Engerl Antonín, Bengerl Michel

8. Dezember 2015, 18:39
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Europameister und Rapid-Legende Antonín Panenka zählt zum Prominentenquartett, das am Samstag in Paris bei der Auslosung für die EM-Endrunde 2016 in die Töpfe greift. Der eigentliche Gastgeber fehlt. Michel Platini ist im Palais des congrès unerwünscht

Paris/Wien – Sie hätte seine große Bühne, gleichsam ein Vorgeschmack auf eine Krönungsmesse Ende Februar werden sollen. Die Auslosung der EM 2016, an deren Format mit 24 Mannschaften er maßgeblichen Anteil hatte, wäre für Michel Platini eine perfekte Werbeplattform für die Wahl zum Präsidenten des Weltfußballverbandes (Fifa) gewesen.

Allein, das einstige Idol der Franzosen, das die Équipe Tricolore 1984 bei der zweiten Heim-EM zum Triumph geführt hatte, ist am Samstag ausgesperrt. Erst gestern berief der 60-Jährige in Lausanne vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) gegen seine 90-tägige Sperre durch die Fifa-Ethikkommission. Die Angerufenen wollen bis Freitag entscheiden, ob es rechtens war, den Lothringer wegen einer dubiosen 1,8-Millionen-Euro-Zahlung von Fifa-Boss Joseph S. Blatter von sämtlichen Aktivitäten im Weltfußball auszuschließen.

Vier Europameister

Für Samstag käme ein Spruch im Sinne Platinis, dem seitens der Fifa sogar eine lebenslange Sperre droht, jedenfalls zu spät. Die Arrangements sind getroffen. Gianni Infantino, der Generalsekretär des europäischen Verbandes (Uefa), der seinen Präsidenten Platini im Fall des Falles auch als europäischer Kandidat bei der Fifa-Wahl vertreten wird, waltet seines Amtes als Zeremonienmeister im Kongresspalast. Der 45-jährige Schweizer teilt sich die Last mit den ehemaligen Europameistern Bixente Lizarazu (2000) aus Frankreich und Ruud Gullit (1988) aus den Niederlanden, die als Präsentatoren einer nach den Pariser Terroranschlägen extrem überwachten Veranstaltung vorgesehen sind.

Die Auslosung nehmen vier weitere Europameister vor: Oliver Bierhoff, 1996 Triumphator mit Deutschland, David Trezeguet, der mit Frankreich das Doppel aus WM (1998) und EM (2000) schaffte, Angelos Charisteas, einer der Protagonisten des griechischen Wunders 2004, und Antonín Panenka, der nicht nur die Tschechoslowakei 1976 im Endspiel von Belgrad gegen Deutschland vom Elferpunkt aus beglückte.

Geburtstag und Meetings

Panenka, der Jahrhundert-Rapidler, der im Spätherbst seiner Karriere, zwischen 1980 und 1985, für die Hütteldorfer brilliert und in 172 Pflichtspielen 77 Tore erzielt hatte, feierte am vergangenen Mittwoch seinen 67. Geburtstag. Schon während der EM 2012 in Polen und der Ukraine war er in aller Munde gewesen, weil Italiens Andrea Pirlo im Elferschießen des Viertelfinales gegen England seinen Versuch à la Panenka, per Heber, verwertet hatte.

Vor den Feinheiten des Spiels kommt allerdings die knochentrockene Administration einer EM, weshalb der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) acht Mann hoch nach Paris reist. Im Vorfeld der Auslosung stehen diverse Meetings an. Es geht etwa um die den Verbänden zustehenden Ticketkontingente, die strengen werbliche Auflagen sowie die neu überarbeiteten Sicherheitsrichtlinien für die Endrunde.

In Sachen EM-Quartiere haben die Teilnehmer noch bis Ende Jänner Zeit, sich zu entscheiden. Die Uefa hat 68 sogenannte Basishotels vorgeschlagen, Drei- bis Fünf-Sterne-Hütten, maximal 20 Fahrminuten von einem Trainingsplatz und maximal 60 Kilometer von einem Flughafen entfernt. Die meisten Qualifizierten sind bereits untergekommen, und sei es auch anderswo, wie Deutschland in Evian. Österreich steht in Endverhandlungen. Es soll in Richtung Marseille gehen, sicher ist, dass kein Mitglied des Trosses um Teamchef Marcel Koller im Freien nächtigen wird müssen. (lü, 8.12.2015))

  • 20. Juni 1976: Deutschlands Goalie Sepp Maier ist quasi der Gelackmeierte, Antonín Panenka jubelt über seinen Elferschabernack. Am Samstag gibt der 67-jährige Prager in Paris ganz seriös ein Glücksengerl.
    foto: dpa / db karl schnörrer

    20. Juni 1976: Deutschlands Goalie Sepp Maier ist quasi der Gelackmeierte, Antonín Panenka jubelt über seinen Elferschabernack. Am Samstag gibt der 67-jährige Prager in Paris ganz seriös ein Glücksengerl.

  • Am Samstag wird es für fast alle ernst.
    foto: reuters/balibouse

    Am Samstag wird es für fast alle ernst.

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