Polizei wirft Angreifer in Londoner U-Bahn versuchten Mord vor

7. Dezember 2015, 05:44
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29-Jähriger soll am Montag vor Gericht erscheinen – Drei Menschen verletzt

London – Nach einer Messerattacke in einer Londoner U-Bahn-Station hat die britische Polizei dem 29-jährigen Angreifer versuchten Mord vorgeworfen. Der Mann soll am Montag vor Gericht erscheinen. Er hatte am Samstag in der Station Leytonstone im Osten der Hauptstadt auf mehrere Menschen eingestochen. Die Polizei geht von einem "terroristischen" Hintergrund aus. Der Vorfall ereignete sich zwei Tage nach den ersten britischen Luftangriffen auf die Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien.

Nach Polizeiangaben erlitt ein Mann bei dem Angriff am Samstagabend schwere, aber keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Die beiden anderen Opfer seien leicht verletzt worden. Während der Attacke setzten einige Passanten ihren Weg fort, andere rannten davon, wie Videoaufnahmen zeigten.

"Das ist für Syrien"

Der Sender Sky News berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, der Angreifer habe offenbar gerufen: "Das hier ist für Syrien." Die Polizei konnte das nicht bestätigen. Auch auf den Amateuraufnahmen von dem Vorfall sind die Worte nicht zu hören. Gleichwohl geht die Polizei von einem terroristischen Hintergrund aus. "Wir behandeln das als terroristischen Vorfall", erklärte der Chef der Antiterrorpolizei, Richard Walton. Er rief die Bevölkerung auf, "ruhig zu bleiben, aber wachsam zu sein".

Der Verkehr auf einem großen Abschnitt der U-Bahn-Linie Central, an der die Station Leytonstone liegt, wurde zwischenzeitlich unterbrochen. Der für die Spurensicherung abgeriegelte U-Bahn-Hof wurde am Sonntag wieder geöffnet.

Grünes Licht für Luftangriffe auf den IS

Das Parlament hatte Mitte der Woche grünes Licht für eine Beteiligung Großbritanniens an den Luftangriffen auf den IS in Syrien gegeben. Bereits am Donnerstagmorgen flog die Luftwaffe erste Angriffe. Premier David Cameron hatte bereits seit längerem Luftangriffe angestrebt, aber keine Mehrheit dafür gefunden. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November, bei denen islamistische Attentäter 130 Menschen töteten, änderte sich die Stimmung. In Großbritannien gilt seit August 2014 die zweithöchste von fünf Terrorwarnstufen. Das bedeutet, dass ein Anschlag als wahrscheinlich gilt.

Vor der Messerattacke hatte Verteidigungsminister Michael Fallon gesagt, die Angriffe auf den IS würden "die Straßen Großbritanniens sicherer" machen. Sie würden diejenigen treffen, die Anschläge "auf unser Volk und unsere Verbündeten vorbereiten". Fallon äußerte sich am Samstag vor britischen Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Akrotiri in Zypern, von wo aus die britischen Kampfjets Richtung Syrien starten.

Syriens Machthaber Bashar al-Assad verurteilte in einem Interview den britischen Militäreinsatz in seinem Land. Die Luftangriffe seien "schädlich und illegal" und würden den Terrorismus sogar noch befördern, sagte Assad der britischen Zeitung "The Sunday Times". Ohne eine "umfassende" Strategie würden die Angriffe "wieder scheitern", sagte Assad. Ein Sieg über den IS sei nur in "Zusammenarbeit mit den Truppen vor Ort" und mit der Unterstützung von Regierung und Öffentlichkeit in Syrien möglich. (APA, 6.12.2015)

  • Die Londoner U-Bahn-Station Leytonstone wurde nach der Bluttat abgesperrt.
    foto: reuters/neil hall

    Die Londoner U-Bahn-Station Leytonstone wurde nach der Bluttat abgesperrt.

  • Am Sonntag steht ein britischer Polizist Wache.
    foto: epa/will oliver

    Am Sonntag steht ein britischer Polizist Wache.

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