Wie antike Könige das Ansehen ihrer Frauen und Mütter nutzten

31. Dezember 2015, 12:57
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Die Abbildung weiblicher Personen auf antiken Münzen sollte dabei helfen, die Herrschaft männlicher Herrscher abzusichern

Münster – Antike Herrscher der hellenistischen Welt nutzten Ansehen und Aussehen ihrer Gattinnen und Mütter, um für sich selbst zu werben. Das zeigen numismatische Erforschungen von Münzen des 3. bis 1. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. "Als im 3. Jahrhundert vor Christus erstmals auch historische Frauen auf Münzen erschienen, inszenierten Könige sie als Garantin für das Wohl und den Fortbestand ihrer Dynastie", sagt die Archäologin Katharina Martin vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster.

Münzbilder von Königinnen dienten zunächst im ptolemäischen Ägypten und im Seleukidenreich dazu, die Herrschaft des Königs zu legitimieren und zu festigen. "Politische Macht hatten diese Frauen nicht, aber Ansehen und Einfluss, und damit sorgten sie für Stabilität und Kontinuität der Dynastie", so Martin. Im klassischen Griechenland spielten Frauen in der Öffentlichkeit hingegen kaum eine Rolle. "Öffentliche Sichtbarkeit auf Münzen erlangten einige erst im 3. Jahrhundert vor Christus. Das war ein bedeutender Schritt, denn Münzen fanden sich schon damals in fast jedem Geldbeutel und wurden zum zentralen Kommunikationsmittel – zum ältesten Massenmedium der Menschheit."

Gesellschaftlicher Einfluss

Bei weiblichen Personen auf Geldstücken handelte es sich stets um Frauen aus einflussreichen Kreisen der Königshäuser. Ein frühes Beispiel dafür ist Arsinoë II. (etwa 316-270 v. u. Z.), die Tochter des Dynastiegründers Ptolemaios I. in Ägypten. "Aus politischem Kalkül wurde sie wiederholt verheiratet, je nach politischer Interessenlage in verschiedene andere Dynastien; schließlich heiratete sie in Alexandria ihren eigenen Bruder. Hier wurde die außergewöhnlich prominente Frau zur ersten bedeutenden Frau im ptolemäischen Ägypten mit großem gesellschaftlichem Einfluss", sagt Martin.

Manche Herrscher bildeten ihre Gattinnen oder Mütter auf wertvollen Sonderprägungen aus Gold oder Silber ab, die sich gezielt an die politischen Eliten am Königshof richteten. Andere Dynastien nutzten hingegen bewusst Bronzegeld, das weiter verbreitet war und in alle Schichten der Gesellschaft getragen wurde. Zuweilen zeigen die Münzen auch Göttinnen, deren Ähnlichkeit mit historischen Königinnen nicht zufällig ist: Solche Angleichungen finden sich besonders bei Bronzegeld.

Parallelen zu heutigen Münzen

"Auf einer Münze aus dem 1. Jahrhundert vor Christus etwa erinnert der Kopf der behelmten Göttin Athena mit ihrem langen Zopf an die Herausgeberin, die indo-griechische Königin Agathokleia. Kleopatra Thea steht als Schicksalsgöttin an der Seite ihres Gatten, des Seleukidenkönigs Alexander Balas: Auf diese Weise umgaben sich Könige mit einer göttlichen Aura und werteten sich selbst auf."

Für ihre Studie untersuchte die Archäologin zahlreiche hellenistische Münzen aus dem Zeitraum zwischen dem 3. und 1. Jahrhundert vor vor unserer Zeitrechnung. Dabei fand sie zwischen antiken und heutigen Münzen mit Monarchen-Porträts große Ähnlichkeiten: "Zum Thronwechsel in den Niederlanden erschien 2013 eine Zwei-Euro-Gedenkmünze mit den Köpfen der abdankenden Königin Beatrix und ihres Sohnes und Nachfolgers Willem Alexander. Während in dem Jahr der neue König noch hinter seiner Mutter stand, erschien er auf der Sonderserie des folgenden Jahres 2014 dann im Vordergrund. Diese Inszenierung eines ‚königlichen Paares‘ als repräsentative Einheit nutzten erstmals die Ptolemäer in Ägypten und später andere hellenistische Dynastien." (red, 31.12.2015)

  • Vorderseite einer silbernen Tetradrachme mit Kleopatra Thea und ihrem Sohn Antiochos VIII.
    foto: robert dylka

    Vorderseite einer silbernen Tetradrachme mit Kleopatra Thea und ihrem Sohn Antiochos VIII.

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