U-Ausschuss: Tilo Berlins Geheimnis um Hypo-Investoren

2. Dezember 2015, 17:51
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Die zweite Befragung von Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin verlief konfrontativ. Oft berief sich Berlin aufs Geschäftsgeheimnis

Wien – Die zweite Einvernahme des ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Chefs Tilo Berlin vor dem parlamentarischen U-Ausschuss begann mit einem Rundumschlag Berlins gegen Republik (nicht notwendige Verstaatlichung) und Nachfolger (etwa Gottwald Kranebitter, der keinen Fit&Proper-Test habe machen müssen). Danach geriet sie zur bislang heftigsten Debatte um Auskunftspflichten samt Rückzugsgefecht Berlins.

Anlass waren die hartnäckigen Versuche von Rainer Hable (Neos) zu erkunden, wer wie viel an der (indirekten) Beteiligung an der Hypo samt anschließendem Verkauf an die BayernLB investiert und verdient hatte. Es geht dabei um die "dritte Tranche" von Mitte 2007, als der Einstieg der BayernLB in die Hypo schon fix war. Damals barg die gewinnträchtige Beteiligung also kein Risiko. Auch Berlin habe sich indirekt beteiligt.

Beteiligungsrätsel

Bei diesen Fragen berief sich der studierte Jurist Berlin, der seinen Bruder Malte als Vertrauensperson zur Seite hatte, aufs Geschäftsgeheimnis. Von dem sei er nicht entbunden worden – beziehungsweise würde er als Geschäftsführer der entsprechenden Gesellschaft sich gar nicht entbinden lassen wollen, weil auch andere Investoren betroffen seien. Genau darum ging es: Wer stand hinter den Gesellschaften, die abseits der Berlin & Co. AG und der Berlin & Co Holding GmbH (an beiden war auch Berlin beteiligt) bei der dritten Tranche investiert und mitverdient hatten?

Eine Creative Business Capital Ltd. hatte 16 Millionen Euro investiert; wer dahinter steht, das wollte Berlin nicht verraten ("Geschäftsgeheimnis"). Hable ortete eine indirekte Beteiligung an der Luxemburger Berlin & Co Capital, über die das Hypo-Investment ("Projekt Knox") lief. Eine direkte Beteiligung schloss Berlin aus.

Kingsbridge-Mutter

Tatsächlich erschließt sich aus den dem STANDARD vorliegenden "Terms and Conditions" von Projekt Knox, dass "8/10 der Erlöse direkt" an die Genussschein-Inhaber gingen, "4/30 an die B&Co Privatstiftung Österreich, 3/30 an Kingsbridge" rund um Berlins damaligen Geschäftspartner Mathias Hink. Mit ihm hat Berlin Projekt Knox aufgesetzt und durchgeführt; heute ist man nicht mehr gut aufeinander zu sprechen. An Kingsbridge Capital Participations (mit Sitz auf Jersey) ist bzw. war auch die Creative Business Capital Ltd. beteiligt, wie sich aus dem Firmenbuch erschließt.

Letztlich drehte sich alles um die Frage, ob Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer via Creative Business Capital begünstigt war. (Eine seiner Gesellschaften hatte einen ähnlichen Firmenwortlaut.) Von Berlin war dazu keine klare Antwort zu bekommen. Auch die Frage, ob andere Hypo-Manager oder Aufsichtsratsmitglieder sich über diesen Weg beteiligt und mitverdient haben, blieb offen.

"Was macht Wien?"

Mehr Einblick gab Berlin in die Zeit, als es im Herbst 2008 um die Einholung von Partizipationskapital durch den Bund ging. Damals hätten die Bayern erstmals signalisiert, dass sie Kapitalerhöhungen nicht mehr allein stemmen wollten, auch die anderen Aktionäre seien gefragt gewesen. Bei einem Gespräch mit Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (BayernLB-Verwaltungsratschef) habe der denn auch gefragt: "Was macht Wien?" Man habe auch einen Beitrag Kärntens gewünscht.

Und, so erzählte Berlin: Landeschef Jörg Haider habe ihn zu diesem Thema (am Abend vor seinem Unfalltod) angerufen und einen Termin vereinbart. Zu dem es dann nicht mehr kommen sollte. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 3.12.2015)

  • Tilo Berlin brachte ab 2006 eine Investorengruppe für die Hypo zusammen. Wer wie profitierte, das verriet er im U-Ausschuss nicht.
    foto: apa/hans klaus techt

    Tilo Berlin brachte ab 2006 eine Investorengruppe für die Hypo zusammen. Wer wie profitierte, das verriet er im U-Ausschuss nicht.

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