Spektakuläre kosmische Kollision im Sternbild Centaurus erspäht

12. Dezember 2015, 17:03
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Neue Aufnahme des Very Large Telescope zeigt Spuren eines gewaltigen Zusammenstoßes

Garching – Eine aktuelle Aufnahme des Very Large Telescopes der ESO am Paranal-Observatorium lässt die spektakulären Auswirkungen eines 360 Millionen Jahre alten kosmischen Zusammenstoßes deutlich erkennen. Unter den Überbleibseln findet sich auch eine seltene und rätselhafte junge Zwerggalaxie: Sie bietet Astronomen eine gute Gelegenheit, um mehr über ähnliche Galaxien zu erfahren, von denen man ausgeht, dass sie im frühen Universum häufig vorkamen. Normalerweise sind sie jedoch zu lichtschwach und weit entfernt, um sie beobachten zu können.

NGC 5291, das verwaschene goldfarbene, eiförmige Objekt, das die Mitte des Bildes dominiert, ist eine elliptische Galaxie, die sich etwa 200 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Centaurus befindet. Vor über 360 Millionen Jahren war NGC 5291 in eine dramatische und gewaltsame Kollision verwickelt, als eine andere Galaxie mit immenser Geschwindigkeit durch ihren Kern raste. Der kosmische Zusammenstoß verursachte einen gewaltigen Ausstoß an Gas in den umliegenden Raum, das später in Form eines Rings um NGC 5291 verschmolz.

Zwerggalaxie im Blick

Im Lauf der Zeit sammelte sich Materie in diesem Ring und kollabierte, wodurch gleich Dutzende Sternentstehungsgebiete und mehrere Zwerggalaxien entstanden, die in dem Bild als hellblaue und weiße Gebiete erkennbar sind. Der massereichste und leuchtkräftigste Materieklumpen (rechts von NGC 5291) ist eine dieser Zwerggalaxien: NGC 5291N. Man geht davon aus, dass die Milchstraße, wie alle großen Galaxien, durch eine Anhäufung kleinerer Zwerggalaxien in den frühen Jahren des Universums entstanden ist. Wenn die kleinen Galaxien ganz alleine bis zum heutigen Tag überlebt haben, enthalten sie jetzt für gewöhnlich viele sehr alte Sterne. Dennoch scheint es in NGC 5291N bisher noch keine alten Sterne zu geben.

Detaillierte Beobachtungen mit dem MUSE-Spektrograf ergaben, dass die äußeren Bereiche der Galaxie Eigenschaften aufweisen, die üblicherweise mit der Entstehung neuer Sterne in Verbindung gebracht werden. Das, was allerdings beobachtet wurde, wird von den heutigen theoretischen Modellen nicht vorhergesagt; Astronomen vermuten deshalb, dass diese ungewöhnlichen Eigenschaften das Ergebnis der gewaltigen Zusammenstöße von Gas in der Region sein könnten.

NGC 5291N sieht nicht aus wie eine typische Zwerggalaxie, sondern besitzt auffällig viele Ähnlichkeiten mit den klumpigen Strukturen, die in vielen Galaxien mit Sternentstehung im weit entfernten Universum vorhanden sind. Dies macht sie zu einem einem wichtigen Untersuchungsobjekt. Das ungewöhnliche System wurde bereits von zahlreichen bodengebundenen Teleskopen untersucht, einschließlich des 3,6-Meter-Teleskops der ESO am La Silla-Observatorium. Allerdings gelang es erst jetzt, einen Teil der Geschichte und Eigenschaften von NGC 5291N zu bestimmen. (red, 12.12.2015)

  • In dieser Aufnahme des Very Large Telescopes der ESO sind die Auswirkungen eines 360 Millionen Jahre alten kosmischen Zusammenstoßes deutlich zu erkennen.
    foto: eso

    In dieser Aufnahme des Very Large Telescopes der ESO sind die Auswirkungen eines 360 Millionen Jahre alten kosmischen Zusammenstoßes deutlich zu erkennen.

  • Unter den Überbleibseln, die die elliptische Galaxie NGC 5291 in der Mitte umgeben, findet sich auch eine seltene junge Zwerggalaxie – NGC 5291N.
    foto: eso

    Unter den Überbleibseln, die die elliptische Galaxie NGC 5291 in der Mitte umgeben, findet sich auch eine seltene junge Zwerggalaxie – NGC 5291N.

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