"U-Boot"-Krankheiten: Häufig unerkannt oder von Betroffenen versteckt

3. Dezember 2015, 11:58
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Multiples Myelom, Schuppenflechte und Psoriasis Arthritis werden häufig erst spät diagnostiziert und behandelt

Es gibt Krankheiten, die schwer erkennbar sind und sich vor einer Diagnose "verstecken" und Erkrankungen, die dazu führen, dass sich der betroffene Mensch selbst versteckt. Auf diese sogenannten U-Boot-Krankheiten machten Experten bei einem Pressegespräch in Wien aufmerksam.

"U-Boote wurden erfunden, um Gegner zu täuschen und dann zuzuschlagen. Das haben bestimmte Krankheiten auch an sich", erklärte Burkhard Leeb, Vorstand der 1. und 2. medizinischen Abteilung am Landesklinikum Weinviertel. Exemplarisch für diese speziellen Erkrankungen wurden das Multiple Myelom, die Psoriasis (Schuppenflechte) und die Psoriasis-Arthritis hervorgehoben.

Multiples Myelom

Beim Multiplen Myelom handelt es sich um eine Krankheit der Knochen, bei der sich bösartige Zellen im Knochenmark vermehren und dort zur Zerstörung des angrenzenden Knochens führen können. Jährlich erkranken in Österreich rund 350 bis 400 Menschen daran.

Die Knochenschmerzen, die häufig im Bereich der unteren Wirbelsäule auftreten, führen allerdings häufig dazu, dass die Krankheit beispielsweise mit altersbedingten Abnutzungserscheinungen verwechselt wird.

So leidet jeder vierte Österreicher unter Rückenschmerzen. "Die Ursachen dafür sind aber sehr vielfältig. Der Arzt muss wissen, dass sich auch schwerwiegende Probleme hinter einem solchen Symptom verbergen können, wie etwa eine Myelomerkrankung", erklärte Niklas Zojer, Abteilungsvorstand Stellvertreter der 1. Medizinischen Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie, im Wiener Wilhelminenspital.

Schuppenflechte/Psoriasis

Eine Krankheit, bei der nicht die Krankheit selbst, sondern der Patient sprichwörtlich zum U-Boot wird, ist die Psoriasis (Schuppenflechte), von der rund zwei Prozent der Österreicher (rund 170.000 Personen) betroffen sind. Die nicht ansteckende, entzündliche Hautkrankheit, tritt in verschieden starken Ausprägungen auf und verläuft schubweise. Durch die auffälligen Schuppen werden Betroffene häufig ausgegrenzt und ziehen sich immer mehr zurück.

"Wenn man so gezeichnet durch das Leben gehen muss, hinterlässt das Spuren", verwies Klemens Rappersberger von der Abteilung für Dermatologie und Venerologie in der Krankenanstalt Rudolfstiftung auf die starke psychische Belastung von Betroffenen.

"Die Psoriasis-Schuppen sind überall. Ist man auf Besuch oder im öffentlichen Raum unterwegs, ist das besonders unangenehm, aber auch wenn daheim Besuch kommt", betonte Karin Formanek, bei der die spezielle Krankheit Psoriasis Arthritis 30 Jahre lang nicht diagnostiziert werden konnte.

In den vergangenen Jahren sei es laut Rappersberger aber gelungen, den Zustand der Patienten deutlich zu verbessern. "Der Großteil kann heute ein vollkommen unbeschwertes und nahezu entzündungsfreies Leben führen", sagte er und verwies auf neue Therapiemethoden durch regelmäßige Tabletteneinnahme.

Psoriasis Arthritis

Eine weitere U-Boot-Krankheit, die sich laut Hans Peter Brezinscheck von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie an der Med Uni Graz häufig "hinter der Psoriasis versteckt", ist die Psoriasis Arthritis.

30 Prozent der Patienten, die an Schuppenflechte leiden, sind von dieser Form der Arthritis betroffen, sie kann aber auch ohne die Psoriasis auftreten. "Hier können die unterschiedlichsten Strukturen des Gelenkapparates betroffen sein: Periphere Gelenke, Wirbelsäulengelenke aber auch Sehnenansätze. Die Symptome sind aber oft so unscheinbar, dass man glaubt, es handelt sich um eine Abnützung", sagte er.

Die dadurch häufig erst spät gestellten Diagnosen und Therapien führen dazu, dass sich der Zustand der Betroffenen immer mehr verschlechtert und es zu körperlichen Behinderungen und Fehlbildungen kommen kann. "Alle Schuppenflechte-Patienten sollten daher auf Psoriasis Arthritis gescreent werden", betonte Brezinscheck.

Für die frühe Erkennung sei vor allem der Allgemeinarzt gefragt. "Klagt ein Patient über Sehnenprobleme, sollte eine beginnende Psoriasis Arthritis in Betracht gezogen und ein Spezialist hinzugezogen werden." (APA, 3.12.2015)

  • Mikroskopische Aufnahme der Haut. Die rot gefärbten Teile zeigen die Aktivität des Gens JunB, das bei der Entstehung der Psoriasis eine wichtige Rolle spielen dürfte.
    foto: apa/nature/imp

    Mikroskopische Aufnahme der Haut. Die rot gefärbten Teile zeigen die Aktivität des Gens JunB, das bei der Entstehung der Psoriasis eine wichtige Rolle spielen dürfte.

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