Schekmans Kampf gegen die "Luxuszeitschriften"

11. Dezember 2015, 17:53
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Das Journal "eLife", das der Nobel-Laureat herausgibt, könnte "Nature" und "Science " das Fürchten lehren

Wien – "Suck it, Schekman!" Die letzten drei Worte von Randy Schekmans Vortrag vergangene Woche in Wien sorgten für lautes Gelächter. Mit genau dieser Verwünschung zitierte der US-Biologe am renommierten Institut für Molekulare Pathologie (IMP) einen erfundenen, im Netz gefundenen Tweet Donald Trumps, des Kandidaten der US-Republikaner, den Schekman erklärterweise hasst.

Die fiktive Kurznachricht spielte nicht zuletzt auf Randy Schekmans mutigen Kampf gegen die Allmacht von Zeitschriften wie Nature, Science und Cell an. Auch im Gespräch mit dem Standard nahm er sich kein Blatt vor den Mund: "Die Bedeutung dieser Zeitschriften hat zu enormen Fehlentwicklungen geführt: Forscher machen unlautere Abkürzungen, es kommt sogar zu Betrugsfällen, nur damit diese Artikel in diesen ,Luxuszeitschriften' veröffentlicht werden."

Ein besonderer Dorn im Auge ist Schekman die Fetischisierung der sogenannten Impact-Faktoren, mit denen der "Einfluss" wissenschaftlicher Fachzeitschriften gemessen wird. Und er hat mit seiner Kritik Ernst gemacht: Vor drei Jahren gründete er mit Kollegen die Online-Zeitschrift eLife, die frei zugänglich ist und mit Schekman als Herausgeber eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt hat. eLife hat kürzlich seinen tausendsten Artikel veröffentlicht: "Das sind in den Lebenswissenschaften mehr Studien als in Science, Nature oder Cell, den bisherigen Branchenführern."

eLife sei auch beim Begutachten der Texte viel schneller: Von der Einreichung über die Kritik die Verbesserungen bis zum Veröffentlichen dauert es vier Monate, das ist besser als bei den anderen Mitbewerbern.

Das liege vor allem am Prozess der Begutachtung, die – anders als bei Nature oder Science – ausschließlich von aktiven Forschern erledigt wird. "Das vereinfacht die Sache und minimiert die Verschwendung von Zeit und Geld."

Vor allem aber will Schekman damit den Wissenschaftern die Entscheidungsgewalt darüber zurückgeben, welche Artikel publiziert werden und welche nicht: "Ich habe im Prinzip nichts gegen kommerzielle Zeitschriften, aber es hat einen Vorteil, nicht davon beeinflusst zu sein, Zeitschriften verkaufen zu müssen. Wir jagen ja nicht nach Zitierungen. Bei kommerziellen Journalen ist das hingegen oft das entscheidende Kriterium hinsichtlich der entscheidenden Frage, was sie publizieren und was nicht." (tasch, 12.12.2015)

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