Türkei verlegt 150 Soldaten in den Nordirak: Bagdad protestiert

5. Dezember 2015, 18:14
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Armee will kurdische Peschmerga-Kämpfer unterstützen – Irak befürchtet "regionale Spannungen"

Istanbul – Der irakische Präsident Fouad Massoum hat die Türkei zum Abzug ihrer Truppen aufgerufen, die im Zuge des Kampfes gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Sicherheitskreisen zufolge in der Nähe der Stadt Mossul stationiert wurden. Die Verlegung der türkischen Soldaten sei ein Verstoß gegen das Völkerrecht und werde zu regionalen Spannungen führen, erklärte Massoum am Samstag.

Das Außenministerium seines Landes rief er auf, alle notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung der Souveränität und Unabhängigkeit des Iraks zu ergreifen.

"Nachbarschaftliche Beziehungen respektieren"

Auch die Regierung in Bagdad forderte Ankara auf, seine Truppen aus dem Nordirak abzuziehen. "Die irakische Regierung ruft die Türkei auf, die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu respektieren und sich sofort aus dem irakischen Territorium zurückzuziehen", erklärte ein Regierungssprecher am Samstag in Bagdad.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Türkei rund 150 Soldaten in die Nähe der vom Islamischen Staat (IS) besetzten Stadt Mossul im Nordirak verlegt hat. Es handle sich um eine Truppenrotation im Rahmen der Ausbildungsmission der türkischen Armee für kurdische Peschmerga-Kämpfer, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Die 150 Soldaten seien begleitet von 20 bis 25 Panzern über den Landweg in der Region um Bashika nördlich von Mossul angekommen. Der IS brachte die Millionenstadt Mossul 2014 unter ihre Kontrolle.

Peschmerga-Kämpfer ausbilden

Türkische Soldaten sind seit zweieinhalb Jahren in der autonomen Kurdenregion im Nordirak stationiert, um die dortigen Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen die Jihadistenmiliz auszubilden.

Die Türkei, die lange unter dem Verdacht stand, radikale Rebellengruppen im Kampf gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu unterstützen, hat sich unter dem Druck ihrer Verbündeten im Juli der internationalen Anti-IS-Koalition angeschlossen.

Irak fordert sofortigen Abzug

Die Mitgliedsstaaten der gegen die Islamisten-Miliz IS kämpfenden Koalition seien über den Schritt informiert, hieß es am Freitagabend in den türkischen Sicherheitskreisen. Die Entsendung der türkischen Soldaten sei Teil von routinemäßigen Ausbildungsübungen, hieß es in den türkischen Kreisen weiter.

In US-Regierungskreisen hieß es, die Truppenbewegung erfolge nicht im Rahmen der US-geführten Anti-IS-Koalition. Der IS hält große Teile des Irak und Syriens besetzt und hat dort ein Kalifat ausgerufen. Zahlreiche Länder versuchen, mit Luftangriffen den IS zurückzudrängen.

Entführung im Jahr 2014

Im Juni 2014 hatten IS-Extremisten Mitarbeiter des türkischen Konsulats in Mossul entführt, darunter 46 Türken. Drei Monate später wurden die Geiseln freigelassen. Medienberichten zufolge entließ Ankara im Gegenzug Jihadisten aus der Haft.

Bei einer Friedenskundgebung in der Hauptstadt Ankara kam es am 10. Oktober zu einem Anschlag, zu dem sich der IS bekannte. 102 Menschen wurden getötet und etwa 500 weitere verletzt. Es handelte sich um den folgenschwersten Anschlag in der Geschichte der Türkei. (APA, 5.12.2015)

  • Ein Archivbild von Kämpfern der Peschmerga in der Nähe der Stadt Mossul
    foto: reuters/stringer

    Ein Archivbild von Kämpfern der Peschmerga in der Nähe der Stadt Mossul

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