Obacht, hier kommt das Insekt des Jahres 2016

3. Jänner 2016, 09:00
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Der Dunkelbraune Kugelspringer gehört zu den Springschwänzen und ist ganze vier Millimeter groß

Berlin – Der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon) ist entthront, mit dem Jahreswechsel steht ein neues Insekt des Jahres an. Die Wahl des dafür zuständigen Kuratoriums vom Senckenberg-Deutschen Entomologischen Institut und der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft ist heuer auf den Dunkelbraunen Kugelspringer (Allacma fusca) gefallen, wie das Julius Kühn-Institut berichtet.

Die Springschwänze

Mit vier Millimetern Größe ist er ein Winzling, zählt aber zu den größeren Vertretern seiner Gruppe, der Springschwänze (Collembola). Die meisten werden Springschwänze von zu Hause kennen: Sie halten sich gerne unter Blumentöpfen auf, wo sie wie Flöhe wegspringen, wenn sie ihrer Deckung beraubt werden.

Sie kommen im Boden in ungeheuer großen Mengen vor – bis zu 200.000 pro Quadratmeter, wenn die Lebensbedingungen optimal sind. Springschwänze tragen wesentlich mit zur Bodenfruchtbarkeit und zur Humusbildung bei, da sie sich von zerfallenden pflanzlichen und tierischen Stoffen ernähren.

Streng genommen sind Springschwänze gar keine Insekten, sondern eine mit diesen eng verwandte, eigene Klasse sechsbeiniger Gliederfüßer. Sie haben keine Flügel und vollziehen nicht wie die eigentlichen Insekten nur wenige Häutungen, sondern wachsen ihr ganzes Leben und streifen die Haut dabei vielfach ab. Weltweit sind bislang etwa 8.000 verschiedene Arten an Springschwänzen bestimmt worden, in Mitteleuropa 524, davon 87 Kugelspringerarten.

Scheinwerferlicht auf den Jahresregenten

Der Dunkelbraune Kugelspringer ernährt sich von Algen, die er von Rinden lebender Bäume abgrast und auch von Baumstümpfen, auf denen man die häufig vorkommenden Tiere bei Regen und hoher Luftfeuchtigkeit sehen kann. Der harte Chitinpanzer ist immer von einem dünnen Flüssigkeitsfilm bedeckt. Wenn der Kugelspringer gestört wird, schnellt er eine Gabel am Körperende nach hinten und katapultiert sich damit nach vorne. Im Ruhezustand ist die Gabel, auch Furca genannt, unter den Körper geklappt.

Männchen und Weibchen sind kaum voneinander zu unterscheiden. Ihr Liebesleben hat ihren Höhepunkt in einer Balz, wo sich die beiden betasten und umeinander drehen. Zuvor hat schon das Männchen einen oder mehrere Tropfen Sperma auf selbst gesponnenen Haaren abgesetzt. Das Weibchen streift mit ihrer Geschlechtsöffnung darüber und nimmt die Spermien auf. Bald darauf erfolgt die Eiablage – auch überwintert wird meistens als Ei. (red, 3. 1. 2015)

  • Was sich unter Blumentöpfen so alles verbergen kann ...
    foto: andreas stark, ampyx-verlag

    Was sich unter Blumentöpfen so alles verbergen kann ...

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    foto: andreas stark
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