Lienhart debütiert für Real Madrid, dem Verein droht der Pokalausschluss

3. Dezember 2015, 00:16
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19-Jähriger im Cup als erster Österreicher für den Großklub im Einsatz – Trainer Benitez setzt nicht spielberechtigten Kicker ein

Cadiz – In der 77. Minute des Cup-Duells mit Cadiz war es so weit: Der 19-jährige Philipp Lienhart lief als erster Österreicher für Real Madrid ein. Seit 2014 kickt der Innenverteidiger für den Nachwuchs der Königlichen, er gehört in der von Zinedine Zidane gecoachten B-Truppe, die in der dritten Liga spielt, zum Stammpersonal. Begünstigt durch verletzungsbedingte Ausfälle hat der ÖFB-U21-Teamspieler eine Chance in der Kampfmannschaft bekommen. Er wurde für James Rodriguez eingewechselt. Schon einmal hatte Benitez den Ex-Rapidler Mitte Oktober für das Ligaspiel gegen Levante in seinen Kader geholt, damals saß er aber nur auf der Bank.

Gesperrter Spieler traf

Ob Real den 3:1-Sieg im Viertrunden-Hinspiel des Cupbewerbs beim Drittligisten am Mittwoch in guter Erinnerung behalten wird, ist aber eine andere Frage. Trainer Rafael Benitez stellte den offenbar nicht spielberechtigten Dmitri Tscheryschew auf. Nun droht der Ausschluss aus dem Bewerb.

Der Russe hatte in der Vorsaison als Leihgabe an den FC Villarreal drei gelbe Karten in der Copa del Rey kassiert und wäre damit in Reals Auftaktspiel gesperrt gewesen. Das fiel allerdings erst auf, nachdem Tscheryschew in der zweiten Minute das Führungstor für Real geschossen hatte. Dabei hatte Spaniens Verband die Sperre des Stürmers offiziell verkündet.

"Davon wussten wir nichts. Villarreal und der Verband haben uns nicht gewarnt", sagte Benitez: "Als wir davon erfahren haben, haben wir ihn ausgewechselt, um unseren guten Willen zu demonstrieren." Emilio Butragueno, Reals Direktor für institutionelle Beziehungen, bestätigte Benitez' Darstellung. "Ich möchte betonen, dass auch Tscheryschew nichts von einer möglichen Sperre wusste", sagte er.

Die Cadiz-Fans skandierten höhnisch: "Benitez, schau mal auf Twitter!" Der Real-Coach nahm Tscheryschew zwar kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit vom Platz, viel nützen dürfte ihm das aber nicht. Für ein vergleichbares Vergehen war in der laufenden Saison bereits Zweitligist CA Osasuna aus dem Cup verbannt worden. Sollte Reals Ausschluss perfekt werden, könnte dies Benitez den Job kosten. Cadiz hat wie erwartet am Donnerstag Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt.

Was Reals total verkorksten Auftritt noch kurioser machte: Auf der Bank saß in Borja Mayoral ein weiterer wohl nicht spielberechtigter Akteur – der Youngster hatte im Nachwuchs-Cup Rot gesehen.

Wiederholungstäter Benitez

Zudem ist es nicht das erste Mal, dass Benitez ein fataler Wechselfehler unterlief. Als Trainer des FC Valencia hatte er im Pokal-Zweitrundenmatch 2001/02 gegen Novelda in der 91. Minute den Rumänen Dennis Serban als vierten Nicht-EU-Ausländer eingewechselt, das Spiel wurde 0:3 gegen Valencia gewertet.

Der unter den Spielern nicht sonderlich beliebte Benitez steht nicht erst seit der 0:4-Pleite im Clasico gegen den FC Barcelona unter Druck. (sid, red, 3.12.2015)

  • Rafael Benitez wechselt Dmitri Tscheryschew aus – zu spät.
    foto: reuters/del pozo

    Rafael Benitez wechselt Dmitri Tscheryschew aus – zu spät.

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