Rechnungshof: Vernichtendes Urteil für Medizinische Fakultät Linz

9. Dezember 2015, 12:13
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Zusätzliche Ausbildungsstellen für Ärzte sind nicht sinnvoll, wenn rund 40 Prozent der Absolventen nicht in Österreich als Mediziner arbeiten

Für Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) hat sich die Sinnfrage nie gestellt: Mit der neuen Medizinischen Fakultät in Linz sollte Oberösterreich dem drohenden Ärztemangel entgegenwirken. Der Rechnungshof hat die Umsetzung nun unter die Lupe genommen, das Urteil fällt vernichtend aus.

Der Bund habe eine Ärztebedarfsstudie in Auftrag gegeben, die strukturelle Empfehlungen für die nachhaltige Sicherung des österreichischen Gesundheitswesens enthält. Von der Errichtung einer neuen Fakultät sei dabei nicht die Rede gewesen, so der Rechnungshof. Denn das Problem sei nicht die Anzahl der ausgebildeten Ärzte, sondern dass rund 40 Prozent der Absolventen eines Jahrgangs für die ärztliche Versorgung in Österreich nicht zur Verfügung stehen. Hier sollen alle Med-Unis und die Ärztekammer Maßnahmen ergreifen, um mehr Absolventen im Land zu halten.

Nicht zu wenige Ärzte, zu wenige Pfleger

Bis 2027 soll die Linzer Med-Fakultät 630 Millionen Euro kosten, 187 Millionen Euro stellt das Land Oberösterreich. Seit dem Wintersemester können Studierende in Linz Medizin belegen, 58 Prozent von ihnen stammen aus Oberösterreich. Mehr als die Hälfte der von Oberösterreich getätigten Investitionen kommen damit auch Oberösterreichern zugute. Das Studium in Linz muss allerdings in Kooperation mit der Med-Uni Graz erfolgen, diese Einschränkung ist für den Rechnungshof nicht nachvollziehbar.

Bei der Ärztebedarfsstudie sei ein Missverhältnis zwischen Ärzten und Krankenpflegern festgestellt worden: Im Gegensatz zur Situation bei den Ärzten gebe es tatsächlich zu wenig Pflegepersonal in Österreich. Daher sei es nicht sinnvoll, die Zahl der Ärzte weiter zu erhöhen, ohne die Zahl der Krankenpfleger auszubauen.

Kritik an Realisierung

Die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten für Mediziner ist damit laut Rechnungshof nur teilweise "inlandswirksam" und als strukturelle Maßnahme im Gesundheitssystem nur wenig effizient. Selbst wenn die Zahl der Ausbildungsplätze ausgebaut werden sollte, wäre das auch an den vorhandenen Standorten (Wien, Graz, Innsbruck) möglich gewesen, so der RH.

Auch bei der Umsetzung findet der Rechnungshof zahlreiche Mängel. Das Land Oberösterreich sollte die bauliche Infrastruktur zur Verfügung stellen und eine Krankenanstalt für die Zusammenarbeit errichten, doch das Infrastrukturkonzept war laut Rechnungshof nicht eindeutig definiert. Der Bund sollte die Errichtung der Fakultät ermöglichen und den laufenden Betrieb finanzieren. Das Risiko einer Kostenüberschreitung konnte aber nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt fällt der Befund eindeutig aus: Es sollen keine neuen medizinischen Ausbildungseinrichtungen in Österreich finanziert werden. (mte, 9.12.2015)

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