Pariser Impressionen, gefiltert

5. Dezember 2015, 11:00
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Für die "Kronen Zeitung" war der Terror in Paris der willkommene, nur wenig an den Haaren herbeigezogene Anlass, wieder einmal an einen wirklich großen Pariser zu erinnern, nämlich ihren verblichenen Herausgeber

Vielfältig waren die Bereicherungen, die uns auch diese Woche aus den Medien zuteil wurden. Zum Beispiel: Was ist der Unterschied zwischen Wolfgang Fellner und Mark Zuckerberg? "Österreich" hielt damit nicht hinterm Berg, sondern klärte Mittwoch auf Seite 1 auf: Zuckerberg verschenkt Vermögen – WIR schenken Ihnen Helene. Aber die ganze Großzügigkeit des Herausgebers wurde erst in den Details sichtbar. Facebook-Gründer will 99 % spenden – Österreich verlost drei Deluxe-Boxen von Fischers Hofburg-Konzert. Erst bei der termingerechten Darstellung und mild blasphemischen Verbreitung der Zuckerbergs als hochheiliges Paar samt feministisch korrektem Kindlein musste Fellner passen. Das konnte nicht einmal die Vignette gratis, allerdings nur bei Abnahme eines Super-Abos von "Österreich", ausgleichen.

Für die "Kronen Zeitung" war der Terror in Paris der willkommene, nur wenig an den Haaren herbeigezogene Anlass, wieder einmal an einen wirklich großen Pariser zu erinnern, nämlich ihren verblichenen Herausgeber. Zeit war ’s. Die Vitalität dieser Stadt hat schon Hans Dichand fasziniert und in seinem Buch "Auch das ist Paris" beschrieben. In dieser Liebeserklärung vermittelte der "Krone"-Gründer sein Bild von Frankreichs Hauptstadt mit Beobachtungen und historischen Vergleichen, und man merkt – Claus Pándi hat daraus eine Auswahl getroffen.

Es ist nämlich so: Der "Krone"-Gründer, dem ein fast untrügliches Gespür für kommende Entwicklungen nachgesagt wurde – was nicht verhinderte, dass er sich in der Beschwörung kommender Entwicklungen gelegentlich leicht vertan hat –, verpackte auch eine Botschaft in seinen Pariser Reflexionen, die heute gelesen wie eine prophetische Mahnung klingt. Die mahnende Prophezeiung entpuppte sich rasch als eine der Banalitäten, die der "Krone"-Gründer mit Hinweis auf sein fast untrügliches Gespür für kommende Entwicklungen so gern von sich gab: Ist die neue, große Möglichkeit für den Kontinent, durch enge Zusammenarbeit einen dauerhaften Frieden zu erreichen, nicht genug Vision, Sehnsucht und Zeichen?"

Wer weiß das schon? Aber für die Intellektualität französischer Politiker äußerte Dichand, an sich stets ein aufmerksamer Skeptiker des politischen Betriebs, Bewunderung. Deren Freude über diese Bewunderung des "Krone"-Gründers hätte sich möglicherweise etwas gelegt, hätten sie sein Blatt gelesen und daraus von seiner Bewunderung für die Intellektualität etwa eines Jörg Haider oder Arnold Schwarzenegger erfahren.

Dichands Zuneigung galt aber besonders Paris als Gesamtkunstwerk ... als buntes Kaleidoskop, als "Geisterbahn des Lasters" und als Inbegriff der Pracht berühmter Restaurants und der Haute Couture. Aber unkritisch war diese Zuneigung nicht. Ganz Journalist, sagt er es den Parisern auch ordentlich hinein. "Bei den Modeschauen gerieten die Macher immer weiter auf Abwege, indem sie untragbare Kleidung vorführten, und das tun sie bis heute. Was hat es eigentlich für einen Sinn, gewaltige Schleppen zu schaffen oder monströse Hüte, mit denen man in kein Auto kommt." Nicht genug damit. Hans Dichand, dem Protz ein Gräuel war, schrieb über den damaligen "Kaviar-Look" des berühmten Pariser Modehauses Chanel als "soziale Instinktlosigkeit gegenüber dem Zeitgeist und sozialem Empfinden, das sich allerdings nur am Rande unseres Lebens abspielt". Merde aber auch!

Dem Totenkult der "Krone" setzte "News" die Würdigung eines Lebenden entgegen, der mit dem "Krone"-Gründer eine intellektuelle Leidenschaft teilt: Rupprechter ist auch Fan von Arnold Schwarzenegger und interessiert sich für Wein. Vor kurzem traf der Landwirtschaftsminister in Los Angeles Arnold Schwarzenegger – 212 Likes auf Twitter. Er hat aber auch andere intellektuelle Interessen. "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich einmal gemeinsam mit Putin und Karl Schranz Ski fahren gehen könnte." Ein Meer von Likes schlüge über ihm zusammen, und dafür ist man schließlich Minister.

Neu war an der Story nichts, aber zweifach der Grund für ihr Erscheinen. Der "guy from the mountains", wie er sich bei internationalen Kollegen gern vorstellt, weilt bei der Klimakonferenz in Paris, und immer wieder machen Gerüchte über eine baldige Ablöse die Runde. Da wollte man ihn noch rasch mit Huhn nach Eiablage fotografieren. Geht sich auch das Skifahren mit Putin und Schranz nicht mehr aus: Er betet täglich und trägt stets einen Rosenkranz bei sich. Alles geritzt. (Günter Traxler, 4.12.2015)

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