fahrimpressionen orientiere man sich an dem, was der RX-Pilot tagtäglich um sich hat: am Interieur. Sachlich, technoid, nobel, komfortabel und sogar irgendwie flauschig.

Japanische Interpretation

An Materialauswahl und -anmutung ist nicht das Geringste auszusetzen, fein, dass es neben den Europäern auch eine wirklich glaubhafte japanische Interpretation zum Thema automobiler Luxus und Komfort gibt. Und genau so komfortabel fährt sich der RX auch – ein Auto für Cruiser und Genießer, ein wahrer Zen-Meister unter den SUVs, der anregt zum Innehalten und Entschleunigen.

Antriebstechnisch bleibt es weitgehend beim Ansatz des Vorgängermodells: V6-Zylinder-Otto mit 262 PS (bisher 249) – neu entwickelt, sagt Lexus –, ein E-Motor vorn (123 kW), einer hinten (50 kW), was sich nunmehr zu einer Systemleistung von 313 PS summiert (bisher: 299). Das CVT-Getriebe simuliert neuerdings acht Gänge. Und obwohl der RX in Länge und Radstand deutlich gewachsen ist, brachten die Lexus-Ingenieure das Kunststück fertig, den Normverbrauch um gleich einen Liter zu reduzieren, auf jetzt 5,3 l / 100 km. Aber Perfektionisten sind sie ja immer schon gewesen. (Andreas Stockinger, 15.12.2015)

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Lexus

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Der RX bleibt sich in der Fahrwerksphilosophie treu, die Komforteigenschaften wurden nochmals deutlich verbessert.
    foto: lexus

    Der RX bleibt sich in der Fahrwerksphilosophie treu, die Komforteigenschaften wurden nochmals deutlich verbessert.

  • Erstmals gibt es ein adaptives Dämpfersystem mit unterschiedlichen Straffheitsgraden. Im Allrad-Fall schaltet sich an der Hinterachse ein Elektromotor zu.
    foto: lexus

    Erstmals gibt es ein adaptives Dämpfersystem mit unterschiedlichen Straffheitsgraden. Im Allrad-Fall schaltet sich an der Hinterachse ein Elektromotor zu.

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    grafik: der standard
  • Der RX wächst von 4,77 auf 4,89 Meter Länge. Daraus resultieren ganz neue Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck.
    foto: lexus

    Der RX wächst von 4,77 auf 4,89 Meter Länge. Daraus resultieren ganz neue Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck.

  • Was Lexus unter Luxus versteht, zeigt der Blick aufs Interieur.
    foto: lexus

    Was Lexus unter Luxus versteht, zeigt der Blick aufs Interieur.

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