Andreas Lust im Auge der Kopftüchelmafia: Neuer Landkrimi zum Mitdiskutieren

Umfrage10. Dezember 2015, 15:18
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Am Donnerstag zeigte der ORF "Kreuz des Südens". derStandard.at-Check und Umfrage: Was halten Sie vom Morden in Österreichs Osten?

Zweite Runde der "Landkrimis": In einem burgenländischen Dorf wird der Feuerwehrhauptmann ermordet. Der Kommissar stößt auf dunkle Geheimnisse in der Geschichte des Ortes und des Landes, aber auch in seiner eigenen Vergangenheit – und auf tiefsitzenden Hass auf Roma.

Der Fall: Mit einem harten Schlag auf den Hinterkopf endet das bisherige Leben des Wiener Polizisten Tommi (Andreas Lust). Schwer gezeichnet verlässt er das Krankenhaus und versucht mit tapsigen Schritten die Rückkehr ins Leben. Doch die verläuft anders als geplant: In den Beruf kann er nicht mehr zurück. Er fährt ins hinterste Burgenland, an den Ort seiner Kindheit. Der Mord am Feuerwehrhauptmann entfacht eine Menschenhatz von gewaltbereiten Rassisten auf eine Roma-Gemeinde.

Die Fakten: "Kreuz des Südens" ist eine Koproduktion von ORF und Lotus-Film GmbH, gefördert durch Filmfonds Wien mit 70.000 Euro und den Fernsehfonds Austria mit 498.000 Euro – rund 30 Prozent der Gesamtherstellungskosten. Gedreht wurde in Siget, Schachendorf, Schandorf, Großpetersdorf, Rotenturm an der Pinka und Drumling im Burgenland sowie Wien. Regie führte Barbara Eder, das Drehbuch stammt von Ivo Schneider und Barbara Eder. In Hauptrollen spielen Franziska Weisz, Maria Urban, Lukas Resetarits, Michael Fuith, Barbara Horvath.

Die Ermittler: Andreas Lust spielt den gebrochenen Kommissar, der mit Panikattacken, zitternden Knien und dem Mut der Verzweiflung zum Ergebnis kommt.

Die üblichen Verdächtigen: Verschlossene Dorfbewohner, üble Rassisten, feindselige Mauschelei, dazu ein siebensüßiger Bürgermeister, eine attraktive Greißlerin und die – zugegeben eher unverdächtige, aber doch stets präsente – KTM, sogenannte Kopftüchelmafia.

Authentizität: Hoch.

Beste Szene: Ganz am Anfang, als Lust und sein Freund im Dorf zwei ältere Damen nach dem Weg zur alten Schule fragen und wortreich, allerdings durch den Dialekt völlig unverständliche Antworten erhalten: "Da fons deangi und üwa die Gschriams und auf da iangan Seitn is die Kira", und so weiter. In puncto Spannung sammelt der Krimi auch mit dem Tarantino-haften Schluss Pluspunkte. Das Lokalkolorit ist unschlagbar.

Spannungsfaktor: Ist gegeben

Stärken: Das Spiel mit den Laien ist Barbara Eders Steckenpferd, das setzt sie auch hier gekonnt ein, und dass burgenländische Geschichte referiert wird, ohne den Holzhammer zu bemühen.

Schwächen: Generally etwas overacted.

Note: 1 – ein Hoch auf die KTM! (Doris Priesching, 10.12.2015)

  • Erwin Reichel nimmt Tina Posch als Zielscheibe. Getroffen wird allerdings ein anderer.
    foto: orf

    Erwin Reichel nimmt Tina Posch als Zielscheibe. Getroffen wird allerdings ein anderer.

  • Andreas Lust und die Kopftüchelmafia.
    foto: orf

    Andreas Lust und die Kopftüchelmafia.

  • Tommis Nachbarin Maria Urban.
    foto: orf

    Tommis Nachbarin Maria Urban.

  • Am Ende wird es noch einmal ganz eng für Tommi.
    foto: orf

    Am Ende wird es noch einmal ganz eng für Tommi.

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