Österreich in Ermittlungen zu Paris-Anschlägen involviert

4. Dezember 2015, 20:16
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Versuch, Weg durch Österreich zu rekonstruieren – Ministerium: Kein Hinweis auf Straftat zum damaligen Zeitpunkt – "Routinemäßige Kontrolle" auf Raststation in Oberösterreich

Wien – In die Ermittlungen zu den beiden neuen Verdächtigen nach den Terroranschlägen in Paris ist auch die österreichische Polizei involviert. Die beiden waren mit dem mutmaßlichen Organisator der Anschläge, Salah Abdeslam, im September in Österreich unterwegs. "Man versucht, den konkreten Weg zu rekonstruieren", sagte der Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck am Freitag.

Kontrolle bei Raststation

Das Auto, in dem sich die drei Männer befanden, sei am 9. September auf der Raststation Aistersheim (Bezirk Grieskirchen) kontrolliert worden, erläuterte Grundböck. Es habe sich um eine "routinemäßige Kontrolle" gehandelt, da es zum damaligen Zeitpunkt "keinen Hinweis auf irgendeine Straftat in Österreich" gegeben habe. Zu Abdeslam befand sich ein Eintrag der belgischen Polizei im Schengener Informationssystem (SIS), wonach dessen Aufenthalt festzustellen sei. Die Feststellung des Aufenthalts sei "in Echtzeit" in das Informationssystem eingetragen worden.

Fahndung nach Mitfahrern

Die französischen und belgischen Ermittler hatten zuvor mitgeteilt, dass sie nun auch nach den beiden Mitfahrern Abdeslams fahnden. Sie seien gefährlich und möglicherweise bewaffnet. Demnach hatten sie auch gefälschte belgische Personalausweise benutzt. Grundböck sagte, dass die österreichische Polizei bei der Kontrolle nicht feststellen konnte, ob es sich bei den Ausweisen um Fälschungen gehandelt habe.

Es wird vermutet, dass Abdeslam die beiden unter den am Budapester Bahnhof wartenden Flüchtlingen angeworben hat. Aus ungarischen Regierungskreisen verlautete am Donnerstag, dass Abdeslam nach Budapest gekommen war, um unter Migranten ein "Team" zusammenzustellen. Wegen der schlechten humanitären Lage, in der sich die Flüchtlinge in Ungarn befanden, hatten Österreich und Deutschland im September ihre Grenzen geöffnet. Personenkontrollen konnten wegen des Massenandrangs nur noch stichprobenweise durchgeführt werden.

Kontakte nach Großbritannien

Wie das "Wall Street Journal" berichtete, hatte der mutmaßliche Drahtzieher der Anschlagsserie von Paris, Abdelhamid A. auch Kontakte nach Großbritannien. "Mindestens eine Person, die mit den Anschlägen in Verbindung stand", sei vor den Attacken nach Großbritannien gereist, heißt es. (APA, 4.12.2015)

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