Streit um den sagenhaften Milliardenschatz in der Karibik

13. Dezember 2015, 15:00
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Im Ringen um die Reichtümer der gefundenen Galeone San José meldet nun auch Spanien Ansprüche an

Puebla – Noch ist er nicht geborgen, aber der Schatz der vor Kolumbien gesunkenen Galeone San José weckt schon jetzt Begehrlichkeiten. 1708 versenkte die englische Flotte das spanische Schiff, das Schmuck, Edelsteine, Gold- und Silbermünzen aus Peru an Bord hatte. Die Ladung entspräche heute einem Wert von mindestens 1,5 Milliarden Euro.

Jahrzehntelang waren Schatzsucher unterwegs, um die Galeone vor den Rosario-Inseln in der Nähe der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena aufzuspüren. Jetzt ist es einem Team aus kolumbianischen Archäologen, der Marine und internationalen Wissenschaftern gelungen, das Wrack zu orten – wo genau und in welcher Tiefe, bleibt streng geheim.

Kolumbien vs. SSA

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sprach von "einem der größten versunkenen Schätze in der Geschichte der Menschheit", der allen Kolumbianern gehöre und den er in einem Museum ausstellen würde. Doch nicht nur Kolumbien beansprucht den Schatz, auch die US-Firma Sea Search Armada (SSA) erklärte, sie habe in den 1980er-Jahren das Schiff zuerst geortet und ihr gebühre dafür die Hälfte. 2007 gab ein kolumbianisches Gericht SSA recht. Die Gegenklage in den USA hingegen gewann 2011 der kolumbianische Staat, der zum Alleineigentümer erklärt wurde.

Grundlage war das internationale Seerecht, wonach ein Schatz, der bis zu zwölf Seemeilen (knapp 22 Kilometer) vor der Küste gefunden wird, dem jeweiligen Land gehört. SSA ging in Berufung. 2013 verabschiedete Kolumbien ein Gesetz, wonach die auf dem Meeresboden in kolumbianischen Hoheitsgewässern gefundenen Schätze Kolumbien gehören.

Kolumbien vs. SSA vs. Spanien

Als Dritter hat nun auch Spanien Ansprüche angemeldet. Da es sich um die ehemalige Kolonialmacht handelt, verantwortlich für die Ausbeutung Lateinamerikas, ist das politisch heikel. Spanien hat aber schon mehrfach das Eigentum gesunkener Galeonen zugesprochen bekommen, etwa im Jahr 2001 bei den Fregatten Juno und Galga und 2012 bei der Nuestra Señora de las Mercedes. Beide Male setzte sich Spanien gegen private Schatzsucherfirmen durch.

Grundlage ist die Unesco-Konvention über Kulturgüter auf dem Meeresgrund. Demnach ist Eigentümer der Staat, unter dessen Flagge die Schiffe segelten. Kolumbien hat die Konvention aber nicht unterzeichnet und lehnte daher Spaniens Ansprüche ab. Jetzt vereinbarten die beiden Kulturminister Gespräche. Man wolle den Streit um den Schatz diplomatisch beilegen. Die konfuse Rechtslage inspiriert weltweit Schatzsucher. Allein vor der Küste Kolumbiens sollen bis zu 1000 Wracks liegen – aber nur ein Zehntel mit Schätzen an Bord. (Sandra Weiss, 13.12.2015)

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