Sozialdemokraten hoffen, Bludenz zurückzugewinnen

8. Dezember 2015, 16:13
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Stichwahl für Bürgermeisteramt muss nach Höchstgerichtserkenntnis wiederholt werden

Bregenz – Erstmals nach 20 Jahren könnte die SPÖ am 20. Dezember Bludenz, ehemals rote Bastion, zurückerobern. Die Stadt mit rund 14.000 Einwohnern im Süden Vorarlbergs war ab 1970 ein Vierteljahrhundert in ihrer Hand. Doch 1995 verlor sie überraschend das Bürgermeisteramt an die ÖVP, die seither mit Othmar Kraft und ab 2005 mit Josef "Mandi" Katzenmayer das Stadtoberhaupt stellt.

Der Süden Vorarlbergs war für die SPÖ zumeist ein weniger raues Pflaster als der Rest des Landes, hier schaffte sie rote Farbtupfer in einer ansonsten schwarzen Politlandschaft. Derzeit werden nur zwei der 96 Bürgermeister der SPÖ zugerechnet, nämlich in St. Gallenkirch und in Bürs (beide Bezirk Bludenz). In der Stadt Bludenz gab es bereits 1895 eine sozialdemokratische Ortsgruppe. Argwöhnisch beäugt von liberalen und konservativen Politikern fand sie ihre Anhänger vor allem unter den Eisenbahnern. Seither gilt Bludenz als westlicher Vorposten der SPÖ.

Vierteljahrhundert Bürgermeister

1945 wurde mit Eduard Dietrich zunächst ein ÖVP-Mann zum Bürgermeister bestellt, für ein Vierteljahrhundert lang blieb er Stadtoberhaupt. 1970 aber brach in Bludenz die Zeit der 25-jährigen SPÖ-Dominanz an. Hermann Stecher, Sohn eines Eisenbahners und seit 1969 Landesrat für Soziales und Gesundheit, legte sein Amt zurück, um Bludenzer Bürgermeister zu werden, was er bis zu seinem Tod 1983 blieb. Diese Zeit ist der SPÖ als ihre "Hochzeit" in Erinnerung, stellte sie mit Langzeitbürgermeister Fritz Mayer (1970 bis 1988) und später Norbert Neururer (bis 1990) doch auch den Stadtchef der Landeshauptstadt Bregenz.

In Stechers Fußstapfen in Bludenz trat Parteikollege Heinz Wiedemann, der bei der Wahl 1985 52,4 Prozent für die SPÖ gewann. Die ÖVP musste sich mit 36,9 Prozent begnügen. 1990 erreichten die Genossen aber nur mehr 47,2 Prozent, die ÖVP holte auf 39,9 Prozent auf. Die Volkspartei hätte damit unter Zustimmung von FPÖ und "Bludenz grünt" den Bürgermeister stellen können, nach wochenlangem Tauziehen fiel die Entscheidung dann doch für Wiedemann. Als die Bludenzer SPÖ bei den Gemeindewahlen 1995 überraschend deutlich um zehn Prozentpunkte abstürzte (36,9 Prozent), nahm Wiedemann seinen Hut. Die rote Bastion war damit verloren. Zum neuen Bürgermeister wurde ÖVP-Mann Othmar Kraft.

Seither bemühte sich die SPÖ vergeblich, die Stadt zurückzugewinnen. 2000 – das erste Jahr in Vorarlberg mit Bürgermeisterdirektwahl – wurde Kraft im Amt bestätigt, wenn auch nach einer Stichwahl gegen SPÖ-Herausforderer Gunnar Witting. Die ÖVP lag nach einer Wahlwiederholung – Gemeindebedienstete hatten Stimmzettel auf eigene Faust neu ausgezählt und dabei das Ergebnis "korrigiert" – bei 40 Prozent und musste mit der FPÖ regieren. Auch die SPÖ verlor neuerlich und kam auf 33,6 Prozent.

SPÖ kann ÖVP nicht überholen

2005 schaffte Josef "Mandi" Katzenmayer – nachdem Kraft nicht mehr angetreten war – auf Anhieb 49,1 Prozent für die ÖVP. Der SPÖ gelang es mit 33,4 Prozent erneut nicht, die ÖVP-Vorherrschaft zu brechen. In der Direktwahl kam Katzenmayer sogar auf über 60 Prozent Zustimmung, fünf Jahre darauf betrug sie noch immer stolze 57,2 Prozent. Auf die SPÖ-Bürgermeisterkandidaten Gunnar Witting bzw. Arthur Tagwerker entfielen jeweils nur ein Viertel der Stimmen. Mit 51,9 Prozent für die ÖVP blieb die Alpenstadt auch 2010 tiefschwarz, die SPÖ sank auf 27 Prozent ab.

Ein ganz anderes Bild ergab sich 2015: Die Bludenzer Volkspartei stürzte um rund zehn Prozentpunkte ab und landete bei 40,1 Prozent, die SPÖ dagegen verbuchte rund zehn Prozentpunkte Zugewinn auf 37,8 Prozent. In der Bürgermeisterdirektwahl kam es zu einer Stichwahl gegen SPÖ-Herausforderer Mario Leiter, die Katzenmayer mit nur 27 Stimmen Überhang äußerst knapp für sich entschied. Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahlkartenausgabe muss die Stichwahl laut einem VfGH-Urteil nun wiederholt werden.

Reinhold Einwallner, Landesgeschäftsführer der SPÖ, rechnet sich für den 20. Dezember jedenfalls "sehr, sehr gute Chancen" aus, schließlich schätzten die Menschen es gar nicht, wenn Wahlen manipuliert würden. Wie die vorherigen Wahlgänge zeigten, zähle jede Stimme. Der Rückgewinn von Bludenz wäre für die Vorarlberger SPÖ jedenfalls ein "absolutes Highlight". (APA, 8.12.2015)

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