Krise vermeiden: Christkind, kosmetisch betrachtet

Kolumne8. Dezember 2015, 12:00
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Enttäuschung unterm Weihnachtsbaum – die größten Fehler beim Schenken von Beautysachen, und wie sie sich vermeiden lassen

Schenken ist Fluch und Kunst zugleich. Einmal im Jahr geht es darum, sich zu überlegen, was den zu Beschenkenden freuen könnte. Da muss man ein Jahr lang gut zugehört haben, sich den einen oder anderen Gedanken gemacht haben, dann eine Wahl treffen. Kosmetik, Parfums und Schminksachen rangieren in der Geschenkebeliebtheitsskala alle Jahre wieder ganz oben, die Herausforderung ist das Richtige zu finden.

Der Supergau wäre wie folgt: Die Beschenkte fragt sich: "Warum in aller Welt hat der mir gerade das geschenkt?" Und der Schenkende denkt sich: "Da hätte ich gleich das Geld zum Fenster rausschmeißen können." Beides ist total unbefriedigend und der Grund für schlechte Stimmung am Heiligen Abend. Zur Vermeidung ein ganz kurzer Leitfaden mit Fokus auf Cremen, Schminke und Co. (Achtung: Ab jetzt geht es um Produkte: Alle, die das nicht lesen wollen, sollen genau hier aufhören.)

Natur oder nicht

Wer Kosmetik schenken will, sollte grundsätzlich wissen, ob der oder die zu Beschenkende auf Naturkosmetik steht. Wenn ja, gibt es in Wien und im Internet gezielt Anlaufstellen (Staudigl, Kussmund, Natural Cosmetics, Stattgarten), in denen sich das preismäßig überaus breite Spektrum organischer Kosmetik auftut. Naturkosmetik gibt es längst in sämtlichen Preislagen, sie riecht anders und ist optisch zurückhaltender verpackt. Deshalb macht man jemandem, der seit Jahren Produkte aus Parfümerien (Douglas, Marionnaud, Nägele & Strubell) verwendet, wahrscheinlich wenig Gefallen mit Ökocremen. Menschen sind Gewohnheitstiere, eine ganz alte Weisheit.

Nächste Entscheidung: Die Produktkategorie: Wer mit seinem Geschenk in kein Fettnäpfchen treten will, wählt unspektakulär Neutrales wie Handcremen, Ölbäder, Seifen oder Körperprodukte. Das sind sozusagen Verbrauchsprodukte, die jeder irgendwie brauchen kann.

Die entscheidende Frage ist, ob man Anti-Aging-Produkte schenken darf. Das könnte als: "Was, du findest ich bin alt", missinterpretiert werden.Besonders kritisch ist das, wenn sich Paare auf diese Weise unausgesprochene Messages übermitteln. Die einzig richtige Antwort: "Eine Anti-Aging-Creme muss, wenn zwischen Partnern verschenkt, richtig teuer sein." Weil dann das Ganze in: "Was, so viel bin ich dir wert? Ich hätte mir das nie geleistet" umschwenkt. Insofern liegen Männer also mit Produkten von La Mer, Chanel, Dior, Estée Lauder, Sisely oder La Prairie ziemlich sicher richtig. Vor allem sollte man sie vor dem Kauf ausprobieren: Wer miteinander im Bett schläft, muss sich auch riechen können. Das gilt auch umgekehrt.

Objekte der Begierde

Eine PR-Frau von Chanel musste sich unlängst von ihrem achtjährigen Sohn anhören, dass sie langweilig sei. "Wie langweilig ist denn das, immer nur Chanel, Chanel, Chanel", sagt er ihr nölend. Die Mama konnte kontern: "War aber noch immer ein Erfolg", das müsse der Junge eben erst lernen, lachte sie.

Wer die Faltenproblematik vermeiden will, hat Schminke als Alternative. Aufmerksames Beobachten genügt meist, um festzustellen, was beliebt ist und verwendet wird. Wimperntusche aber ist zum Beispiel ziemlich unverfänglich, man sollte sie ohnehin alle sechs Wochen wechseln.

Auch Lidschatten kann wunderbar sein, vor allem, wenn er so schön verpackt ist wie bei Guerlain oder Bobbi Brown. Letztere haben – so wie Giorgio Armani – dieses Weihnachten beeindruckende Schminkpinsel als Weihnachtssets. Gute Idee: Die leisten sich Nicht-Profis ungerne selbst.

Lack haben

Oder Nagellack: Chanel hat die besten Farben, Dior eine beeindruckende Haltbarkeit. Yves Saint Laurent dafür den besten Pinsel und das Preis-Leistungsverhältnis ist bei Essie vollkommen unschlagbar. Da gehen sich dann unter Umständen sogar zwei Fläschchen aus.

Oder man entscheidet sich für die aktuelle Mode: Schminktechnisch im Trend liegen Lidschatten mit Metallicglanz, matte Lippenstifte und Augenbrauensets. Aber eigentlich ist es egal: Von Lidschatten und Lippenstiften kann man ohnehin nie genug haben – einen Lidschatten aufbrauchen, schaffen die wenigsten. Darüber ist man sich auch bei der punkigen Schminkmarke Urban Decay klar. Dort sind die Lidschattenpaletten so groß, wie früher die Malkästen in der Schule. "Es sind Sammlerstücke", berichtet eine Verkäuferin auf die Frage, wer so viel Lidschatten braucht.

Zum Schluss eine Warnung: Make-Up zu schenken ist hochriskant. Das selbe gilt für Parfüms, da sollte man im Vorfeld Vorlieben eruieren, denn sonst kann man viel falsch machen. Im schlechtesten Fall werden Cremen & Co umgetauscht, im besten Fall brennt sich der Schenkende durch seine gute Wahl für immer ins Gedächtnis ein – und darum geht's doch beim Schenken, oder? (Karin Pollack, 7.12.2015)

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