Abgasskandal: Problem beschleunigt Lösung

8. Dezember 2015, 12:41
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Im Schatten des VW-Skandals, während hitziger Diskussionen um die wahre Abgasqualität unserer Autos, wurden bereits wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Gang gesetzt

Seit man VW mit manipulierter Motorsteuerungs-Software und gefälschten Verbrauchsangaben erwischt hat, ist alles anders in der Autowelt, sagen viele. Tatsächlich beschleunigen sich etliche Vorgänge, die ohnehin längst ein Thema sind. Die Ereignisse rund um VW könnten die Durchsetzung wohlbekannter Umweltschutzanliegen begünstigen, es bestehe jetzt sogar ein historisches Fenster, rigide Maßnahmen gegen den Autoverkehr durchzusetzen, hoffen nicht wenige. Günther Lichtblau, Verkehrsexperte des österreichischen Umweltbundesamts, sieht das differenziert: "Das größte Fenster ist bereits genützt worden, weil wir auf EU-Ebene schon in den Abschlussverhandlungen zum WLTP-Zyklus waren. Aber dass die Real Driving Emissions in dieser Geschwindigkeit kommen, hätten wir so nicht gedacht, das hätten wir nicht vor 2025 gesehen."

Zur Ergänzung: Die starken Abweichungen zwischen den Abgas- und Verbrauchsangaben der Hersteller und der Wirklichkeit sind längst bekannt. Die extreme Diskrepanz sollte durch neue Testmethoden (WLTP-Zyklus, also Worldwide Harmonized Light Duty Vehicle Test Procedure) und zusätzliche Testverfahren (RDE, Real Driving Emission, also Onboard-Messungen während der Fahrt) deutlich gemildert werden.

Abweichung im Realbetrieb

Heute entsteht im realen Fahrbetrieb eine vielfach größere Stickoxidmenge, etwa das Drei-, Vier- oder Fünffache, in Einzelfällen noch viel höher als der Prüfstandswert. So sollen auch mit Einführung von Messungen im Realbetrieb höhere Emissionen erlaubt sein als am Prüfstand, allerdings nur mehr in einer technisch unvermeidbaren Größenordnung. Und damit das auch gesagt ist: Der Pkw ist beileibe nicht der einzige Stickoxidverursacher.

Die Verhandlungen um diesen "Conformity Factor" wurden durch die jüngsten Ereignisse eindeutig verschärft. So darf beim Real-Driving-Emissions-Test auf der Straße nur mehr das 2,1-Fache an Stickoxiden rauskommen gegenüber dem WLTP-Prüfstandtest. Lichtblau: "Und dieser Faktor wird ab 2020 auf 1,5 abgesenkt. Das hätten wir sonst nicht gesehen in dieser kurzen Zeit. Da haben die Hersteller eine ganz schöne Hausaufgabe gekriegt. Schaut man die Dokumente auf EU-Ebene an, so ist die Kommission sehr ambitioniert vorgegangen. Das hat uns sicher sieben bis acht Jahre vorwärts gebracht, zumal ja auch bei den CO2-Angaben geschummelt wurde."

Stickoxide

Die Diskrepanz zwischen Prüfstand und Wirklichkeit ist vor allem bei den Stickoxiden mit der Verschärfung der Grenzwerte immer dramatischer geworden. So hat ein Euro-V-Dieselfahrzeug im Realbetrieb mitunter einen höheren Stickoxidausstoß als ein Euro- 0- oder Euro-I-Fahrzeug. Das stellt durchaus ein Problem bei der Luftqualität in Österreich dar.

Lichtblau: "Wenn wir in Österreich Luftgüteverletzungen haben, dann sind das Feinstaub und NO2 (Stickstoffdioxid). Man merkt, dass bei höheren Belastungen Krankenhausaufenthalte und Todesfälle zunehmen. Es ist sicher nicht so, dass man auf Luftgüteseite Entwarnung geben könnte." (Rudolf Skarics, 08.12.2015)

  • Die aktuelle Debatte um den Pkw-Schadstoffausstoß könnte rascher zu Verschärfungen führen als geplant. Erhoffter Effekt: bessere Luftgüte.
    foto: dpa

    Die aktuelle Debatte um den Pkw-Schadstoffausstoß könnte rascher zu Verschärfungen führen als geplant. Erhoffter Effekt: bessere Luftgüte.

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