ÖVP drängt auf gemischte AMS-Kurse für Flüchtlinge

5. Dezember 2015, 12:24
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Die Trennung von Männern und Frauen bei den Kompetenzchecks des AMS sei falsch, sagt Abgeordneter Rädler

Wien – Die ÖVP bleibt dabei, dass AMS-Kurse nicht geschlechter-getrennt durchgeführt werden sollten. "Regelkurse, die für alle gelten, muss man auch gemeinsam absolvieren", erklärte der Nationalratsabgeordnete Johann Rädler in einer Aussendung. Hier dürfe es keine Trennung mehr nur für arabisch und farsi-sprechende Teilnehmer geben.

Integrationsminister Sebastian Kurz hatte vergangenen Woche kritisiert, dass das Arbeitsmarktservice Kompetenzchecks für Flüchtlinge, die arabisch oder farsi sprechen, nach Geschlechtern getrennt durchführt. Das AMS hat die Vorgangsweise verteidigt und damit argumentiert, dass Frauen und Männer aus diesen Herkunftsländern sehr unterschiedlich qualifiziert seien und zudem aus Syrien und Afghanistan wesentlich mehr Männer als Frauen zuwandern. Man wolle die Frauen gezielt fördern.

"Werte leben"

ÖVP-Abgeordneter Rädler sagt dazu: "Unser aller Ziel muss sein, die österreichischen Werte ab der ersten Minute zu vermitteln und auch einzufordern." Dass Integrationsminister Kurz die Geschlechtertrennung kritisiert habe, sei "vollkommen richtig". "Wir wollen, dass sich Menschen rasch integrieren und unsere österreichischen Werte leben. Getrennte Kurse sind definitiv der falsche Ansatz", sagt Rädler. Er spreche sich zudem wie Kurz für Sanktionen aus, wenn Flüchtlinge sich weigern, an den Kursen teilzunehmen.

Die Gleichstellung von Frau und Mann gehöre zu diesen Grundwerten. Geschlechter-getrennte Kurse seien hier kontraproduktiv.

Auch Kritik an Kurz

Kritik an Kurz übt nun Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt. Wie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und der Österreichische Frauenring hält Logar spezifische Kurse zur Förderung weiblicher Flüchtlinge für sinnvoll.

Logar zeigte sich über Aussagen von Minister Kurz "bestürzt". Sie verwies im Gespräch mit der APA auf internationale Bestimmungen wie etwa die Istanbul-Konvention, die spezifische Maßnahmen zur Frauenförderung vorsehen. "Wir wissen, dass sich Frauen, auch österreichische, leichter tun, wenn sie Schulungs- und Lernräume haben, wo sie mit Frauen sprechen können und ihr Selbstbewusstsein stärken", so die Leiterin der Interventionsstelle. Sie hofft, dass Kurz seine Kritik revidiert. (APA, red, 5.12.2015)

  • Johann Rädler unterstützt Parteikollegen Sebastian Kurz.
    foto: apa/fohringer

    Johann Rädler unterstützt Parteikollegen Sebastian Kurz.

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