Vanessa Bittner: Nur nicht abheben

4. Dezember 2015, 10:50
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Die Eisschnellläuferin Vanessa Bittner (20) wird schneller und schneller. Zuletzt erlief die Tirolerin fünf österreichische Rekorde und zwei fünfte Plätze im Weltcup. Ihr Nahziel heißt Inzell, ihr Fernziel Pyeongchang

Inzell/Wien – Vanessa Bittner ist 20 Jahre alt. Sie sagt Wörter wie "cool" und "saugut". Aber sie ist keine Schwadronierin. Ihr Trainer, Hannes Wolf, sagt: "Sie darf nicht abheben." Das ist gar nicht so einfach, denn Bittner ist eine saugute Eisschnellläuferin. Die Innsbruckerin gibt zu größten Hoffnungen Anlass. Im Februar 2018 wird sie 22 Jahre alt sein, und sie wird, so nichts dazwischenkommt, bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang antreten. Und wenn alles normal läuft, dann wird sie in Südkorea als Medaillenanwärterin gelten. Die Medienaufmerksamkeit wird eher nicht weniger werden. So viele Spitzensportlerinnen hat Österreich nicht.

Bittner wirkt nicht, als wäre sie abgehoben. Aber ihre jüngsten Leistungen waren durchaus beflügelnd. Die Weltcupsaison hat erst angefangen, da ist sie schon fünf österreichische Rekorde gelaufen. Drei in Calgary, zwei in Salt Lake City. Zweimal wurde sie Fünfte, einmal Sechste, einmal Siebente, einmal Achte. Saugut. Sie war über 500 Meter sogar zweimal beste Europäerin. Die Testrennen hätten schon darauf hingedeutet, dass sie gut drauf sei, sagt Bittner. "Aber dass es so gut läuft, war überraschend." Wolf war nicht überrascht. "Dafür kenne ich sie viel zu gut." Seit acht Jahren trainiert er die Tirolerin. Er hätte ihr sogar noch mehr zugetraut. "Im Training hat sie Sachen gezeigt, von denen ich fast nicht gedacht hätte, dass sie das kann."

Der Trainer will nicht unbescheiden sein, sagt: "Der 1000er in Calgary war ausgezeichnet. Der 1500er in Salt Lake City sensationell." Bittner ist Sprinterin. 500 und 1000 Meter sind Sprintstrecken. Die 1500 Meter hat sie heuer zusätzlich ins Trainingsprogramm aufgenommen. Auf eigenen Wunsch. "Ich dachte: Wenn es klappt, ist es gut, und wenn nicht, nehme ich sie wieder raus." Die Strecke bleibt im Programm.

Hunyady als Rekordhalterin abgelöst

In Amerika löste Bittner Emese Hunyady, 1994 Olympiasiegerin über 1500 Meter, als österreichische Rekordhalterin ab. "Das ist cool", sagt Bittner, "Emese ist natürlich nicht irgendwer." Hunyady habe sich als Gratulantin eingestellt. Auch cool. "Vanessa hat Potenzial über die 1500 Meter", sagt Wolf. Die Strecke sei zudem ein gutes Ausdauertraining für den Tausender. Im Sommer ist sie im Training mehr Rad gefahren und mehr inlinegeskatet als in den Jahren davor. Das hat sich schon bei der Inline-Speedskating-EM im Juli in Innsbruck bezahlt gemacht – Bittner holte fünfmal Gold.

Überhaupt hat die 20-Jährige jetzt mehr Zeit fürs Training. Die Schulzeit ist vorbei, die Matura ist abgelegt. Bittner ist Heeressportlerin. In diesem Winter konzentriert sie sich auf das Eisschnelllaufen. Aber dann will sie studieren. "Ich kann nicht nur Sport machen", sagt sie. Aber das kann sie ziemlich gut. Von heute, Freitag, bis Sonntag will sie ihr Können wieder unter Beweis stellen. Beim Weltcup in Inzell (Bayern). Dort hat sie schon tausende Trainingskilometer abgespult. Auf der Bahn in Innsbruck, vor ihrer Haustür, sind nur Freilufteinheiten möglich. Rekorde wird sie in Inzell eher nicht aufstellen. Das Eis ist langsamer als in Amerika.

Zwei Weltmeisterschaften

Aber der "halbe Heimweltcup" ist nicht der Saisonhöhepunkt. Es folgen Mitte Februar noch die Einzelstrecken-WM in Kolomna (Russland) und Ende Februar die Sprint-WM in Seoul (Südkorea). Das Ziel? "Ein Top-fünf-Platz." Und eine Medaille? "Ich rede nicht so gerne über Medaillen." Nachsatz: "Das wäre natürlich ein Traum." Bei den Juniorinnen, bei denen sie nun nicht mehr startberechtigt ist, holte sie fünfmal WM-Gold. "Vanessa hat eine super Entwicklung hinter sich", sagt Hannes Wolf. Im technischen Bereich gäbe es noch Verbesserungspotenzial. "Aber wenn sie ganz normal weitermacht, passt das." Nur abheben soll sie nicht. (Birgit Riezinger, 4.12.2015)

Ergebnisse Eisschnelllauf-Weltcup in Inzell vom Freitag – Damen 500 m: 1. Sang-Hwa Lee (KOR) 37,33 Sek. – 2. Brittany Bowe (USA) 37,70 – 3. Heather Richardson-Bergsma (USA) 37,99 – 4. Heather McLean (CAN) 38,01 – 5. Vanessa Bittner (AUT) 38,08

Weltcup-Stand 500 m nach 5 Rennen: 1. Lee 420 – 3. Zhang Hong (CHN) 380 – 3. Bowe 360 – 4. Richardson 330 – 5. Bittner

  • Vanessa Bittner hat heuer maturiert, damit mehr Zeit fürs Training.
    foto: apa/peter maurer

    Vanessa Bittner hat heuer maturiert, damit mehr Zeit fürs Training.

  • Bittner auf dem Weg in die Weltspitze. Die Domäne der 20-jährigen Tirolerin ist der Sprint, zuletzt zeigte sie auch über 1500 m auf. Über diese Strecke löste sie Olympiasiegerin Emese Hunyady als österreichische Rekordhalterin ab.
    foto: apa/peter maurer

    Bittner auf dem Weg in die Weltspitze. Die Domäne der 20-jährigen Tirolerin ist der Sprint, zuletzt zeigte sie auch über 1500 m auf. Über diese Strecke löste sie Olympiasiegerin Emese Hunyady als österreichische Rekordhalterin ab.

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