Saudis halten weiter Deckel auf Ölpreis

3. Dezember 2015, 05:30
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Das Ex-Mitglied Indonesien wird laut Expertenmeinung wieder der Opec beitreten. Zu einem Kurswechsel sollte es beim Treffen am Freitag aber nicht kommen

Frankfurt/Wien – Spekulationen über eine mögliche Kursänderung Saudi-Arabiens beim Opec-Treffen am Freitag in Wien kommen verfrüht, wenn es nach Eugen Weinberg von der Commerzbank geht. "Aktuell gibt es für die wichtigsten Opec-Länder keine Notwendigkeit, etwas zu ändern", meint der Rohstoffanalyst. Aus seiner Sicht entwickelt sich die Lage im Interesse Saudi-Arabiens, die Nachfrage erhole sich langsam, und das Schieferölangebot aus den USA nehme ab. "Außerdem hat Saudi-Arabien den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht."

Zuletzt waren Überlegungen aufgekommen, die Regierung in Raid würde angesichts eines erwarteten Haushaltsdefizits von 20 Prozent für 2015 einen Strategieschwenk anstreben. Ein Argument, das Weinberg mit Blick auf die geringe Verschuldung und die gewaltigen Ölreserven als wenig stichhaltig ansieht: "Bevor Saudi-Arabien Probleme bekommt, können andere Mitglieder der Opec längst einpacken."

Das Land wird demnach weiter auf einen tiefen Ölpreis bedacht sein, um dadurch Investitionen in neue Ölförderung zu unterbinden. "Saudi-Arabien plant nicht nur auf fünf bis zehn Jahre, sondern denkt in Generationen", hebt Weinberg hervor. Die Opec werde daher die offizielle Förderung unverändert bei 30 Mio. Barrel pro Tag belassen – und unter der Hand weiterhin deutlich mehr auf den Markt werfen.

Politische Überlegungen

Für wahrscheinlich hält Weinberg hingegen, dass die Wiederaufnahme Indonesiens beschlossen werde, jedoch ohne dass dem Land eine eigene Förderquote zugesprochen werde. Das Land war 1962 erstmals beigetreten und hatte seine Mitgliedschaft 2009 auf Eis gelegt, als die indonesischen Ölimporte die Exporte übertrafen. Heuer werde Indonesien täglich rund 850.000 Fass pro Tag produzieren und zusätzlich rund eine Million Barrel pro Tag importieren. Daher zweifelt Weinberg an der Sinnhaftigkeit des Beitritts, meint aber: "Sei's drum, das sind eben politische Überlegungen." (aha, 3.12.2015)

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