Burgenlandkrimi von Barbara Eder: "Wenn etwas passiert, wird gemauschelt"

9. Dezember 2015, 10:00
8 Postings

In "Kreuz des Südens" ermittelt Andreas Lust am Donnerstag im ORF mit Laiendarstellern im kriminellen Burgenland. Die "Copstories"-Regisseurin im Interview

STANDARD: Jeder gute Krimi hat einen Subtext. Der Ihre wäre?

Eder: Es ist nicht alles, wie es scheint. Gewisse Dinge soll man nicht ausgraben, besser sie bleiben verdeckt. Gut, wenn Gras über eine Sache wächst. Generell geht es stark um Identität: Wer bin ich, was sind meine Wurzeln? Die Identität macht die Geschichte aus. Ich fand es schön, wie sich der Drehbuchautor Ivo Schneider damit auseinandersetzt.

STANDARD: Sie spielen gern mit Laien. Da sind jetzt wieder welche dabei?

Eder: Es ist ja nicht so einfach. Diese Farbe und das ganz eigene, das kriegt man meiner Meinung nach nur, wenn man ein bissl mischt. Deshalb haben wir tatsächlich ein Casting gemacht, und versucht, was nur geht, mit Typen und Laien zu besetzen.

STANDARD: Zwei Damen vom Land fallen da besonders auf. Die gehörten dazu?

Eder: Die Kopftüchelmafia, ja! Die beiden kenne ich schon seit Jahren. Ich wollte einmal die sterbende Sprache im Burgenland in einem Kunstprojekt verewigen und fuhr quer durchs Land, um Wörter aufzunehmen. Damals begegnete ich diesen zwei Damen und verstand kein Wort, was sie sagten. Das ist natürlich auch eine Hetz beim Drehen.

STANDARD: Was können Sie uns über Ihre burgenländischen Wurzeln erzählen?

Eder: Meine Mutter ist Burgenländerin, ich bin Grenzkind. Wenn ich am Fluss spielen war, war ich im Burgenland. Deshalb war es auch schön, in den Krimi etwas reinzubringen, das ich mit dem Burgenland verbinde.

STANDARD: Wie würden Sie den typischen Burgenländer beschreiben?

Eder: Wenn du einen Burgeländer einladen willst auf ein Glas Wein, sagt er zehnmal Nein – und wartet auf das elfte Mal. Er ist aber dann auch beleidigt, wenn du das elfte Mal nicht gefragt hast. Ansonsten ist er eher bescheiden. Beim Dreh, wurden wir überschwänglich mit Uhudler, Nusskipferl, Schwammerl eingedeckt. Man hat fast das Gefühl, als signalisierten die Bewohner, dass jeder, der hierher kommt, bleiben und nicht wieder fortgehen möge.

STANDARD: Von der Figurenzeichnung scheint es bei den ORF-Landkrimis ein bestimmtes Muster zu geben: Gebrochener Ermittler, die pfiffige Hiesige, quirlige Alte, skurrile Typen – ist das eine Vorgabe oder sind das die Standardtypen?

Eder: Der gebrochene Ermittler ist ein guter Weg, um schnell in die Geschichte hineinzukommen. In Wien kann man mit einem Mord gut umgehen, am Land ist das eine Sensation. Deshalb bringt man die überforderten Polizeibeamten oder die Toughe, die sich wünscht, dass sie einen richtigen Fall hat – das spielt mit. Was ich schön finde am Land: Wenn etwas passiert, dann wird gemauschelt.

STANDARD: Eine Voraussetzung ist Dialekt zu sprechen. Wie haben sich die Schauspieler damit getan?

Eder: Das war schwierig. Der burgenländische Dialekt ist nicht so prägnant. Dann gibt es so viele Sprachinseln. Wir hatten einen eigenen Hianzen-Coach, und die Schauspieler mussten diesen altburgenländischen Dialekt lernen. Sie haben trainiert bis zum Gehtnichtmehr, und wir haben sie abgeprüft. Das war sicher für sie nicht ganz leicht. Wir mussten manchmal Wörter ändern, die sie nicht aussprechen konnten.

STANDARD: Welche Krimis gefallen Ihnen?

Eder: Ich stehe auf Lokalkolorit, ich mochte die Polt-Reihe und bin froh, dass es diese Landkrimis gibt, weil es einmal Ecken und Kanten haben darf. Es gibt genug Krimis nach Schema F. Ich mag gern überrascht werden. Ansonsten mag ich Thriller.

STANDARD: Wie steht es um die Zukunft der "Copstories" und andere Projekte?

Eder: Es soll 2016 einen 90-Minüter geben. Ich finde das schön, denn wir kämpfen oft mit den 45 Minuten. Mit acht Hauptfiguren ist es oft schwer in die Geschichte hineinzugehen. Dann ist ein österreichischer Tatort geplant, und ich schreibe ein Buch.

STANDARD: 300 Millionen Euro investiert der ORF in den Film. Wie bewerten Sie das? Wird das reichen?

Eder: Wenn es eingehalten wird, bewerte ich das sehr positiv. Jede Budgetaufstockung ist verdammt wichtig für uns Filmemacher und auch im Sinne der Menschen, die ORF schauen. Nicht nur Krimis übrigens. Auch andere Eigenproduktionen, David Schalkos "Altes Geld" zum Beispiel...

STANDARD: Für den es im Moment gerade nicht so läuft...

Eder: Das macht nichts. Es gibt unterschiedliche Zielgruppen, und es gibt kleine Nischen, die müssen auch bedient werden. "Altes Geld" ist keine typische Serie, aber es darf nicht immer nur derselbe Brei gespielt werden. Insofern finde ich es ganz wichtig und die Quoten völlig wurscht. (Doris Priesching, 9.12.2015)

Barbara Eder durchleuchtete in "Inside America" die amerikanische Psyche. Sie begleitete Harald Serafin auf hoher See. Die "Copstories" dreht sie seit 2013, die vierte Staffel startet 2016.

  • Andreas Lust spielt den gepeinigten Polizisten Tommy, der Auszeit im Burgenland sucht und alles andere, nur nicht das, findet.
    foto: orf / petro domenigg filmstills.at kg

    Andreas Lust spielt den gepeinigten Polizisten Tommy, der Auszeit im Burgenland sucht und alles andere, nur nicht das, findet.

  • Barbara Eder führt beim burgenländischen "Landkrimi" Regie.
    foto: privat

    Barbara Eder führt beim burgenländischen "Landkrimi" Regie.

Share if you care.