Wahl des ORF-Generals: Weihnachtsmann Wrabetz

Kommentar4. Dezember 2015, 17:41
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Wenn man möchte, kann man glauben, dass ORF-Wahlen keine politischen Entscheidungen sind

Man kann sich den ORF als großen Adventkalender vorstellen. Tag für Tag öffnet sich ein Türchen, dahinter wartet ein Geschenk. Beim letzten, großen Türchen sollte man dann selbst etwas schenken.

"Man" sind nicht die Gebührenzahler. Die wählen (neben ihrem Programm) politische Repräsentanten in Bund und Ländern, die suchen ihre Vertreter im ORF aus, und die bestellen alle fünf Jahre den Chef von Österreichs größtem Medienkonzern, größer als die drei größten Verlage, dank 600 Millionen Euro aus Rundfunkgebühren.

"Man" sind 35 ORF-Stiftungsräte. Wenn man möchte, kann man ihrem Vorsitzenden glauben, dass ORF-Wahlen keine politischen Entscheidungen sind. Er ist Vorstand der Casinos, an seiner Tür steht vor dem Professor Abgeordneter zum Nationalrat außer Dienst (der SPÖ). Just als er das sagte, orakelte ein anderes kanzlernahes Blatt über einen SPÖ-"Überraschungskandidaten" – vielleicht nur, um mit der Drohung das Entgegenkommen von ORF-Chef Alexander Wrabetz für seine Wiederwahl zu fördern.

Ein schwarzer Ressortleiter hier, kein Infodirektor dort (aber vielleicht ein Chefredakteur in der Generalintendanz), Personalkompetenz für den bürgerlichen Finanzdirektor, für Wiens Stimme doch ein Landesstudio in der Stadt, für Betriebsräte mehr ORF im Funkhaus, für die FPÖ womöglich ein Radio- und Onlinedirektor. Noch 237 Tage bis zur ORF-Wahl. Noch 237 Türchen bis zur Bescherung. (Harald Fidler, 4.12.2015)

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