Islamische Kindergärten: Studie sieht diverse Problemfelder

5. Dezember 2015, 18:16
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Muslimische Kindergärten sind stark religiös geprägt, so ein Zwischenergebnis. Kurz will mehr Kontrollen

Wien – Eine vom Integrationsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung zu islamischen Kindergärten und -gruppen in Wien zeigt ein eher ernüchterndes Bild. Bei den Trägern werden teils extremistische Gruppen als Hintermänner vermutet, die Erziehung ist stark religiös geprägt und erfolgt nicht immer auf Deutsch. Interreligiöser Dialog findet de facto nicht statt.

Erstellt wurde das Papier vom Institut für islamische Studien der Universtität Wien unter der Leitung von Ednan Aslan. Dieser betont in den – der APA vorliegenden – Zwischenergebnissen der Untersuchung, dass man eigentlich nur von einer Vor-Studie sprechen könne. Um tatsächlich Rückschlüsse für Verbesserungen in den über 150 islamischen Kindergärten und 450 Kindergruppen ziehen zu können, würde es eine auf drei Jahre ausgelegte Studie benötigen.

Konservative Familien

Dennoch präsentiert der Experte aus den Untersuchungen des letzten halben Jahres bereits erste Tendenzen. Unter anderem wurden die Motive angesehen, wieso Eltern ihre Kinder in die religiösen Einrichtungen geben. Wenig überraschend handelt es sich um überwiegend "sehr konservative" Familien, die sich für die islamischen Einrichtungen entscheiden. Sie erhoffen sich durch die Erzieherinnen "islamische Vorbilder". Weiteres Motiv ist der Schutz der Kinder vor "dem moralischen Einfluss der Mehrheitsgesellschaft".

Kritisch im Bereich der Pädagoginnen wird angemerkt, dass unterschiedliche Kenntnisse der deutschen Sprache vorlägen. Zudem ist in keiner einzigen der untersuchten Kindereinrichtungen ein Mann engagiert. In einer Ausschreibung werden Frauen mit Kopftuch zur Bewerbung motiviert und ihre Vorbildrolle hervorgehoben.

Unterschiedlicher Umgang mit Sprache

Zwar vermerkt die Vorstudie, dass es durchaus Bemühungen gebe, ein "normaler" Kindergarten zu sein, allerdings wird neben dem offiziellen Angebot in fast allen untersuchten Einrichtungen mit einem gesonderten in der Regel in der Muttersprache verfassten Curriculum gearbeitet, das von einem in den Koranschulen kaum zu unterscheiden sei. Unterschiedlich ist der Gebrauch der deutschen Sprache. Teilweise ist die Muttersprache gar nicht erlaubt, aber teilweise fast ausschließlich in Verwendung. Dies kommt wohl auch daher, dass die meisten Gruppen aus homogenen ethnischen und nationalen Gruppen bestehen.

Besonders kritisch wird der Bereich der religiösen Erziehung betrachtet, wo traditionelle Bilder dominierten. Kinder würden mit einem veralteten Sündenverständnis eingeschüchtert. Selbstständiges Denken und Handeln sei verpönt. Wird die Erwartungshaltung der Eltern in religiöser Sicht nicht erfüllt, werden die Kinder abgemeldet.

Kurz will Untersuchung der Trägervereine

Schwer durchschaubar ist laut den Studienautoren, wer genau hinter den Betreibern der Einrichtungen steckt. Bei einzelnen könnte es aber Verbindungen zur radikalen Organisationen geben.

Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) fordert nun, vor der Vergabe der Lizenzen für die Kindergärten eine besondere Untersuchung der Trägervereine vorzunehmen. Die Studienautoren raten hier der Stadt, auf externe Unterstützung zurückzugreifen. Zudem plädiert Kurz für eine Erhebung der Anzahl islamischer Kindergärten mittels Register sowie für verstärkte unangekündigte Kontrollen. Schließlich verlangt er eine bessere Ausbildung der Pädagoginnen.

Nötig sei es, die Politik des Wegschauens zu beenden, hin zu mehr Ehrlichkeit: "Weg von einer Laissez-faire-Politik hin zu einem klaren Abverlangen unsrer Werte und Bekenntnis zu unserer Lebensweise", sagt der Minister in einer schriftlichen Stellungnahme. (APA, 5.12.2015)

  • Das Institut für islamische Studien untersucht derzeit 140 muslimische Kindergärten.
    foto: reuters/pfaffenbach

    Das Institut für islamische Studien untersucht derzeit 140 muslimische Kindergärten.

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