Marlene Streeruwitz: Die Stunde der Wahrheit des Geldes

Essay6. Dezember 2015, 08:00
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Weil im TV eine Person immer nur eine Wahrheit auf den Bildschirm bringen kann, ist die mediale Selbstermächtigung der Millionäre und Milliardäre so überzeugend. Über Riesenbaustellen in Politik und Leben

Gestern. In der 38. Straße zwischen 6th und 5th Avenue. Gestern waren es fünf ausgebrannte Kerzen vor dem in seiner Zellophanhülle längst vertrockneten Blumenstrauß. Heute morgen brannte eine neue Kerze. Auf dem Behälter das Bild der Madonna. Das Kerzenlicht ließ das himmelblaue Kleid und die rotgoldene Mandorla der Madonna noch in der Morgensonne leuchten. Friedhofskerzen stehen da. Die ausgebrannten Behälter verstaubt. Es gibt keinen Namen. Keinen Hinweis auf die hier betrauerte Person. Und nur weil der Blumenstrauß gegen die Stütze eines Baugerüsts gelehnt dasteht. Und nur weil in den New Yorker Lokalnachrichten die Sicherheit auf den vielen Großbaustellen diskutiert wurde, kann darauf geschlossen werden, dass dieses kleine Memorial dem Bauarbeiter gilt, der in den Aufzugschacht abstürzte. Einen Namen gibt es nicht, weil Wanderarbeiter nicht dokumentiert sind.

Auf der Homepage des New Yorker Bauamts wird den illegalen Bauarbeitern geraten, Missstände und Gefahrenquellen auf den vielen Riesenbaustellen bei diesem Amt anzuzeigen. Die Deportation sei ohnehin unvermeidlich, wird da mitgeteilt, und deshalb sollten die illegal Beschäftigten lieber an ihre Sicherheit denken und ihr Leben vor ihr Einkommen stellen. Das klingt pragmatisch fürsorglich. In der Wirklichkeit ist das Einkommen das Leben, und es gibt das eine gar nicht, das vor das andere gestellt werden könnte.

Der Preis einer Person

Die Riesenbaustellen in New York. Ein Highrise nach dem anderen wird hochgezogen. Ganze Straßenzüge von typischen Mietshäusern vom Beginn des 20. Jahrhunderts werden dafür geschleift. Der Immobilienmarkt ist längst wieder dort, wo er vor der Subprime-Crisis war. Die meisten Apartments stehen leer. Die Besitzer warten auf noch bessere Preise. Der Bauarbeiter, der in den Aufzugschacht zu Tode stürzte, war in das Räderwerk dieser Spekulation geraten. Nur. Während die Spekulanten ihr Geld riskieren, hatte er nur seinen Körper als Einsatz anzubieten.

Der republikanische Bewerber um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten Donald Trump würde sagen, dass der Mann dieses Schicksal gewählt habe. Dass dieser südamerikanische Wanderarbeiter also selber schuld an seinem Schicksal sei. Das kann er sagen, weil er mit einer solchen Aussage das Lebensrecht der Einwanderer weiter entwertet und damit den Ängsten der absteigenden Mittelschicht ein Ventil verschafft.

Wie es überhaupt darum geht, die demokratischen Grundrechte der Person auf erwählte Personenkreise zu beschränken und einander in dieser Beschränkung zu bestärken. Der Schutz der Grundrechte steht dann nur mehr diesen Erwählten zu. In einer Verkürzung des geschichtlichen Blicks wird der Wert der Person als Hippiedummheit verlacht. Der Preis der Person bleibt so minimierbar.

Das mit den Hippies ist dann aber zumindest illustrativ. Während der Mindestlohn im Jahr 1968 bei zehn Dollar lag, werden heute 7,25 Dollar in der Stunde bezahlt. Die Entwertung des Werts der Person ist seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Nordamerika Gegenstand des Kampfs der politischen Parteien. Heute. Der Schutz der Grundrechte ist nicht gesichert. Und war das rassistischerweise nie.

Menschen machen zwar ernste Gesichter, wenn sie in irgendeinem Fernsehkanal auftreten und davon sprechen, dass man keine syrischen Flüchtlinge aufnehmen könne, weil die innere Sicherheit des Homelands das verlange und man kein Paris in den USA haben wolle. Als hätte es kein 9/11 gegeben und keinen Boston-Marathon, wird die Sicherheitsdebatte in einer immer neuen Drehung bei jedem neuen Ereignis zum zentralen Argument für die Zurückweisung dieses Schutzes der Grundrechte eingesetzt. Donald Trump trägt diese Argumente grinsend vor und macht sich gleichzeitig in nachahmerischen Gesten über behinderte Personen lustig. Die Menge johlt und schwenkt amerikanische Fähnchen dazu.

So wird das Prinzip der Geschwisterlichkeit aus der politischen Kultur entfernt. Demokratie war geschwisterlich gedacht. Verantwortung füreinander sollte das Prinzip sein. Die Übernahme von Pflichten und die gerechte Verteilung der Rechte waren vorgesehen. Das bedeutete je neues Verhandeln der Aufteilung der Rechte und der Übernahme von Pflichten. Denn. Die Grundrechte der Person achtend kann es keine endgültige Regelung dieser Verteilung geben. Es muss stets neu verhandelt werden. Keiner und keine soll über den anderen stehen. Und. Um das leben zu können, müssen alle daran Beteiligten sich ihrer Grundrechte bewusst sein. Alle müssen den Wert der Person an den Grundrechten messen und daraus auf ihren eigenen Wert und den der anderen schließen. Der Wert muss bewusst sein.

Auf dem Weg von der 38. Straße 10th Avenue hinunter. Es ist Sonntag. Die Bauarbeiter des erst halbverglasten Wolkenkratzers auf der anderen Straßenseite zwischen 30. und 29. Straße sitzen in einer langen Reihe an den Hauswänden. Die Bauarbeiter sitzen in der Sonne. Sie haben die Beine lang ausgestreckt auf dem Gehsteig liegen. Sie essen Hotdogs. Sie schauen vor sich hin. Die Gesichter staubig und grau. Alle sind jung. Unter 30. Die Müdigkeit ist an den abgesunkenen Schultern und den zurückgelehnten Köpfen abzulesen und daran, wie nur ein Arm das Essen zum Mund führt.

Nun ja. Donald Trump würde das vorführen. Er würde die Schultern fallen lassen und die Erschöpfung nachspielen und damit jede Frage nach der Arbeitssituation der Verhöhnung preisgegeben haben, bevor diese Frage noch gestellt ist. Das ist ein Kunstmittel der Comedy. Man macht sich so lange über alles lustig, bis man im Besitz des Lachens des Publikums ist. Das heißt, bis man eine Marke ist. Von da an ist man im Besitz der Deutungshoheit. Ob Donald Trump oder Stermann und Grissemann. Es gibt keine gleichberechtigte Verhandlungsmöglichkeit mehr. Das Grundrecht der Person auf Würde ist im Lachen der anderen aufgelöst.

Das ist dann ziemlich unwiederbringlich. Denn. Es bleibt der Entscheidung der Lachensbestimmer überlassen, wer wie ernst genommen wird. Die Lachenden sind nur noch Gefolgschaft. Im Fall von Donald Trump geht es genau darum. Die demokratische Verhandlung soll durch Führung ersetzt werden. Der Kapitalist will aber nicht ins Patriarchat zurückkehren. Vater zu sein. Das hieße ja auch wieder nur die Übernahme von Verantwortung. Der Postkapitalist Trump will die Welt ja nur für den Geldfluss in seine Tasche zurichten. Denn. In der Logik unserer verwirtschaftlichten Welt der fragmentierten Dienstleistungswirtschaft gibt es als mögliches Ziel einer Politik ohnehin nur die Weiterfüllung der Taschen des einen Prozents der Allesbesitzenden. Es ist darin dann wieder logisch, dass einer aus diesem Besitzstand heraus die Rhetorik der Schmähung der Anderen so authentisch liefern und sich so in den Besitz des Lachens der Mitschmähenden setzen kann.

Es wird mitgelächelt

Weil im TV eine Person immer nur eine einzige Wahrheit auf den Bildschirm bringen kann, deshalb ist die mediale Selbstermächtigung der Millionäre und Milliardäre so überzeugend. Sie sind ja wirklich reich und haben es – wie auch immer – "geschafft". Das ist TV-Glaubwürdigkeit und hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Es ist die Stunde der Wahrheit des Gelds. Deshalb kommen rechte Politiker und Politikerinnen aus der Elite des einen Prozents. Sie können die Botschaft der Richtigkeit der ungerechten Verteilung des Besitzes am besten projizieren. Die Millionäre und Millionärinnen in der Politik fast aller westlichen Staaten treten an, weil das Medium TV ihnen erlaubt, ihre Glaubwürdigkeit mit ihrem Besitz zu beweisen.

Es geht längst nicht mehr um die Verteilung der Ressourcen. Damit ist man durch. Dafür hat das Krisenmanagement nach 2008 der einzelnen Staaten gesorgt. Für den Kapitalisten geht es nur noch darum, die anderen 99 Prozent in Unsicherheit zu wiegen und damit zur Disposition zu haben. Es geht um die Abwertung der Person, um führen zu können und von der Verhandlung endgültig zur Entscheidung übergehen zu können.

Die Entwertung demokratischen Verhandelns in der Gesellschaft erfolgt über die Entwertung von Minderheiten. Wenn der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei in Oberösterreich die Diskussion über die Teilnahme von Frauen an der Landesregierung peinlich findet und von der Moralkeule spricht, dann macht er nichts anderes als das, was Donald Trump in den USA macht. Wir kennen das in der charmanteren Form von Jörg Haider: Das Alte wird verlacht, weil längst ein Neues gefeiert wird. Die reaktionäre Revolution gegen die Demokratie wird im Verlachen versteckt. Haider hat die Verweigerung der demokratischen Grundrechte noch lächelnd erledigt. Strache wiederum lächelte darüber und grinst seinerseits höhnisch, wenn er im Wahlkampf seine Holperreime in die Menge schreit.

An den Universitäten in den USA ist eine neue Diskussion über politische Korrektheit begonnen worden. An vielen Universitäten verlangen Studenten und Studentinnen den Abbau von Monumenten für rassistische Politiker und die Weiterführung struktureller Reformen für die Gleichstellung von Minderheiten. Es geht um die Lebensrealität von Black Americans, Frauen und neuerdings der Asian Americans. Eine solche Gleichstellung wäre die konsequente Implementierung der Grundrechte all dieser Personen. Ein Prozess der Demokratisierung wäre das.

Die Infragestellung von Monumenten im öffentlichen Raum ist eine Notwendigkeit demokratischen Lebens. (Erinnern wir uns daran, dass das Lueger-Denkmal weiter ohne Infragestellung vor sich hinprangen kann.) Nun geht diese neue Emanzipationsbewegung auch dem Mittelstand zu weit. In privaten Diskussionen sagen linksorientierte Akademiker, dass das nun doch zu weit ginge. Auf die Bemerkung, dass das doch nur die konsequente Weiterführung des akademischen Denkens in postkolonialen und queeren Entwürfen sei, schauen diese Personen in ihre Drinks und nicken. Aber sooo weit müsse man nicht gehen.

So wird eine Generation mehr von denen alleingelassen, die sie bis dahin "brachten". Priesterisch ist das. Es geht wohl wieder um Privilege. Es geht wohl wieder um die Angst einer Elite, etwas verlieren zu können. Und schwups. Es wird über Donald Trump gelächelt. Mitgelächelt. Herablassend. Aber. Das ist lächelndes Tolerieren. Die reaktionäre Comedy-Revolution wird so mitgetragen, damit es auf der anderen Seite nicht zu weit geht. Mit der Demokratisierung.

So können Arbeitsrechte im Comedyfaschismus im lachenden oder lächelnden Zustimmen endgültig abgebaut werden. Die erschöpften Bauarbeiter auf der 10th Avenue sind dann das Ergebnis solchen Lachens. Ohne einen Wert der Person sind sie bis an ihre Grenzen ausbeutbare Körper. Sonst nichts. Zwar ist die Verfassung der USA Stoff in der High School. Aber diese Verfassung wird hinweggelacht oder sogar dramatisch beschworen. Dann aber für den Schutz der Eliten. Und die Menge. Sie schwenkt kleine Stars-and-Stripes-Fähnchen dazu.

Reaktionäre Comedyrevolution

Die vollkommene Übernahme unserer Information durch den Bildschirm hat der Diskriminierung des Gegners neue Möglichkeiten eröffnet. Das grinsende Kräuseln von Lippen reicht, das oder die Abzuwertenden ihrer Würde zu entkleiden. Im Film. In der Wochenschau hatte eine solche Wirkung großer Gesten und gebrüllter Sätze bedurft. Im Schriftmedium wäre eine Ableitung notwendig geworden. Einzig das Pamphlet oder die Predigt konnten sich ähnlich vernichtend äußern. Im Bildschirmformat. Überlegenheit wird im gemeinsamen Verlachen oder Verlächeln ausgedrückt. Der Führer geht im Humor voran. Je nach Begabung halt zurückhaltend ironisch oder clownesk übertrieben.

Was ist gegen Lachen zu sagen, wird jetzt ausgerufen werden. Lachen ist doch ein Affekt. Ein Affekt repräsentiert den inneren Zustand. Ein Affekt ist also irgendwie Natur und natürlich darin, dass er ohne Umweg über das Denken spontan aufspringt. Nun. Eine solche Beschreibung des Affekts macht die Mitlacher zu hilflos Ausgesetzten und beschreibt so gleich die Medienrealität, in der wiederum genau diese Hilflosigkeit die Zugehörigkeit herstellt. Hier beschreibt sich nichts anderes als eine vormoderne Position der Person sich selbst gegenüber. Eine solche Position ist für die reaktionäre Comedyrevolution ideal. Die Person wird im Lachen über die Moderne hinweggehoben und landet postmodern fragmentiert in der endgültigen Beschreibung durch den Preis. Das ist dann anonyme Feudalität, die über die ausgepreiste Person ausgeübt wird. Und wieder bleibt das eine Prozent unberührt und die Massen in ihre Dienstleistungsanforderungen durch niedrige Bezahlung eingespannt. Und damit ruhiggestellt. Erst wenn das Lachen durch das Weinen ersetzt sein wird, kann ein Blick auf die eigene Situation geworfen werden.

Aber. Dann ist es zu spät. Wir werden dann alle geschwächt an die Hausmauer gelehnt dasitzen und vor Erschöpfung die Hand fürs Essen nicht heben können. Es ist eine Affektdiktatur, die der Bildschirm fabrizieren kann.

Passend dazu ist, dass in allen westlichen Kulturen Intellektualität etwas geblieben ist, was insgeheim oder gar nicht geheim belächelt wurde. Die Mainstream-TV-Serie war darin besonders produktiv. In der Serie Frasier etwa wurden zwei intellektuelle Söhne gegen den "Working-class down to earth nice guy"-Daddy gestellt. Systemischerweise kamen die Intellektualität und etwa die Neigung zur Oper von der verstorbenen Mutter dieser Söhne. Der Vater hat mit nichts zu tun, was mit Denken verbunden werden könnte. Während also die Söhne ihr Leben aus lauter denkerischer Kompliziertheit nicht schaffen, bleibt der Vater der nette Kerl, der auf alles aus dem Bauch heraus reagiert. Mit den Ergebnissen dieses Nicht-Denkens hat der Vater dann immer recht. Der Bauch des Vaters ist es hier, der recht hat.

Diese Serie ist eine der erfolgreichsten TV-Serien. Von 1993 bis 2004 wurden 264 Episoden in elf Staffeln gesendet. Nun ist aber gerade die Gruppe des hier geschilderten Vaters, des Working-Class American white Guy, von der Globalisierung besonders betroffen. In einer Studie wurde festgestellt, dass Männer dieser Gruppe eine herabgesetzte Lebenserwartung haben. Ihre Situation wurde mit der der Männer in Russland in den 90er-Jahren verglichen, als die politischen Veränderungen viele Lebensentwürfe dieser Männergenerationen außer Kraft setzten. Überflüssig zu sein. Keinen Platz zu haben. Entscheidungen getroffen zu haben, die sich als falsch erweisen. Das löst Verzweiflung aus. Eine unterhaltungsdramaturgische Bestätigung wie in der Serie Frasier mag da beruhigend wirken. Gelöst ist damit nichts. Die Ideologie einer solchen TV-Serie führt nur geradewegs an den Stammtisch. Hier an einen virtuellen Stammtisch, an dem die Postings die Hetzrufe aus der Beislecke ersetzen. Was daraus geschlossen werden muss, ist aber doch, dass die Politik des Affektiven neu gedacht werden muss. Einmal mehr müssen die Verbindungen zwischen den heute von der Unterhaltung abrufbaren Affekten und der Abrufbarkeit in der Person selbst erhellt werden. Wenn Lachen tötet, dann muss dieser Täterschaft nachgegangen werden. Und. Wenn Lachen gegen demokratische Errungenschaften gerichtet wird, indem die Abwertung von Minderheiten systematisch betrieben wird, dann bleibt nichts anderes übrig, als in aller Form und Mühsal dagegen anzutreten. Und ja. Das kann dann Moralkeule genannt werden. Und ja. Das ist dann Kampf gegen die Comedykeule und humorlos. Wie Kampf das meistens ist. In diesem Fall humorlose Argumentation von Demokratie.

In den nächsten vier bis fünf Jahren werden 50 Prozent der Jobs verschwinden. Diese Voraussage ist ernst zu nehmen. Und. Es müssen andere Strategien der Problemlösung entwickelt werden, in der solche Verluste den Betroffenen überlassen werden. Die Landwirtschaftskammer ist hier ein besonders deutliches Beispiel, wenn Mitglieder berichten, dass ihnen ihr Wegstrukturieren geweissagt wird und die Kammer nicht mehr dazu zu sagen hat, als dass die Lebensmittelproduktion Österreichs trotz allem gesichert ist.

Da gibt es keine anderen Szenarien, die den Abstieg der betroffenen Personen in die totale Verzweiflung auffangen würden. Wie wir überhaupt diesen Prozessen keine Aufmerksamkeit schenken. Oder sogar alte Ressentiments am Scheitern anderer ausleben. Es scheint doch, dass der alte Hass der Sozialdemokratie auf das Gewerbe die Sache mit der Registrierkassa mitbestimmt hat. Die zu erwartende Schließung unzähliger Kleingewerbebetriebe als Reaktion auf diese neue Anforderung wird mit Gelassenheit in Kauf genommen. Anderen soll es auch schlecht gehen. Dass Solidarität längst vollkommen anders angeordnet gedacht werden muss und dass die alten Einteilungen in Arbeitende und Selbstständige die Wirklichkeit schon lange nicht mehr beschreiben. Das wird von den politischen Eliten mit Achselzucken beantwortet. Sie versuchen noch aus dem Ende einer Welt ein paar Stimmen zu retten. Wie Donald Trump das macht.

Es ist eine schreckliche Welt, in der wir leben. Und dennoch ist es schwer, sie untergehen zu lassen. Die Aussicht, dass die Macht an den Comedyfaschismus fällt, ist zu fürchterlich. Verlacht, unbetrauert und undokumentiert. Die politischen Antworten müssen auf die Wirklichkeit gegeben werden und nicht auf das vormoderne Gesülze überkommener Vorurteile. In den USA ist immer daran zu erinnern, dass der Klan einmal eine sehr weitverbreitete Organisation war. Worauf sich unsere Verlacher stützen, wissen wir. Also. Heraus mit der Moralkeule im Kampf um die demokratischen Grundrechte. Heraus mit peinlichen Fragen an alle Verlacher von Minderheiten. In allem gebotenem Ernst.

Es geht ums Leben. (Marlene Streeruwitz, Album, 6.12.2015)

  • Präsidentschaftskandidat Trump: Man macht sich so lange über alles lustig, bis man im Besitz des Lachens des Publikums ist – und der Deutungshoheit.
    foto: reuters / brian snyder

    Präsidentschaftskandidat Trump: Man macht sich so lange über alles lustig, bis man im Besitz des Lachens des Publikums ist – und der Deutungshoheit.

  • Bauarbeiter in NYC: "Sie essen Hotdogs. Sie schauen vor sich hin. Die Gesichter staubig und grau."
    foto: apa/epa/justin lane

    Bauarbeiter in NYC: "Sie essen Hotdogs. Sie schauen vor sich hin. Die Gesichter staubig und grau."

  • Schriftstellerin Marlene Streeruwitz: "Die meisten Apartments stehen leer. Die Besitzer warten auf noch bessere Preise. Der Bauarbeiter, der in den Schacht zu Tode stürzte, war in das Räderwerk der Spekulation geraten."
    foto: philipp horak

    Schriftstellerin Marlene Streeruwitz: "Die meisten Apartments stehen leer. Die Besitzer warten auf noch bessere Preise. Der Bauarbeiter, der in den Schacht zu Tode stürzte, war in das Räderwerk der Spekulation geraten."

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