Baby in Linzer Klinik gestorben: Hochresistenter Keim vermutet

10. Dezember 2015, 16:15
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Zwei weitere Kinder betroffen – Screenings und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen

Linz – In der Linzer Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK) ist am Donnerstag ein Säugling vermutlich an dem hochresistenten Keim Acinetobacter gestorben. Zwei weitere Kinder dürften ebenfalls betroffen sein, zeigten aber keine Symptome. Das teilte der Spitalsbetreiber Gespag mit und betonte, dass der Keim für gesunde Menschen harmlos sei.

Ein Neugeborenes war wegen einer Darmfehlbildung mehrfach operiert worden und deutlich immungeschwächt. Es entwickelte sich eine Sepsis, am Donnerstagvormittag starb das Mädchen. Betroffen ist laut Gespag die Chirurgische, nicht die Neugeborenen-Intensivstation.

Die Mediziner vermuten, dass der Keim von einem anderen Säugling, ebenfalls ein Mädchen, übertragen wurde. Es war im Rahmen einer humanitären Aktion vom Krankenhaus Sarajevo in Bosnien in die LFKK überstellt, von einem Ärzteteam des Kinderherzzentrums operiert und danach in der LFKK intensivmedizinisch betreut worden. Bei diesem Kind wurde bei einem routinemäßigen Abstrich der hochresistente Acinetobacter-Keim festgestellt.

"Maximale Isolations- und Hygienemaßnahmen"

Der Säugling aus Sarajevo sei, obwohl er keine Symptome zeigte, sofort mit einem spezifischen Antibiotikum behandelt worden, man habe "maximale Isolations- und Hygienemaßnahmen ergriffen", betonte die Gespag. Der Keim dürfte zu diesem Zeitpunkt aber bereits auf das nun gestorbene Baby übertragen worden sein.

Noch am Donnerstag wurde mit einem umfassenden Screening begonnen. Alle Patienten und Spitalsmitarbeiter, die mit den Betroffenen Kontakt hatten, werden auf den Keim getestet. Das dürften rund 100 Personen sein. Das Ergebnis soll spätestens in acht Tagen vorliegen. Die Klinik geht davon aus, dass es zumindest zu einer weiteren Ansteckung gekommen ist – bei einem Kind, das ebenfalls auf der Intensivstation betreut worden war. Es zeigte aber ebenfalls keine Symptome.

Komplettreinigung an LFKK und AKh

Am Nachmittag fanden in beiden Spitälern Komplettreinigungen statt, es wurden auch erhöhte Hygienemaßnahmen eingeleitet. Der OP-Betrieb wird eingeschränkt und auf dringende Fälle zurückgefahren. Bis die Screening-Ergebnisse vorliegen, bleiben laut Gespag "strengste Isolations- und Hygienemaßnahmen aufrecht". Sowohl AKh als auch LFKK hätten alle Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung zu verhindern, versicherte der Spitalsbetreiber. Das Kinderherzzentrum ist eine Kooperationseinrichtung von LFKK (Gespag) und AKh (Stadt Linz). Die beiden Spitäler verschmelzen mit Jahreswechsel gemeinsam mit der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg zum Linzer Kepler-Universitätsklinikum.

Der Acinetobacter ist ein multiresistenter Keim. Das bedeutet, dass die verschiedensten Antibiotika nicht mehr wirken. Bei einem Ausbruch muss immer getestet werden, auf welche Mittel der aktuelle Bakterienstamm noch reagiert. Die Übertragung des Erregers erfolgt von Mensch zu Mensch, er bleibt an Oberflächen haften.

Allerdings muss nicht bei jedem Patienten, der damit besiedelt ist, auch eine Infektion ausbrechen. Risikofaktoren sind längere stationäre Behandlung, Aufenthalt auf der Intensivstation, Beatmung, antibiotische Vorbehandlung, vorausgehende invasive Maßnahmen sowie schwere Grunderkrankungen. Für gesunde Menschen sei der Keim nicht gefährlich, hieß es bei der Gespag. (APA, 10.12.2015)

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