Krampus: Ein Tierschützer mit hässlichem Gesicht

Kopf des Tages5. Dezember 2015, 08:00
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Einen Tag vor dem Nikolaus kommt der Krampus. Der eigentlich eh ein guter ist

Wer glaubt, dass es die katholische Kirche ist, die drohende Figuren braucht, um die kleinen Gläubigen in Schach zu halten, irrt. Denn der Krampus hat mit dem heiligen Nikolaus rein gar nichts zu tun. Und ist daher, wie man bei der Jungschar betont, "nicht relevant".

Kein Wunder, denn die Figur mit der hässlichen Fratze hat es schon gegeben, ehe Jesus aus Nazareth durch Galiläa wanderte, und erst recht, bevor Nikolaus von Myra tätig gewesen ist.

Der Krampus, dessen Name sich vom mittelhochdeutschen Krampen ableitet, was heutzutage Kralle bedeutet, ist spätestens eine keltische Erfindung. Der Brauch stammt wohl aus dem Westalpenbereich, sagt Christoph Rieser. Der ist Obmann des Vereins Ruatn Pass und Gründer des 2010 eröffneten Krampusmuseums in Kitzbühel. Ausgebreitet hat sich der Brauch im Laufe der Zeit in alle Kronländern der Habsburger.

Rutenschlag als Glücksbringer

"Der Krampus hatte eine mystische Funktion mit seiner Rute", erklärt er. Allerdings nicht so, wie das Schlaginstrument von testosterongeschwängerten jungen Männern bei Perchtenläufen eingesetzt wird. "Der Schlag mit der Rute war ursprünglich eine Berührung der Hauswand", sagt Rieser. Denn die Rute sollte zum Winteranfang den Bauern Glück bringen und dafür sorgen, dass ihr Vieh heil durch die kalte Jahreszeit kommt. Auch am Ankunftsdatum erkennt man, dass der Gehörnte nichts mit dem Bartträger zu tun hat: Der Krampustag ist der 5., der Nikolotag der 6. Dezember.

Obwohl die Agrarökonomen heute eher auf Antibiotika zur Bewahrung ihres Animalkapitals vertrauen, hat sich die Gestalt des Krampus an sich nicht verändert. Idealerweise besteht sein Gesicht aus Holz – für das Schnitzen der Larven gibt es Spezialisten, die Hörner stammen von Tieren. Gewandet ist der Krampus jahreszeitgemäß in Fell – archetypisch in dem von Ziegen oder Schafen, wobei es auch gerne schwarz gefärbt wird. Zwecks akustischer Umweltverschmutzung gehören auch eine Glocke oder Schellen zur Grundausstattung.

Mittlerweile ist der alte Brauch auch transatlantisch en vogue. Erst erklärte Christoph Waltz in einer US-Talkshow dem staunenden Moderator Jimmy Fallon das Wesen. Und seit dem 3. Dezember läuft der US-Horrorfilm Krampus von Regisseur Michael Dougherty. Der hat Waltz entweder nicht zugehört oder ihn nicht verstanden: In dem Werk geht es nämlich eigentlich um Weihnachten. (Michael Möseneder, 5.12.2015)

  • Spätestens seit den Kelten geht der Gehörnte um.
    foto: reuters/dominic ebenbichler

    Spätestens seit den Kelten geht der Gehörnte um.

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