Evolutionsbiologe Qi Zhou wechselt mit EU-Förderpreis an Uni Wien

3. Dezember 2015, 12:37
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Chinesischer Forscher untersucht die Entstehung des Y-Chromosoms

Wien – Mit einem hoch dotierten EU-Förderpreis wechselt der chinesische Evolutionsbiologe Qi Zhou an die Universität Wien. Der Wissenschafter erhält einen mit rund zwei Millionen Euro dotierten "Starting Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC) und will damit die Entstehung des Y-Chromosoms untersuchen, teilte die Uni Wien mit.

Die Geschlechtschromosomen X und Y bestimmen bei vielen Tierarten das Geschlecht: Weibchen verfügen über zwei X-, Männchen über ein X- und ein Y-Chromosom. Letzterem wurde lange Zeit nur die Funktion zugeschrieben, das männliche Geschlecht zu bestimmen und für die Fruchtbarkeit der Männchen zu sorgen. Seine Rolle ist laut Uni Wien jedoch weit weniger verstanden als jene des X-Chromosoms.

Werdegang

Qi Zhou promovierte an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und arbeitete dann am Bejing Genomic Institute und an der University of California in Berkeley (USA). Er wird voraussichtlich 2016 von der Zhejiang University in Hangzhou an das Department für Molekulare Evolution und Entwicklung der Universität Wien wechseln. "Voraussichtlich" deshalb, weil noch kein Vertrag unterschrieben sei, hieß es von Seiten der Uni Wien. Er habe aber beim ERC beantragt, sein Projekt an der Uni Wien durchführen zu wollen.

Der Evolutionsbiologe will unbekannte Funktionen und die Evolution des Y-Chromosoms anhand von Fruchtfliegen untersuchen. Dazu sollen verschiedene Fliegen-Arten verglichen werden, die unterschiedlich weit entwickelte Y-Chromosome besitzen.

Speziell interessiert sich Qi Zhou für die zahlreichen DNA-Elemente am Y-Chromosom, die als "Parasiten" des Genoms bezeichnet werden, da sie innerhalb des Genoms springen und sich vermehren können. Er will untersuchen, wie diese DNA-Abschnitte "gezähmt" werden, um Schaden von anderen Teilen des Genoms abzuwenden.

Hintergrund der Förderung

Mit dem ERC fördert die EU Grundlagenforschung in Europa. Vergeben werden "Starting- und Consolidator-Grants" für Nachwuchswissenschafter und "Advanced Grants" für etablierte Forscher. (APA, red, 3. 12. 2015)

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